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#MenstruationMatters
Mit Binden gegen Bildungsbarrieren
 

Titelbild: Menstruationshygienetag an der Chepngobob-Schule im Kericho-County, Kenia. Bild: Joy Kivata


Stellen Sie sich vor, Sie haben Ihre Periode, aber weder Binde noch Tampon zur Hand. Und auch die nächste Toilette ist weit weg. Sie möchten das Thema zur Sprache bringen – aber Sie können nicht. Denn die Periode ist mit Tabus und Mythen behaftet. Sie verstehen vielleicht nicht genau, was eigentlich passiert bei der Blutung. Möglicherweise fürchten und schämen Sie sich. Für Mädchen in vielen Ländern ist das Alltag. Diese Situation behindert ihre Bildung und gefährdet ihre Gesundheit. Deshalb machen die Frauen und Mädchen zusammen mit der Caritas das Tabu zum Thema.

 

Es fehlt an Hygieneprodukten, sanitären Anlagen, sauberem Wasser und Seife. Für viele armutsbetroffene Familien ist Menstruationshygiene eine Kostenfrage. Binden können sie sich oft nicht leisten. Was tun? Viele Frauen und Mädchen müssen improvisieren und verwenden Asche, Baumrinde, Blätter, Zeitungen oder Stofffetzen als Einlage. Diese Hilfsmittel sind nicht geeignet, um das Blut aufzufangen. Noch schlimmer: Sie fördern Entzündungen und Infektionen. Die Periode wird zum Gesundheitsrisiko.

Wenn es gar keine andere Lösung gibt, bleibt in der Angst davor, sich mit einem roten Fleck zu verraten, nur noch eines: Zuhause bleiben und abwarten. In Kenia beispielsweise fehlen die Mädchen kollektiv an schätzungsweise 500'000 Schultagen wegen ihrer Periode im Unterricht. Ein erfolgreicher Schulabschluss wird durch die wiederholten Fehlzeiten erschwert. Manche Mädchen brechen die Schule sogar ganz ab, nachdem sie zum ersten Mal ihre Periode erhalten haben.

Das grosse Schweigen und seine Folgen

Die erste Periode ist ein wichtiges Ereignis im Leben eines Mädchens. Doch sie kann auch beängstigend sein, wenn es nicht versteht, was gerade mit seinem Körper geschieht: «Was hat das Blut zu bedeuten, werde ich für etwas bestraft, bin ich krank, muss ich sterben?». Wenn gesellschaftliche Normen und die Scham es verbieten, über den weiblichen Zyklus zu sprechen, bleiben ihre Fragen unbeantwortet. Und wenn sie Antworten erhalten, sind diese oft mit gefährlichem Halbwissen und Aberglauben genährt.

Denn der Zyklus der Frau ist mythenumwoben und mit Tabus belegt. Schon in der Antike galt das Menstruationsblut als etwas Magisches oder Unreines, das kontrolliert werden musste. In vielen Kulturen geschieht dies durch eine Reihe von Verboten, die das soziale Leben reglementieren und den Alltag der Frauen während der Periode stark einschränken. Sie sind etwa von rituellen Handlungen ausgeschlossen, dürfen kein Essen zubereiten oder müssen die Zeit getrennt von der Familie verbringen, weil sie als unrein gelten.

Selbstbestimmt dank Toiletten, Binden und Wissen

Sanitäre Anlagen, Hygieneartikel und Wissen bringen den Frauen und Mädchen Freiheit. Sie haben das Recht auf einen Rückzugsort, wo sie sich um Menstruationshygiene kümmern, die Hände waschen, die Kleider wechseln und die gebrauchten Hygieneartikel entsorgen können - sicher, diskret, ohne Scham und vielleicht sogar ein wenig stolz im Wissen darüber, dass die Periode ein Zeichen ist für die Fähigkeit, Leben zu schenken. Weltweit brechen immer mehr Frauen das Schweigen und setzen sich für dieses Recht ein – damit sie auch während der Tage selbstbewusst und selbstbestimmt mit ihrem Körper umgehen können und die gleichen Bildungs- und Gesundheitschancen haben wie Männer. Die Caritas unterstützt sie dabei. 

 

Binden selbst herstellen

Die sanitäre Versorgung ist in vielen Regionen von Bangladesch katastrophal. In Nordwestbangladesch haben 70 Prozent aller Haushalte keinen Zugang zu Toiletten, von geschlechtergerechten, hygienischen Latrinen ganz zu schweigen. Hygieneartikel sind nicht flächendeckend verfügbar und teuer. Die Wasserknappheit in der Gegend macht den Umgang mit Hygiene doppelt schwierig.

