Kolumbien

Ein Beitrag zur Integration von Kindern venezolanischer Migrantenfamilien

Über 1.8 Millionen Venezolanerinnen und Venezolaner sind vor der Ernährungs- und Versorgungskrise in ihrem Land nach Kolumbien geflüchtet. Mit wenigen Habseligkeiten kommen sie in Kolumbien an, wo sie häufig zu den am meisten benachteiligten Menschen gehören. Venezolanische Flüchtlingskinder können oft nicht zur Schule gehen, haben keine Gesundheitsversorgung, keinen Anschluss – sie werden noch stärker marginalisiert. Mit psychologischer Betreuung und Rechtsberatung stärkt dieses Projekt die jungen Menschen. Sie lernen, wie sie sich vor Ausbeutung schützen können, ihre Familien werden bei der beruflichen Eingliederung unterstützt. Die Caritas trägt auch mit Öffentlichkeitskampagnen und weiteren Aktivitäten zur sozialen Integration bei. 

 

Land / Region / Ort
Medellín, Provinz Antioquia, Kolumbien


Zielgruppe
Venezolanische und kolumbianische Kinder, Jugendliche und Frauen, venezolanische Migrantenfamilien und Menschen mit Behinderungen aus von Armut betroffenen Stadtteilen Medellíns


Mittelbedarf
Etwa 259 000 Schweizer Franken pro Jahr


Projektdauer
Langfristige Kinderpatenschaft


Projektnummer
P200047


Projektziel
Ziel ist es, eine Kultur des Friedens zu etablieren durch rechtliche und psychologische Unterstützung sowie durch die wirtschaftliche und soziale Integration von Kindern und Jugendlichen aus venezolanischen Migrantenfamilien und anderen vulnerablen Bevölkerungsschichten, insbesondere Frauen und Menschen mit Behinderungen.


Projektverantwortliche
Petra Winiger, Tel: 041 419 23 91; pwinigernot shown@caritasto make life hard for spam bots.ch

 
 

Worum geht es?

Die venezolanische Flüchtlingskrise ist nach Syrien zur zweitgrössten Migrationsbewegung der Welt angewachsen und hat dazu geführt, dass bereits mehr als 4.9 Mio. Menschen das Land verlassen haben. Korruption, politisches Unvermögen und eine galoppierende Inflation haben dazu geführt, dass die Menschen alles verloren haben und sich nicht einmal mehr genug zu essen kaufen können. Viele vor allem junge Menschen sind in die nahegelegenen Länder wie Kolumbien, Brasilien oder Peru geflüchtet. Kolumbien hat dabei mit über 1.8 Mio. venezolanischen Migranten und Migrantinnen bei weitem am meisten aufgenommen. Schätzungen von Migración Colombia zufolge liegt die Dunkelziffer noch weitaus höher. Die Aufnahme der vielen Flüchtlinge stellt das Land vor grosse Herausforderungen.

Kolumbien ist mit nahezu 8 Millionen Menschen noch immer weltweit das Land mit der höchsten Anzahl an intern Vertriebenen (Internally Displaced Persons). Trotz des Friedensabkommens zwischen der Regierung und der grössten Guerillagruppe des Landes, den FARC, und der offiziellen Beendigung des bewaffneten internen Konflikts ist die Anzahl intern Vertriebener in den letzten Jahren wieder gestiegen. Weiterhin ist Kolumbien eines der Länder mit der grössten Ungleichheit und einer grossen Diskrepanz zwischen armen und reichen Bevölkerungsschichten. Dies manifestiert sich besonders in den armen Stadtteilen der grossen Städte wie beispielsweise Bogotá oder Medellín.

Inmitten dieser internen Entwicklungen wird das Land mit der Aufnahme der grossen Anzahl Flüchtlinge zusätzlich auf die Probe gestellt. Die Migrantenfamilien aus Venezuela lassen sich oft im urbanen Raum in den verarmten, dicht besiedelten Stadtteilen nieder, die bereits heute von Kriminalität, Armut und Gewalt geprägt sind. Die zugezogenen Migranten und Migrantinnen gehören zu den Bevölkerungsschichten, die am stärksten auf Unterstützung angewiesen sind. Dies gilt insbesondere für Menschen mit ungeregeltem Aufenthaltsstatus. So haben die Kinder von venezolanischen Migrantenfamilien oft keinen Zugang zu Schulen, geschweige denn zu Gesundheitsversorgung. Durch die ausbleibende Sozialisierung und den fehlenden Anschluss in den Schulen fehlt den Kindern und Jugendlichen ein wichtiger Aspekt in ihrer Entwicklung und Integration. Der Ausschluss führt dazu, dass die Betroffenen noch stärker marginalisiert werden und leicht Opfer von Ausbeutung werden können. 

Neben Migranten und Migrantinnen haben auch Menschen mit Behinderungen einen eingeschränkten Zugang zu angemessener Unterstützung. Trotz klaren gesetzlichen Regelungen fehlt vielen Menschen mit Behinderungen in Kolumbien der Zugang zu öffentlichen Bildungseinrichtungen und es mangelt an fachlich geschultem Betreuungspersonal. Ungleich ist der Zugang zu höherer Bildung auch für Mädchen aus armen Familien, die vor allem in Familien mit traditioneller Rollenverteilung nicht zum Zug kommen und zuhause aushelfen müssen.

