Brasilien

Vulnerable Migrantinnen und Migranten aus Venezuela erhalten Schutz und Sicherheit

In Venezuela, dem einst reichsten Land Südamerikas, sind heute 80% der Bevölkerung arm. In den letzten Jahren ist die Versorgung mit Nahrungsmitteln jedoch zusammengebrochen. Bis im Januar 2020 haben schätzungsweise 224'000 Menschen aus Venezuela Zuflucht in Brasilien gesucht. Dieses Projekt trägt dazu bei, die prekären Lebensbedingungen der Migrantinnen und Migranten zu verbessern, humanitäre Versorgungslücken zu schliessen und den Menschen die Integration in die Gastgebergemeinschaften und den Arbeitsmarkt zu erleichtern.

 

Land / Region / Ort
Brasilien: Crato, Fortaleza/Ceará, Florianópolis/Santa Catarina und Jacumã/Paraíba


Zielgruppe
400 direkt und 1500 indirekt begünstigte Migrantinnen und Migranten.


Mittelbedarf
249 940 Schweizer Franken


Projektdauer
01.11.2019 bis 31.08.2020


Projektnummer
P190061


Projektziel
Die Lebensbedingungen von vulnerablen venezolanischen Flüchtlingen, Migrantinnen und Migranten sind durch humanitäre Hilfe und lokale Integrationsmassnahmen in vier Bundesstaaten verbessert.


Projektverantwortliche
Petra Winiger, Tel: 041 419 23 91, pwinigernot shown@caritasto make life hard for spam bots.ch

 
 

Worum geht es?

Venezuela, das Land mit dem grössten Erdölvorkommen der Welt, ist geprägt von politischen Unruhen, Waffengewalt, Hungeraufständen und Plünderungen. Im einst reichsten Land Südamerikas sind heute 80% der Bevölkerung arm. Seit 2014 steckt das Land mit der derzeit höchsten Inflationsrate der Welt in einer tiefen Rezession. Gemäss Internationalem Währungsfonds (IMF) wird 2019 die Hyperinflation 10 Mio.% erreichen. Jahrelange wirtschaftliche und soziale Probleme, verschärft durch Misswirtschaft und Korruption, haben das südamerikanische Land in die tiefste Versorgungskrise und Lateinamerika in die grösste Migrationskrise ihrer Geschichte gestürzt.

In den letzten Jahren ist die Versorgung mit Nahrungsmitteln zusammengebrochen. Massive Kürzungen der Importe und die fehlende Lebensmittelproduktion im Land selbst haben dazu geführt, dass im letzten Jahr drei Viertel der Venezolanerinnen und Venezolaner im Schnitt zehn Kilo an Gewicht verloren, weil sie zu wenig zu essen haben. Ein Liter Milch kostet derzeit ein Drittel eines Monatseinkommens. Auch das Gesundheitswesen befindet sich in einem katastrophalen Zustand. Laut offiziellen Zahlen nahm die Kindersterblichkeit allein von 2015 auf 2016 um 30 Prozent zu. In gewissen Gebieten sind bis zu 70 Prozent der Kinder unterernährt. 80 bis 90 Prozent der notwendigen Medikamente und medizinischen Geräte sind nicht mehr verfügbar. Die Hälfte der Spitäler ist demnach nicht funktionstüchtig, und die Zahl der Belegschaft der öffentlichen Gesundheitsstationen hat sich halbiert.

Laut offizieller Angaben der Vereinten Nationen (IOM) sind seit 2014 mehr als 4 Millionen der 31 Millionen Venezolanerinnen und Venezolaner in umliegende Staaten wie Kolumbien, Panama, Ecuador, Peru oder Brasilien migriert. Nach Schätzungen der Behörden hat Brasilien per August 2019 rund 180’000 Venezolanerinnen und Venezolaner aufgenommen, wovon mehr als 60% über den brasilianischen Grenzbundesstaat Roraima im Nordwesten des Landes migriert sind. Die Lebensbedingungen der ankommenden Flüchtlinge sind prekär. Flüchtlingsunterkünfte sind überfüllt, es mangelt an der Grundversorgung wie sanitären Einrichtungen und Kochmöglichkeiten. Tausende von Migrantinnen und Migranten leben derzeit auf den Strassen und besetzen verlassene Gebäude. 

