Venezuela, Kolumbien, Brasilien, Bolivien

Europana («Freund») – Menschenwürdige Lebensbedingungen für die Menschen in Venezuela und venezolanische Flüchtlinge

Sieben Millionen Menschen sind im bankrotten, von einer massiven Versorgungskrise geprägten Venezuela auf humanitäre Hilfe angewiesen. Der Alltag ist geprägt von Hunger, politischen Unruhen, Waffengewalt und Plünderungen. Für viele Familien ist eine Flucht der einzige Ausweg. Im Rahmen dieses Projekts erhalten Migrantinnen und Migranten in Venezuela, Kolumbien, Bolivien und Brasilien administrative, rechtliche und psychologische Hilfe und werden bei der beruflichen bzw. schulischen Integration unterstützt. 

 

Land / Region / Ort
Venezuela: Zulia, Trujillo
Kolumbien: Bogotá, La Guajira
Bolivien: La Paz, Santa Cruz
Brasilien: Distrito Federal, Paraná, Pernambuco, Rondônia, Roraima, Santa Catarina, São Paulo


Zielgruppe
10'500 bedürftige Menschen, insbesondere Frauen, Kinder, indigene Bevölkerungsgruppen, Menschen mit Behinderung, ältere Personen und intern Vertriebene 


Mittelbedarf
2'506'873 Schweizer Franken


Projektdauer
01.07.2019 bis 31.08.2020


Projektnummer
P190047


Projektziel
Einen Beitrag zur Gewährleistung einer sicheren und informierten Migration sowie zur Schliessung kritischer Lücken bei der humanitären Hilfe und Integration gefährdeter Personen in Venezuela, Kolumbien, Brasilien und Bolivien leisten  


Projektverantwortliche
Reinhard Gasser, Tel: 041 419 22 55, rgassernot shown@caritasto make life hard for spam bots.ch
Esther Belliger, Tel: 041 419 24 41, ebelligernot shown@caritasto make life hard for spam bots.ch

 
 

Worum geht es?

Venezuela, das Land mit dem weltweit grössten Erdölvorkommen, befindet sich seit 2015 in einer tiefen politischen und humanitären Krise. Im einst reichsten Land Südamerikas sind heute 80% der Bevölkerung arm. Seit 2014 steckt das Land mit der derzeit höchsten Inflationsrate der Welt in einer tiefen Rezession und hat bis Ende 2018 50% seiner Wirtschaftsleistung (BIP) verloren. Wegen fehlender Devisen kann die Regierung kaum noch Lebensmittel, Medikamente und Produkte des täglichen Bedarfs importieren und es gibt eine massive Versorgungskrise. 

Aufgrund einer fehlgeleiteten Wirtschaftspolitik, jahrelanger Misswirtschaft und Korruption können die Menschen ihre Grundbedürfnisse nicht mehr decken. Den Vereinten Nationen zufolge sind allein in Venezuela sieben Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen und über 3,2 Millionen Kinder mangelernährt. Die Gesundheitsversorgung ist in einem katastrophalen Zustand. Es fehlt an Medikamenten, Ausrüstung und Personal. Der Alltag in Venezuela ist geprägt von Hunger, politischen Unruhen, Waffengewalt und Plünderungen. Für viele Familien ist eine Flucht der einzige Ausweg. 

Diese politischen und sozioökonomischen Entwicklungen in Venezuela haben zur grössten Migrationswelle in der Geschichte Lateinamerikas geführt. Vor dem Elend in ihrer Heimat und auf der Suche nach Sicherheit und Schutz sind nach Schätzungen seit 2015 bereits 4,8 Millionen Venezolanerinnen und Venezolaner geflohen (Stand: 2020). Die genauen Zahlen schwanken, weil nicht bekannt ist, wie viele über die grüne Grenze nach Kolumbien oder Brasilien ausgewandert sind. Nach Angaben des Hochkommissariats für Flüchtlinge (UNHCR) leben heute über drei Millionen Venezolanerinnen und Venezolaner in den umliegenden Ländern Lateinamerikas und der Karibik. Die Dunkelziffer ist jedoch weitaus höher. Kolumbien hat mit 1,6 Millionen die meisten Flüchtlinge aufgenommen, gefolgt von Peru (863'000), Chile (371'000), Ecuador (385'000), Brasilien (224'000) und Argentinien (145'000). 

