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Israel

Die Lebenssituation jugendlicher Migranten verbessern

Afrikanische Flüchtlinge leben in Israel unter prekären Bedingungen. Neben Ressentiments aus der Bevölkerung haben sie kaum Rechte und noch weniger Perspektiven, sie besitzen keine Krankenversicherung und haben keinen Anspruch auf Sozialleistungen. Darunter leiden insbesondere die Kinder und Jugendlichen. Ziel des Projekts ist die Integration der jungen Flüchtlinge in die eigene Gemeinschaft. Das gelingt über völkerverbindenden Sport, wie Fussball, mit Studientreffen und sozialpolitischen Sitzungen und der Unterstützung und Begleitung der Eltern.

 

Land/Region/Ort:
Israel / Tel Aviv


Zielgruppe:
Jugendliche Flüchtlinge in Tel Aviv


Mittelbedarf:
185'851 Franken


Projektdauer:
01.11.2016 bis 31.10.2018


Projektnummer:
P160072


Projektziel:
Jugendliche afrikanische Flüchtlinge in Israel verbessern ihre schulischen, sozialen und politischen Fähigkeiten und werden stärker in die israelische Gesellschaft integriert. Vernachlässigung von Kindern und Jugendlichen wird begegnet durch die Stärkung von Eltern-Kind-Beziehungen.


Projektverantwortlicher:
Patrick Koop, Tel.: 041 419 23 13; pkoopto make life hard for spam bots@to make life hard for spam botscaritasto make life hard for spam bots.ch


Abteilung:
Asien/Europa

 
 

Worum geht es?

Seit 2005 strömten vermehrt Flüchtlinge aus Eritrea und dem Sudan nach Israel. Praktisch alle kamen durch die Wüste Sinai, wo sie in den meisten Fällen von Beduinen drangsaliert, ausgenommen und in einigen Fällen auch gefoltert wurden. 2010 wurde ihre Zahl auf knapp 60‘000 geschätzt. Der rechtliche Status bleibt bis heute ungeklärt, denn Israel hat keine klare Politik gegenüber diesen Flüchtlingen, die von staatlicher Seite lediglich geduldet werden.

In Israel gibt es seit 2002 überhaupt erst Richtlinien zum Umgang mit Asylbewerberinnen und -bewerbern. Allerdings werden laut Medienberichten 99,9 Prozent aller Asylanträge abgelehnt: Seit seiner Gründung hat das Land weniger als 200 Asylsuchende anerkannt. Der rechtliche Status aller anderen ist unsicher. Ihre Aufenthaltsgenehmigung müssen sich die Geduldeten alle paar Monate verlängern lassen; eine Arbeitserlaubnis erhalten die meisten nicht. Im Juni 2012 trat eine Erweiterung des «Anti-Infiltrierungsgesetzes» von 1954 in Kraft. Sie besagt, dass Flüchtlinge, die illegal die Grenze überquert haben – im Beamtenjargon «Infiltratoren» genannt –, bis zu drei Jahre ohne Anhörung inhaftiert werden können; Menschen aus «Feindstaaten» wie dem Sudan sogar zeitlich unbegrenzt.

Der Höhepunkt der Einwanderung wurde ums Jahr 2010 erreicht. Zu jenem Zeitpunkt reagierte Israel zunehmend auf die «Eindringlinge» mit harten Bandagen: die Armee stellte 2013 einen massiven, 230 Kilometer langen Grenzzaun im Negev fertig und errichtete mehrere neue Auffanglager im Grenzgebiet zu Ägypten. Seit 2013 sind praktisch keine Menschen aus Ostafrika mehr ins Land gekommen. Heute leben laut offiziellen Angaben noch rund 41‘500 (zumeist) Afrikanerinnen und Afrikaner in Israel, davon 72 Prozent (grösstenteils christliche) Eritreerinnen und Eritreer und knapp 20 Prozent (grösstenteils muslimische) Sudanesinnen und Sudanesen.

Da ihnen der offizielle Flüchtlingsstatus verwehrt bleibt, haben sie keinen Anspruch auf Sozialleistungen oder Krankenversicherung, und aufgrund der fehlenden Arbeitserlaubnis arbeiten die meisten in unsicheren Arbeitsverhältnissen für weit weniger als den vorgeschriebenen Mindestlohn.

Hinzu kommen Ressentiments und rassistische Anfeindungen aus der israelischen Bevölkerung, die von vielen Politikern weiter angeheizt werden. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bezeichnete Flüchtlinge als Arbeitsmigranten, die den jüdischen Charakter des Staates gefährden könnten.

Im öffentlichen Diskurs finden Fluchtursachen oder die schwierigen Lebensumstände der Flüchtlinge kaum Erwähnung, und da sich zudem die Ansiedlung auf den Stadtteil Neveh Sha’anan im Süden Tel Avivs konzentriert, leben die Menschen grösstenteils unbeachtet und segregiert vom Rest der Bevölkerung.

