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Bolivien

Sauberes Trinkwasser für Dorfgemeinschaften

In Zusammenarbeit mit der lokalen Caritas Corocoro werden in 12 Gemeinden neue Wassersysteme gebaut. Dadurch erhält die Bevölkerung Zugang zu sauberem Trinkwasser. Die Gemeindemitglieder werden im Bau eingebunden und lernen, wie sie durch verbessertes Hygieneverhalten ihr Erkrankungsrisiko senken können. Für Kinder führt Caritas altersgerechte und spielerische Hygiene-Workshops in den Schulen durch.

 

Land/Region/Ort
Bolivien, Bezirk Sapahaqui und Patacamaya


Zielgruppe
563 Familien (ca. 2'674 Personen) aus 12 Gemeinden der Bezirke Sapahaqui und Patacamaya, welche über keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser verfügen.


Mittelbedarf
746 250 Franken


Projektdauer
01.01.2015 bis 31.12.2017


Projektnummer
P150019


Projektziel
Verbesserung der Gesundheits- und Lebensumstände der Bevölkerung in 12 Gemeinden Sapahaquis und Patacamayas durch den Zugang zu sauberem Trinkwasser und Hygienemassnahmen.


Projektverantwortliche
Esther Belliger, Tel: +41 41 419 24 41, ebelligerto make life hard for spam bots@to make life hard for spam botscaritasto make life hard for spam bots.ch


Abteilung
Afrika/Lateinamerika

 
 

Worum geht es?

Bolivien gilt mit einem Anteil von 50 Prozent unter der Armutsgrenze lebenden Bevölkerung als eines der ärmsten Länder Lateinamerikas. Mit einem Wert von 0,667 befand sich Bolivien 2013 auf Rang 113 der Länderliste des Human Development Index, wobei grosse Einkommensungleichheiten innerhalb der Gesellschaft die Armutsumstände zusätzlich verschärfen.

Insbesondere die auf dem Land lebende Bevölkerung sowie Angehörige verschiedener ethnischer Gruppen sind verstärkt von Armut betroffen. Diese extremen Unterschiede zeigen sich zum Beispiel im Zugang zu Trinkwasser: Während 96 Prozent der städtischen Bevölkerung über Zugang zu Trinkwasser verfügt, beläuft sich der Anteil in ländlichen Gegenden auf lediglich 70 Prozent.

Zu den ärmeren Regionen Boliviens zählen die Bezirke Sapahaqui und Patacamaya im Department La Paz, wo mehr als 95 Prozent der Bevölkerung unter der Armutsgrenze lebt. Obwohl der Grossteil der Bevölkerung dieser Region auf Erträge der Land- und Viehwirtschaft angewiesen ist, mangelt es an technischer Unterstützung im Landwirtschaftsbereich sowie an Gesetzesgrundlagen und Entwicklungsprogrammen.

Die Grundbedürfnisse der Bevölkerung in Sapahaqui und Patacamaya sind weitgehend nicht abgedeckt und lediglich 23,5 Prozent der Gemeinden im Bezirk verfügen über ein Trinkwassersystem mit Hausanschluss. Damit bleibt den meisten Familien häufig nur die Alternative, ihr Wasser aus natürlichen Wasserstellen und Flüssen zu beziehen. Frauen waschen dort die Wäsche und Tiere benutzen sie als Tränke. Bei starken Regenfällen sind die Flüsse derartig verschlammt, dass das Wasser nicht konsumiert werden kann. Einige Flüsse sind zudem salzhaltig und das Wasser ist für den Konsum ungeniessbar.

Die prekäre Wasserversorgungssituation sowie mangelnde Hygienegewohnheiten begünstigen die Verbreitung von Krankheiten, wie zum Beispiel chronische Magen- und Darmerkrankungen, Dengue, Malaria und Hepatitis A. Insbesondere Kinder sind für Magen- und Darmerkrankungen stark anfällig: etwa 30‘000 Kinder jährlich sterben in Bolivien an Durchfall-erkrankungen, meist aufgrund mangelndem Zugang zu sauberem Trinkwasser und schlechter Hygienegewohnheiten.