Die Krise in Venezuela erfordert auch von den Aufnahmeländern grösste Kraftanstrengungen. Die Auswirkungen der Massen von ankommenden Venezolanerinnen und Venezolaner auf die Dienstleistungen und Volkswirtschaften sind immens und überlasten deren institutionelle und finanzielle Leistungsfähigkeit. Die Lebensbedingungen der Flüchtlinge sind prekär. Oft haben diese alles verloren und hunderte von Kilometern zu Fuss zurückgelegt. Die Spitäler entlang der Flüchtlingsrouten sind überlastet, Flüchtlingsunterkünfte, sofern vorhanden, überfüllt. Es fehlen sanitäre Einrichtungen und Kochmöglichkeiten. Tausende von Migrantinnen und Migranten leben derzeit auf der Strasse, bei Familien in den Aufnahmeländern, oder besetzen verlassene Gebäude. Und ein Ende der Migrationswelle ist nicht in Sicht.

 

Was tun wir?

Das regionale Projekt trägt dazu bei, die Lebensbedingungen von 10'500 bedürftigen Menschen in Venezuela, Kolumbien, Brasilien und Bolivien zu verbessern. Es werden kritische, humanitäre Versorgungslücken geschlossen und die Integration gefährdeter Venezolanerinnen und Venezolaner in den Aufnahmeländern unterstützt, in Kolumbien auch intern Vertriebene. Insbesondere Frauen, Kinder, indigene Bevölkerungsgruppen, Menschen mit Behinderung und ältere Personen sind Zielgruppen der Projektaktivitäten.

Das Projekt wird mit lokalen Partnerorganisationen in den jeweiligen Aufnahmeländern durchgeführt, welche bereits Erfahrung in der Durchführung von humanitären Hilfsprojekten haben. Die Aktivitäten werden in enger Zusammenarbeit mit den jeweiligen lokalen und regionalen Regierungen, dem Justizministerium und anderen internationalen Akteuren im Bereich humanitäre Hilfe sowie UNHCR und unter Einhaltung und Anwendung internationaler Standards und Richtlinien koordiniert und umgesetzt. 

Das vorliegende Projekt hat zum Ziel, den Schutz der Betroffenen zu gewährleisten und ihre Grundversorgung sicherzustellen. Um die Selbstständigkeit der Begünstigten und deren Grundbedürfnisse zu verbessern, ist die Verteilung von Gütern für die Befriedigung von grundlegenden menschlichen Bedürfnissen vorgesehen: Gesundheitsartikel für Frauen und Mädchen, Seife, Waschmittel, Zahnbürste und Deodorant. Ausserdem Küchen-Sets mit Wasserfilter, Kühlschrank und Öfen sowie Decken und Matratzen. Ebenfalls stellt das Projekt Unterkünfte zur Verfügung. Um die korrekte Verteilung der Güter und Dienstleistungen in Quantität und Qualität zu gewährleisten, wird ein digitales Datenerhebungs- und Registrierungssystem angewendet, welches durch ein professionelles Team mit jahrelanger Erfahrung im humanitären Bereich überwacht wird.

Die Partnerorganisationen errichten sogenannte focal points, die den Flüchtlingen als Zulauf- und Informationsstelle dienen und damit die lokalen Strukturen unterstützen. Ein zentraler Aspekt ist dabei die enge Zusammenarbeit mit, und die Unterstützung von lokalen Behörden und Einrichtungen zur administrativen und organisatorischen Bewältigung der grossen Anzahl an Flüchtlingen. Dabei stehen Frauen und Kinder im Fokus der Aktivitäten. Die Migrantinnen und Migranten werden beispielsweise vor sexueller Ausbeutung und anderen illegalen Beschäftigungen geschützt und aufgeklärt, beim Beantragen von Asylanträgen oder einfordern humanitärer Leistungen unterstützt. Ebenfalls erhalten die Migrantinnen und Migranten psychosoziale Unterstützung und Zugang zu anwaltschaftlichen Dienstleistungen. 

Nebst der administrativen, rechtlichen und psychologischen Hilfe im Alltag unterstützt das Projekt die Migrantinnen und Migranten bei der beruflichen bzw. schulischen Integration. Es wird sichergestellt, dass venezolanische Kinder und Jugendliche durch Zusatzunterricht einen angemessenen Zugang zu Bildung und Ausbildung erhalten. Dabei werden auch lokale Lehrkräfte darin unterstützt, die Kinder und Jugendlichen besser in das bestehende Schulsystem zu integrieren. Einige erhalten Zugang zu einer Berufsausbildung, damit sie langfristig ein Einkommen erwirtschaften können. 

Im Rahmen des Projekts sind zudem Informationskampagnen zur Flüchtlingsproblematik vorgesehen, um die Bevölkerung in den Aufnahmeländern insbesondere gegen Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung zu sensibilisieren. In Venezuela konzentrieren sich die Aktivitäten auf Kampagnen zur Aufklärung der Bevölkerung über die Bedingungen für Migrantinnen und Migranten in den Zielländern, sowie zu den Risiken einer Flucht.

 

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