Medellín ist mit ihren 2,5 Mio. Einwohnern die Hauptstadt der Provinz Antioquia. Mit einem Gini-Index von 0,47 zeigt sich in Medellín eine der grössten Ungleichverteilungen in Kolumbiens Städten. In den Armenvierteln der Stadt leben viele venezolanische Migranten ohne Zugang zu Bildung und Schutz und sind aufgrund ihres unsicheren rechtlichen Status ausgeschlossen von Unterstützungsleistungen. 

 

Was tun wir?

Caritas Schweiz arbeitet mit dem Projektpartner Combos seit seiner Gründung im Jahr 1993 zusammen. Combos ist eine kolumbianische Nicht-Regierungs-Organisation (NGO) mit Sitz in Medellín, die sich für die Rechte von Kindern, Jugendlichen und Frauen einsetzt. Die NGO fördert die politische, ökonomische und soziokulturelle Inklusion benachteiligter Bevölkerungsgruppen mittels Bildungs-, Präventions- und Unterstützungsprogrammen. Die Interventionsgebiete der NGO liegen in den von Armut und Kriminalität geprägten Vierteln Medellíns, in denen sich seit dem Ausbruch der Migrationskrise im Nachbarland viele Venezolaner niedergelassen haben. Das Projekt hat zum Ziel, die soziale und wirtschaftliche Integration benachteiligter Bevölkerungsgruppen zu fördern und den Zugang zu rechtlicher und psychologischer Unterstützung zu gewährleisten.

Komponente 1 – Psychosoziale Betreuung und Rechtsberatung

Viele venezolanische Migranten haben auf der Flucht Traumatisches erlebt und können nicht über das Erlebte sprechen. Das Projekt ermöglicht 200 Migrantinnen sowie dem Betreuungspersonal von Menschen mit Behinderung psychosoziale Einzelbegleitung und betreut 200 venezolanische Kinder und Jugendliche in spezifischen Gruppenbetreuungen. Zudem bietet die Partnerorganisation Rechtsberatung für 200 Migrantenfamilien und 60 Betreuungspersonen von Menschen mit Behinderungen. Sie sollen die relevanten staatlichen Strukturen wie auch deren Abläufe besser kennenlernen, um ihre Rechte und die Rechte von Menschen mit Behinderungen effektiv geltend machen zu können.

Komponente 2 - Schulung und Weiterbildung

Insgesamt können 950 Kinder und Jugendliche, Migranten und Migrantinnen, Betreuungspersonen von Menschen mit Behinderungen und Mädchen von Schulungen und Weiterbildungen profitieren. 200 venezolanische und 200 kolumbianische Kinder und Jugendliche im Alter von 6-18 Jahren, 200 Betreuungspersonen, 200 Personen aus venezolanischen Familien, sowie 150 Mädchen im Alter von 12-18 Jahren erhalten Schulungen zu Rechtsgrundlagen und zur besseren Nutzung von Informationstechnologien. Zudem werden Schulungen zu Risikoprävention durchgeführt. Dabei lernen die Betreuerinnen und die Jungen und Mädchen, wie sie sich vor sexueller Ausbeutung, Drogen- und Menschenhandel schützen können.

Komponente 3 - Wirtschaftliche Integration

Das Projekt unterstützt die wirtschaftliche Eingliederung von 60 venezolanischen Migrantenfamilien mit dem Einrichten des Fonds „Plántate“ (zu Deutsch: Steh auf!). Dieser ist ausgerichtet auf die Finanzierung von Aus- und Weiterbildungen im Bereich Buchhaltung, Wirtschaft und Verkauf. Zudem können die Migranten und Migrantinnen Darlehen beantragen, die zu vorteilhaften, individuell vereinbarten Bedingungen zurückbezahlt werden können.

Komponente 4 - Gesellschaftlicher Zusammenhalt und soziale Integration

Um Fremdenfeindlichkeit gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund und Ausgrenzung von Menschen mit Behinderungen entgegenzuwirken, fördert das Projekt die soziale Integration durch vier Öffentlichkeitskampagnen und 24 Stadtführungen für rund 200 venezolanische Migranten und Migrantinnen. Die Partnerorganisation organisiert wöchentliche Kurse in Dokumentation und Fotografie für 60 venezolanische und kolumbianische Kinder, in denen sie ihre eigenen künstlerischen Produkte entwickeln können. Zudem erarbeiten die am Projekt beteiligten Bildungseinrichtungen Strategien, wie Kinder mit Behinderungen und Kinder aus Migrantenfamilien besser in den bestehenden Schulbetrieb integriert werden können. Dazu werden Workshops für 80 Lehrer organisiert. In den Schulzentren werden 120 Migrantinnen und Betreuungspersonen dazu ermuntert, ihre Erfahrungen niederzuschreiben und ihre Geschichte zu erzählen, welche anschliessend in einem Sammelband veröffentlicht werden. 

 

Ihre Patenschaft

 
Ersatzinhalt-Startseite-Standard-DE
 
 

Caritas Schweiz
Adligenswilerstrasse 15
Postfach
CH-6002 Luzern

 

PC 60-7000-4
IBAN CH69 0900 0000 6000 7000 4
Spenden können bei den Steuern in Abzug gebracht werden.

 

Spenden­beratung

Nehmen Sie mit uns Kontakt auf. Wir beraten Sie gerne persönlich. 

MEHR