«Ich kann weiterleben. Das ist das Wichtigste»
Ein Jahr nach der Explosion in Beirut
 

Der 4. August 2020 hat sich ins Gedächtnis von Joseph Ghafari eingebrannt wie kaum ein anderer Tag: Er verlor durch die Explosion im Hafen von Beirut sein Bein und sein sicheres Zuhause. Heute, ein Jahr danach, ist er froh, in den schwersten Monaten über die Runden gekommen zu sein und wieder arbeiten zu können. Das Leben der Menschen im Libanon wird jedoch heute angesichts der vielschichtigen Krise, in der sich das Land befindet, immer schwieriger.

 

Der 4. August 2020 schien ein ganz normaler Tag für den 57-jährigen Joseph Ghafari. Wie immer kam er nach der Arbeit nach Hause, unterhielt sich mit seiner Familie und ruhte sich einen Moment aus. Dann brach er zu seinem täglichen Abendspaziergang durch die Nachbarschaft auf, der um 18:07 Uhr jäh unterbrochen wurde: Joseph hörte die erste Explosion am Hafen. Er rannte in eine nahegelegene Schule, um Schutz zu suchen. Dann brachte die zweite, massivere Explosion alles um ihn herum zum Einsturz. 

«Dieser Schmerz im Bein! Ich habe viele Leid erfahren, auch im Bürgerkrieg. Aber so etwas habe ich noch nie gefühlt. Ich wusste: Ich würde bleibende Schäden davontragen», erzählt Joseph. «In diesem Moment sah ich den Tod vor Augen. Ich fühlte mich nicht mehr mit meinem Körper verbunden.» Josephs Nachbar, der wie durch ein Wunder unverletzt überlebte, eilte herbei, um ihn ins nächste Krankenhaus zu bringen. Die Ärzte kämpften um sein Leben. Nach zwei Wochen intensiver Behandlung und zahlreicher Operationen konnte Joseph das Krankenhaus verlassen - mit einem Bein.

 

Dank Bargeldhilfe kam Josephs Familie über die Runden

Die Explosion war nicht nur für ihn ein schwerer Schicksalsschlag, Josephs ganze Familie hat es hart getroffen. Fast alle Familienmitglieder wurden verletzt, ihre winzige Altbauwohnung durch die Wucht der Explosion schwer beschädigt. Josephs Gehalt als Telekommunikations-Mitarbeiter reichte schon vor der Explosion kaum aus, um die Miete zu bezahlen, geschweige denn für die nun anstehenden Arztkosten Reparaturen, wo zudem die Warenpreise im Libanon immer weiter steigen.

«Ich kann weiterleben. Das ist das Wichtigste», sagt Joseph heute. Er trägt jetzt eine Prothese und hat gelernt, mit den weiterhin anhaltenden Schmerzen zu leben. Er kann sogar wieder arbeiten und hat einen Weg gefunden, mit nur einem Bein Auto zu fahren. Die Bargeldhilfe, die Caritas Schweiz mit ihrer Partnerorganisation Caritas Libanon leistete und die von der Glückskette unterstützt wird, hat es ihm und seiner Familie ermöglicht, in grösster Not über die Runden zu kommen und wieder nach vorne zu schauen. Sie konnten Reparaturarbeiten finanzieren und dank der Notfallbargeldhilfe, die sie über drei Monate erhielten, lebenswichtige Einkäufe tätigen.

 

Krise über Krise für die Menschen im Libanon

Hilfe ist für die Menschen im Libanon weiterhin und umso dringender nötig, als dass die Kräfte und Ressourcen vor allem der ärmsten Menschen längst aufgebraucht sind. Das strukturschwache Land, das seit Beginn des Syrienkriegs mehr als 1,5 Millionen geflüchtete Syrerinnen und Syrer aufgenommen hat, steht kurz vor dem Bankrott. Wirtschaft und Infrastruktur sind heillos überlastet. Ein rapider Verfall der lokalen Währung prägt den Alltag der Menschen. Immer mehr Menschen verlieren ihren Job und gleiten in die Armut ab. Die Corona-Krise, die den Libanon hart traf, verschärfte die Lage weiter. Interne Spannungen zwischen Flüchtlingen und Gastgesellschaft nehmen zu.  

 
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