Besonders leidtragend in dieser Situation sind Kinder und junge Flüchtlinge, die einen Grossteil ihrer Zeit auf der Strasse verbringen, wo sie vor Gewalt, Kriminalität, und physischen, rassistischen wie auch sexuellen Angriffen nicht geschützt sind. Auch in ihren Familien finden die Kinder und Jugendlichen oft wenig Halt und Sicherheit. Vielfach sind die Mütter alleinerziehend oder leben selbst in einer gewalttätigen Partnerschaft. Zudem sind die Kinder und Jugendlichen oft auf sich selbst gestellt und vernachlässigt, da die Eltern den Lebensunterhalt verdienen müssen und daher abwesend und auch überfordert sind. 

 

Was tun wir?

Seit zwei Jahren arbeitet Caritas mit ihrem lokalen Partner Sadaka-Reut an Jugendprojekten, um sozialen Wandel in Israel zu fördern. Sadaka-Reut ist seit mehr als 30 Jahren aktiv, um politisches Bewusstsein bei israelischen und palästinensischen Jugendlichen aufzubauen und gemeinsame Bestrebungen für ein friedliches Miteinander anzugehen. Auch Verbesserungen der Lage der afrikanischen Flüchtlinge sollen durch die Mitwirkung der eigenen Jugend erzielt werden. Hierzu müssen jedoch das Wissen um diese Möglichkeit, sowie die schulischen, sozialen und politischen Fähigkeiten in dieser Gruppe gestärkt bzw. geschaffen werden. Zugleich soll auch eine sofortige Verbesserung der Lebensumstände für die Projektteilnehmerinnen und -teilnehmer erreicht werden. Diese erfolgt zum einen durch die direkte Beteiligung der Jugendlichen an Projektaktivitäten und zum anderen durch die Stärkung der Eltern-Kind-Beziehungen. Hierzu arbeitet Sadaka-Reut mit dem in Neveh Sha-anan ansässigen Gemeindezentrum The Garden Library’s Children Community Center zusammen.

Viele der afrikanischen Flüchtlingskinder verbringen grosse Teile ihrer Zeit ohne Aufsicht auf der Strasse und sind dort Gewalt und Kriminalität ausgesetzt. Wegen der prekären Situation und Überforderung der Eltern leiden sie auch zu Hause oft unter Vernachlässigung. Da die Jugendlichen auch keine Gelegenheit haben, ihren Stadtteil zu verlassen, sind sie auch kulturell und sozial von der israelischen Bevölkerung ausgeschlossen.

Über das Medium Fussball werden 30 Jungen im Alter von 11 – 16 Jahren (aufgeteilt in zwei Gruppen) von der Strasse weg und an Gemeinschaftsarbeit herangeführt. Sie werden Teil eines festen Fussballteams, und nehmen an regelmässigen Trainings teil, bei denen sie lernen, als Teil einer Mannschaft zu agieren und Konflikte gewaltfrei zu lösen. In monatlichen landesweiten Wettbewerbsspielen treffen sie gleichberechtigt auf gleichaltrige Israelis und können ihre erworbenen fussballerischen Fähigkeiten einsetzen. Gleichzeitig nehmen die Jugendlichen an wöchentlichen Studientreffen teil, wo die Jungen unter Aufsicht und mit Beratung ihre Schularbeiten erledigen und sich gezielt aufs Lernen konzentrieren können. Zudem finden jährlich 15 sozialpolitische Sitzungen statt, in denen die Themen Rassismus, Identität, Menschenrechte, Gender und fluchtspezifische Themen behandelt werden, die auch einen direkten Bezug zur Lebenssituation der Teilnehmer haben. Unterstützt von lokalen Aktivisten entwickelt jede Gruppe eine Initiative zum sozialen Wandel, die sie in ihrer Nachbarschaft umsetzen. Hierbei wird zudem ein Handbuch erarbeitet und gedruckt, das für künftige Projekte dieser Art nutzbar sein wird. 

Da das Wohlsein von Kindern massgeblich von ihrem Umfeld abhängt, sollen auch Eltern-Kind-Beziehungen gestärkt werden. 30 Eltern werden unterstützt, sich besser um ihre Kinder zu kümmern. Hierzu wird zunächst in tiefgehenden Gesprächen mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ermittelt und dokumentiert, welche besonderen Bedürfnisse und Nöte bei Eltern in Flüchtlingsfamilien bestehen. Aufbauend auf die dort gewonnenen Erkenntnisse folgt die konkrete Planung der Schulungen. In drei Eltern-Kind-Gruppen erhalten die Teilnehmenden Beratung und Unterstützung bei Themen wie Kommunikation und besondere Herausforderungen für Flüchtlingsfamilien ausserhalb ihres Kulturkreises bis hin zu konkreten Problemen wie der Organisation des Tagesablaufes. Die Eltern werden auch ermutigt, an den Wochenenden aktiv an den Aktivitäten ihrer Kinder teilzunehmen. Auch hierzu wird ein Handbuch zu der Arbeit mit Kindern und Eltern aus Flüchtlingsfamilien erstellt und gedruckt, um andere Organisationen in diesem Bereich zu unterstützen. 

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