Mit Stoff, Schere und Faden kommen Nasima Khatoun und Nasmin Khatoun ins Klassenzimmer der Junior Girls High School im winzigen Dorf Bosnoil im Distrikt Chapai-Nawabganj. Hier, in einer der äussersten Ecken des Landes, zeigen die beiden Caritas-Hygienecoaches den Schulmädchen und Frauen im Dorf, was es bei der Menstruationshygiene zu beachten gibt, und wie sie selbst Stoffbinden herstellen können. Solche Binden sind nicht nur eine kostengünstige Variante zu Einwegbinden, sondern stellen auch eine einfache Lösung für ein weiteres Problem dar: das der Entsorgung der gebrauchten Artikel.

Im Video zeigen die beiden jungen Frauen, wie man Binden selbst macht – und was es beim Waschen zu beachten gilt:

 

Lernen, sicher und selbstbewusst mit der Periode zu leben

Nach dem verheerenden Erdbeben von 2015 baut Caritas Schweiz in Nepal sichere und kinderfreundliche Schulen wieder auf. Diese sind öffentlich und werden vor allem von Mädchen besucht, während die Jungen häufig auf teurere, private Schulen geschickt werden. Damit die Monatsblutung für die Mädchen nicht länger eine Bildungsbarriere darstellt, organisiert die Caritas mit der lokalen Partnerorganisation an den Schulen einen Unterricht für Schülerinnen zur Menstruationshygiene. Am Ende des Kurses wissen die Mädchen besser über die Monatsblutung Bescheid:

  • Sie sind aufgeklärt und haben gelernt, wie sich der Körper während der Pubertät verändert.
  • Sie wissen, dass es viele Mythen zur Menstruation gibt.
  • Sie wissen wie sie gesund durch ihre Tage kommen.
  • Sie haben gelernt, wie man wiederverwendbare Binden wäscht und trocknet sowie Einwegbinden zu entsorgen.
  • Sie schämen sich nicht mehr, über die Periode zu sprechen und tauschen sich mit ihren Kolleginnen über das Thema aus.

Zudem führt die Caritas, ähnlich wie in Bangladesch, Workshops durch, in welchen die Schülerinnen und Lehrerinnen mit Begeisterung lernen, wie sie wiederverwendbare Binden herstellen können. 

Doch es gibt auch Schülerinnen, die Einmalbinden verwenden. Damit auch sie ihre Periode einfach handhaben können, gibt es ein Müllverbrennungssystem: Die Ofenwand grenzt an die Wand der Frauentoilette. Über eine Öffnung können die Schülerinnen ihre Binden in den Ofen werfen. Sie landen dort auf einem Rost, unsichtbar zwischen der Feuerstelle am Boden des Ofens und dem Kamin. So können Einwegbinden diskret verbrannt werden.

 

«Mit Madame Agnes können wir jederzeit reden»

Im Kericho-County in Kenia hat die Caritas in 38 Primarschulen die Wasserver- und Entsorgung verbessert und geschlechtergerechte sanitäre Anlagen mit einem Waschraum für die Mädchen gebaut. Im Rahmen von Hygieneunterricht (CHAST; Children’s Hygiene and Sanitation Training) hat sie auch Menstruationshygiene zum Thema gemacht und Demonstrationskits entwickelt, welche die Lehrerinnen im Unterricht einsetzen können. Was hat sich seither verändert?

«Manche Freundinnen haben Mühe, die Binden richtig einzulegen. Ich helfe ihnen. Und ich sage ihnen, dass sie keine Angst haben müssen und sich nicht zu schämen brauchen.»

Edith Chelangat (14), 7 Klasse, Seretut-Primarschule

«Es ist sehr schön zu sehen, dass die Mädchen heute viel selbstsicherer sind. Früher weinten sie, wenn sie Flecken auf ihren Kleidern entdeckten. Heute kommen sie zu uns und fragen nach Seife und Binden.»

Caroline Chelangat, Lehrerin an der St. Patrick-Primarschule und Hygiene-Instruktorin

 

«Die Buben waren nicht dabei, als wir zum ersten Mal im Unterricht über die Menstruation gesprochen haben. Sie sind erst später dazugekommen. Auch sie wissen jetzt, dass die Periode etwas Normales ist und lachen uns nicht mehr aus.»
Sharon Chepngeno, 7. Klasse, Ngenybare-Primarschule


«Madame Agnes ist Lehrerin und unsere Vertrauensperson. Mit ihr können wir jederzeit über alles reden. Meine Freundin ging zu ihr, als sie ihre Periode bekam.»
Monicah Cheruto, 7. Klasse, Ngenybare-Schule

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