Laut Angaben der einzigen staatlichen Gesundheitseinrichtung in der Region erkranken etwa 70 Prozent der Kinder unter sieben Jahre an Durchfall, während die Inzidenz bei erwachsenen Menschen bei etwa 40-50 Prozent liegt.

 

Was tun wir?

Caritas Schweiz unterstützt seit September 2013 die Partnerorganisation Caritas Corocoro. Die Organisation verfügt über mehrjährige Erfahrung im Bau von Wassersystemen und in der Gemeindeentwicklung. Im Rahmen dieses Projektes ermöglicht Caritas Corocoro 12 Gemeinden in den Bezirken Sapahaqui und Patacamaya den Zugang zu sauberem Trinkwasser. Zudem erhalten die begünstigten Familien Unterstützung beim Erlernen neuer Hygienegewohnheiten und beim Bau von Latrinen. Durch diese Massnahmen wird das Risiko zur Übertragung von Krankheiten, die über unzureichende Hygienegewohnheiten und verschmutztes Wasser übermittelt werden, verringert. Insgesamt werden 563 Familien in den 12 Gemeinden und damit rund 2‘674 Personen begünstigt. Ziel ist es, einen Beitrag zur Verbesserung der Gesundheits- und Lebensumstände der lokalen Bevölkerung zu leisten.

Die Trinkwassersysteme sind an die spezifischen Gegebenheiten in jeder der Gemeinden angepasst. Um der lokalen Bevölkerung den Zugang zu Trinkwasser zu ermöglichen, ist in sechs Gemeinden der Bau von Gravitationswassersystemen (inklusive Hausanschlüssen) vorgesehen. In drei weiteren Gemeinden werden Brunnen gebohrt und Solarstrom betriebene Pumpstationen installiert. Da in den übrigen drei Gemeinden der Boden zu mineralhaltig ist, um Bohrungen für Brunnen vorzunehmen und sich keine Wasserstellen in unmittelbarer Nähe befinden, werden Regenwassersammelsysteme installiert. Über diese Systeme wird zahlreichen Familien erstmalig der Zugang zu sauberem Trinkwasser ermöglicht.

Ein wichtiges Merkmal des Projektes besteht darin, dass grosser Wert auf die Stärkung der Gemeindestrukturen sowie eine aktive Miteinbeziehung der begünstigten Familien gelegt wird. Zu Anfang des Projektes werden Baukomitees gegründet, welche die Errichtung der Trinkwassersysteme koordinieren und verwalten. Am Bau der gemeinschaftlichen Trinkwassersysteme beteiligen sich unter Anleitung von Fachpersonen alle Gemeindemitglieder. Im Sinne der Nachhaltigkeit des Projektes werden zusätzlich Wasserkomitees gegründet und deren Mitglieder in Themenbereichen wie Finanzverwaltung, Organisation, Inbetriebnahme und Reparaturarbeiten der Trinkwassersysteme ausgebildet, sodass für eine langfristige Instandhaltung und Verwaltung der Wassersysteme gesorgt ist.

Um dem hohen Erkrankungsrisiko in der Region entgegen zu wirken, finden Workshops in den Gemeinden statt, die auf eine Verbesserung des Umgangs mit Wasser und Hygiene abzielen. Insbesondere für Schulkinder werden Workshops in den Bildungseinrichtungen der Gemeinden durchgeführt, sodass diese ihr neues Wissen in ihren Familien einführen und umsetzen können. In den jeweiligen Schulen werden je nach Bedarf auch sanitäre Anlagen verbessert sowie Vorkehrungen für eine gesündere und umweltfreundlichere Müllentsortgung getroffen. Umwelt- und Reinigungskampagnen werden ebenfalls mit den Kindern organisiert. In vorerst vier Pilot-Gemeinden werden die Familien nach der international anerkannten Methode Community Led Total Sanitation (CLTS) zur Verbesserung der Hygienesituation und des Abwassermanagements auf Gemeindeebene geschult und beim eigenständigen Bau von Latrinen unterstützt.

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