Die Regierungen in den ohnehin armen, strukturschwachen und von Arbeitslosigkeit gezeichneten Grenzgebieten sind nicht in der Lage, die Grundversorgung der Migrantinnen und Migranten aufrecht zu erhalten. Das grösste Krankenhaus von Roraima ist derzeit zur Hälfte durch Flüchtlinge ausgelastet, insbesondere die Geburtenabteilung. Die Zahl an behandelten Venezolanerinnen und Venezolanern stieg von 3’400 Personen im 2016 auf 48’000 im Jahr 2018. Auch das Schulsystem leidet unter dem Druck der Nachfrage – zwischen 2015 und 2017 stiegt die Schülerzahl um über 1’000%. In einer von der Nationalregierung erlassenen Verordnung von 2018 werden die Nicht-Grenzbundesstaaten dazu angehalten, mit Roraima in den Bereichen sozialer Schutz, Gesundheit, Bildung, Ernährungs- und öffentliche Sicherheit zu kooperieren und Flüchtlinge im Rahmen der Transferierungsmassnahmen (Interiorização) durch die brasilianische Regierung und UNHCR aufzunehmen.  

 

Was tun wir?

Die Partnerorganisation «Serviço Pastoral dos Migrantes do Nordeste» (SMP-NE), mit der das vorliegende Projekt durchgeführt wird, und Caritas Schweiz haben langjährige Erfahrung in der Flüchtlings- und Migrationsarbeit sowohl in Brasilien als auch international. Alle Projektaktivitäten werden in enger Zusammenarbeit mit den jeweiligen lokalen und regionalen Regierungen, dem Justizministerium und anderen internationalen Akteuren im Bereich humanitäre Hilfe sowie UNHCR koordiniert und unter Einhaltung und Anwendung internationaler Standards und Richtlinien umgesetzt. 

Das Projekt trägt dazu bei, die Lebensbedingungen von 400 Migrantinnen und Migranten zu verbessern, indem humanitäre Versorgungslücken geschlossen und die lokale Integration der Menschen gestärkt und vereinfacht werden.

Schwerpunktinterventionsgebiet der Projektdurchführung sind die Bundesstaaten Ceará, Santa Catarina und Paraíba. An vier Projektstandorten werden sogenannte Empfangszentren aufgebaut, in denen die Migrantinnen und Migranten des Transferierungsprogramms aus dem Bundesstaat Roraima in Empfang genommen werden. Im Rahmen dieser Aktivität kann das Projekt auf das breit aufgestellte Netzwerk an Freiwilligen und professionellen Fachkräften im Bereich der sozialen Arbeit zurückgreifen. Im Bereich Schutz werden sowohl psychologische Unterstützung als auch anwaltschaftliche Dienstleistungen angeboten. Dabei werden die Migrierenden darin unterstützt, Asylanträge zu stellen und humanitäre Leistungen einzufordern, vor allem aber sollen sie vor sexueller Ausbeutung und anderen illegalen Beschäftigungen geschützt und aufgeklärt werden. Kinder und Frauen stehen dabei als vulnerabelste Migrationsgruppe im Fokus des Projekts.

Das Projekt beinhaltet des Weiteren die Verteilung von Gütern, um die grundlegenden menschlichen Bedürfnisse zu decken. Diese Güter beinhalten Gesundheitsartikel für Frauen und Mädchen, Seife, Waschmittel und Zahnbürste; ausserdem Lebensmittelkörbe während drei Monaten. Um die Verteilung der Güter und Dienstleistungen in Quantität und Qualität korrekt zu gewährleisten, wird im Vorfeld ein breit angelegtes digitales Datenerhebungs- und Registrierungssystem aufgesetzt, welches durch ein professionelles Team mit jahrelanger Erfahrung im humanitären Bereich überwacht wird.

Zur Förderung der lokalen Integration erhalten die Begünstigen Unterstützung, den Zugang zu sozialen Dienstleistungen zu erhalten, ihre Kinder in der Schule oder den Kindergarten einzuschreiben und allem voran portugiesisch zu lernen, um den Zugang zu den Menschen der Gastgemeinden und zum Arbeitsmarkt zu vereinfachen. Letzteres ist auf Grund der Sprachbarriere, fehlenden oder nicht anerkannten Zeugnissen und Abschlusszertifikaten, eine besonders grosse Herausforderung und in vielen Fällen eine Hürde in die Selbstständigkeit. SMP-NE unterhält und pflegt infolgedessen Partnerschaften mit Unternehmen, um die Vermittlung von Arbeitsplätzen an venezolanische Migrantinnen und Migranten zu vereinfachen.

 

Ihre Spende

 
Ersatzinhalt-Startseite-Standard-DE
 
 

Caritas Schweiz
Adligenswilerstrasse 15
Postfach
CH-6002 Luzern

 

PC 60-7000-4
IBAN CH69 0900 0000 6000 7000 4
Spenden können bei den Steuern in Abzug gebracht werden.

 

Spenden­beratung

Nehmen Sie mit uns Kontakt auf. Wir beraten Sie gerne persönlich. 

MEHR