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«Wenn das Klima sich ändert, müssen auch wir uns ändern.»
Oder wie die Kleinbauern in Mali mit weniger Wasser mehr ernten
 

Eine Reportage von Fabrice Boulé (Text) und Fabian Biasio (Fotos)

Die Frage lässt sich einfach formulieren: Wie bekommt man trotz erschwerter Bedingungen in der Landwirtschaft immer mehr Menschen satt? Tiefere Brunnen, modernere Anbaumethoden und dürreresistentes Saatgut, könnten eine Antwort darauf sein. Caritas hilft den Kleinbauern in Mali, damit sie ihre Familie und die übrige Bevölkerung ernähren können. 

 
 
 

Das kleine Dorf Sirini liegt etwa 250 Kilometer nördlich von der Hauptstadt Bamako entfernt. Die Menschen leben vorwiegend von der Landwirtschaft, doch durch die wiederkehrenden Dürren wird es für die Kleinbäuerinnen und Kleinbauern immer schwieriger die Dorfbevölkerung zu ernähren. Die Ernten fallen geringer aus. Sie reichen knapp, um die eigene Familie zu versorgen. An den Verkauf von Produkten auf dem Markt ist nicht zu denken. Der Kampf um die Ernährungssicherheit wird härter.

Die Regenperiode 2017 war die schlechteste, die Sirini in den letzten 15 Jahren erlebt hat. In 43 Tagen fielen lediglich 528 Millimeter Regen. In der Vergangenheit waren es durchschnittlich immerhin 648 Millimeter über einen Zeitraum von 57 Tagen. Viele Früchte auf den Feldern konnten dieses Jahr nicht reifen. 

 

Sich anzupassen wird unumgänglich

«Das Klima verändert sich. Wenn wir unsere Anbaumethoden nicht anpassen, werden wir alle untergehen», sagt Diawélé Coulibaly, ein junger Landwirt aus dem Dorf. In diesem Jahr hat er auf seinen Hirsefeldern erstmals die Halbmondtechnik angewendet und über eine Entfernung von Hunderten von Metern Steine in einer Reihe aufgeschichtet, um so das Wasser zurückzuhalten und den Boden vor Erosion zu schützen. Eine harte Arbeit, aber sie hat sich gelohnt. 400 Kilogramm Kleinhirse konnte er auf einem halben Hektar grossen Feld ernten. Ein gutes Ergebnis. 

Gelernt hat er die Halbmondtechnik anlässlich eines Besuchs in einem Nachbardorf, in dem die neue Anbaumethode auf Initiative von Caritas bereits eingeführt wurde. In diesem Projekt werden die Kleinbauern bei der Umsetzung nachhaltiger Agrartechniken begleitet und unterstützt.

 
 

Organischer Dünger

Chemischer Dünger wird zwar in Mali staatlich subventioniert, aber es gibt weit bessere Mittel, um die Produktion zu steigern: Mit vereinten Kräften haben die Männer in Sirini mehrere grosse Gruben ausgehoben und sie mit Pflanzenabfällen, Asche und Tierexkrementen aufgefüllt. Damit die Mischung möglichst schnell vergärt, wird sie mit reichlich Wasser begossen. So entsteht organischer Dünger. Der Herstellungsprozess ist aufwendig und kräftezehrend. Aber der Dünger ist kostenlos und nährt den Boden zwei Jahre lang, bis er erneuert werden muss.

 

Gemüse anbauen

In Sirini konnten mit der Unterstützung der Caritas zwei grosse Gemüsefelder angelegt werden. Sie verfügen über eigene Brunnen und sind eingezäunt, so dass das Vieh die Pflanzen nicht beschädigen kann. Mit den unterschiedlichen Gemüsesorten, die die Frauen hier anbauen, können sie ihre Familien versorgen. Ernteüberschüsse verkaufen sie auf dem lokalen Markt und bezahlen mit den Einnahmen das Schulgeld und die Kleidung der Kinder sowie die Gesundheitskosten für die ganze Familie.

Doch trotz all dieser Anstrengungen und der erzielten Fortschritte, bleibt das grösste Problem ungelöst: Die Wasserknappheit. Sie hat sich durch die abnehmenden Regenfälle in den letzten Jahren noch verschärft. In der Vergangenheit konnte man während der gesamten Trockenzeit die Wasserversorgung mit traditionellen, wenige Meter tiefe und mit manuellen Pumpen ausgestatteten Brunnen, gewährleisten. Heute hingegen müssten die Brunnen bis zu 20 Meter vertieft und mit solarbetriebenen Pumpen ausgerüstet werden. Nur so sind eine regelmässige Bewässerung und ein ausreichender Ernteertrag überhaupt möglich. 

 

Goldsuche oder Gemüseanbau

Die vierzigjährige Madeleine Diakité ist verheiratet. Sie hat 6 Kinder, im Alter zwischen 6 und 27 Jahren. Zwei von ihnen leben in Bamako und können zum Unterhalt der Familie beitragen. Madeleine wurde in Gualala geboren und hat noch nie woanders gelebt. Sie ist eine der Dorfbewohnerinnen, die auf den von Caritas angelegten Beeten Gemüse anbaut. Inzwischen sind die in einer Kooperative organisierten Frauen Besitzerinnen der Felder. Das Dorf hat sie ihnen geschenkt.

Rund 175 Frauen bauen auf zwei Gemüsefeldern ihre Produkte an. Viele waren in der gleichen Situation wie Madeleine.  Der Wassermangel lässt einige von ihnen zu Kauffrauen werden: Sie fahren nach Bamako, um dort Produkte zu kaufen, die sie im Dorf und seiner Umgebung weiterverkaufen. Es ist eine verkehrte Welt: Die Stadt muss das Land mit Gemüse versorgen. Doch diese Produkte sind teuer und für die Dorfbewohner kaum erschwinglich.

Seit sie auf diesen Feldern arbeitet, konnte Madeleine ihre Einkünfte aus dem Gemüseanbau von 100 000 auf 150 000 CFA Francs steigern (200 bis 300 Franken). Sie verkauft ihre Erzeugnisse auf dem lokalen Dorfmarkt, sowie auf dem rund 15 Kilometer entfernten Markt von Sérokolé.  

In der Vergangenheit war es für Madeleine Diakité unmöglich, ihre Familie zu ernähren, deshalb verliess sie ihr Dorf, um in einer Mine der Region nach Gold zu schürfen. Es war eine harte Zeit: die Trennung von der Familie, all die Risiken und viel Arbeit für wenig Geld. Dass sie jetzt in die Landwirtschaft zurückkehren konnte und dabei von Caritas unterstützt wird, empfindet sie als Glücksfall. Sie und die anderen Frauen aus der Kooperative haben neue Hoffnung geschöpft und sparen gemeinsam Geld, um die Anbaufläche möglichst bald zu vergrössern. 

 

Begeisternde Erfahrungen mit Orangen

Der Landwirt Charles Sidibé ist Dorfvorsteher in Gualala. Er erinnert sich noch gut an die Zeit, als er den Ackerboden mit seiner kleinen «daba» bearbeitete, einer kleinen Schaufel mit kurzem Griff.

Im Laufe der Jahre verbesserten sich die Anbau- und Produktionsbedingungen – auch dank der Pflüge und Rinder, die Caritas an die Bevölkerung abgegeben hat. Einige Haushalte können inzwischen bereits auf eigenen Füssen stehen. Dazu beigetragen haben auch die Eggen, Schubkarren und andere Geräte, die die landwirtschaftliche Arbeit erleichtern. Zudem wurden die Bauern in neuen Techniken ausgebildet und lernten, wie man gegen Bodenerosion vorgeht und organischen Dünger herstellt. Auch dürreresistentes Saatgut trägt zur Steigerung des Ernteertrags bei. «Früher produzierte ich auf einem Hektar 1,5 Tonnen Mais. Heute sind es drei Tonnen auf 1,5 Hektar Land.»

Das Leben von Charles Sidibé veränderte sich durch einen von der Caritas organisierten Besuch bei Orangenbauern in Ségou. Er war beeindruckt von den Ernteergebnissen, die dort trotz der schlechten Voraussetzungen erzielt wurden. Heute sät und erntet Charles Sidibé selbst Orangen.  

 

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