Navigation mit Access Keys

 
Brasilien

Vulnerable Flüchtlinge und Asylsuchende aus Venezuela erhalten würdige Lebensbedingungen in Brasilien

In Venezuela, dem einst reichsten Land Südamerikas, sind heute 80% der Bevölkerung arm. Unter der Diktatur Maduros ist die Versorgung mit Nahrungsmitteln zusammengebrochen. Bis im Februar 2018 haben schätzungsweise 60'000 Menschen aus Venezuela Zuflucht in Brasilien gesucht. Dieses Projekt trägt dazu bei, die prekären Lebensbedingungen der Migrantinnen und Migranten zu verbessern, humanitäre Versorgungslücken zu schliessen und gleichzeitig die Bevölkerung für die Flüchtlingsproblematik und insbesondere gegen Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung zu sensibilisieren.

 

Land / Region / Ort
Brasilien, Bundesstaaten: Amazonas, Bundesdistrikt, Pernambuco, Paraná, Roraima, Santa Catarina, São Paulo


Zielgruppe
3'500 Flüchtlinge und Migrantinnen und Migranten sowie 28'500 Personen die durch Kampagnen und Sensibilisierungsmaterialen erreicht werden.


Mittelbedarf
1'835’657 Schweizer Franken


Projektdauer
1. August 2018 – 31. Juli 2019


Projektnummer
P180064


Projektziel
Die Lebensbedingungen von vulnerablen venezolanischen Flüchtlingen, Migrantinnen und Migranten, insbesondere von Frauen, Kindern, Indigenen, Älteren Menschen und Behinderten sind durch humanitäre Hilfe und die lokale Integration in sieben brasilianischen Bundesstaaten verbessert.


Projektverantwortliche
Esther Belliger, Tel: 041 419 24 41, ebelligerto make life hard for spam bots@to make life hard for spam botscaritasto make life hard for spam bots.ch


Abteilung
Bereich IZA / Abteilung Afrika & Lateinamerika/Karibik

 
 

Worum geht es?

Venezuela, das Land mit dem grössten Erdölvorkommen der Welt ist heute geprägt von politischen Unruhen, Waffengewalt, Hungeraufständen und Plünderungen. Im einst reichsten Land Südamerikas sind heute 80% der Bevölkerung arm. Seit 2014 steckt das Land mit der derzeit höchsten Inflationsrate der Welt in einer tiefen Rezession und hat bis Ende 2017 34% seiner Wirtschaftsleistung (BIP) verloren. Laut Vorhersagen des Internationalen Währungsfonds (IMF) beträgt die Teuerung für das Jahr, 2018, 1600% wobei die Wirtschaft im letzten Jahr um 10% schrumpfte. Eine korrumpierende Regierung und eine über Jahrzehnte fehlgeleitete Wirtschaftspolitik unter dem Regime von Präsident Nicolás Maduro und seinem Vorgänger, dem mittlerweile verstorbenen Hugo Chávez, haben das südamerikanische Land in die tiefste Versorgungskrise seiner Geschichte gestürzt.

Unter der Diktatur Maduros ist die Versorgung mit Nahrungsmitteln zusammengebrochen. Kürzungen der Importe und die fehlende Lebensmittelproduktion im Land selbst haben dazu geführt, dass im letzten Jahr drei Viertel der Venezolaner im Schnitt acht Kilo an Gewicht verloren, weil sie zu wenig zu essen haben. Auch das Gesundheitswesen befindet sich in einem katastrophalen Zustand. Laut offiziellen Zahlen nahm die Kindersterblichkeit allein von 2015 auf 2016 um 30 Prozent zu. In gewissen Gebieten sind bis zu 70 Prozent der Kinder unterernährt. 80 bis 90 Prozent der notwendigen Medikamente und medizinischen Geräte sind nicht mehr verfügbar. Die Hälfte der Spitäler ist demnach nicht funktionstüchtig, und die Zahl der Belegschaft der öffentlichen Gesundheitsstationen, welche 90 Prozent der medizinischen Grundversorgung leisten, hat sich halbiert.

Laut Schätzungen der Central Intelligence Agency (CIA) sind seit 2014 etwa 4 Millionen der 31 Millionen Venezolanerinnen und Venezolaner in umliegende Staaten wie Kolumbien, Panama, Ekuador, Peru oder Brasilien migriert. Die brasilianische Migrationsbehörde verzeichnet einen Anstieg an venezolanischen Asylsuchenden von 820% in den letzten zwei Jahren, von rund 800 Personen im Jahr 2015 auf 7'600 bis Juni 2017. Nach Schätzungen der Behörde haben bis im Februar 2018 ca. 60'000 Flüchtlinge aus Venezuela Zuflucht im brasilianischen Grenzbundesstaat Roraima im Nordwesten des Landes gesucht. Die Lebensbedingungen der Flüchtlinge sind prekär. Flüchtlingsunterkünfte sind überfüllt, es mangelt an der Grundversorgung wie sanitären Einrichtungen und Kochmöglichkeiten. Tausende von Migranten leben derzeit auf den Strassen und besetzen verlassene Gebäude.

Die Regierungen in den ohnehin armen strukturschwachen und von Arbeitslosigkeit gezeichneten Grenzgebieten sind nicht in der Lage, die Grundversorgung der Migrantinnen und Migranten aufrecht zu erhalten. Das grösste Krankenhaus von Roraima, in dem 80% der erwachsenen Bevölkerung behandelt wird, ist derzeit zur Hälfte durch Flüchtlinge ausgelastet, insbesondere die Geburtenabteilung. Die Zahl an behandelten Venezolanern stieg 2015 von 540 Personen auf 7'600 im Jahr 2016. Auch das Schulsystem leidet unter dem Druck der  Nachfrage – zwischen 2015 und 2017 stiegt die Schülerzahl um über 1’000%, von 50 auf 640. In einer von der Nationalregierung erlassenen Verordnung werden die nicht-Grenzbundesstaaten dazu angehalten, im Rahmen der humanitären Hilfe insbesondere mit Roraima in den Bereichen sozialer Schutz, Gesundheit, Bildung, Ernährungs- und öffentliche Sicherheit zu kooperieren und zu unterstützen.

 

Was tun wir?

Die Partnerorganisation, die nationale Caritas Brasilien, mit der das vorliegende Projekt durchgeführt wird, und Caritas Schweiz haben langjährige Erfahrung in der Durchführung von humanitären Hilfsprojekten in Krisengebieten weltweit. Alle Projektaktivitäten werden in enger Zusammenarbeit mit den jeweiligen lokalen und regionalen Regierungen, dem Justizministerium und anderen internationalen Akteuren im Bereich humanitäre Hilfe sowie UNHCR (United Nations High Comission for Refugees) und unter Einhaltung und Anwendung internationaler Standards und Richtlinien koordiniert und umgesetzt.

Das Projekt trägt dazu bei, die Lebensbedingungen von 3'500 Migrantinnen und Migranten zu verbessern, humanitäre Versorgungslücken zu schliessen und gleichzeitig 28’500 Menschen durch Kampagnen und Öffentlichkeitsmaterialien für die Flüchtlingsproblematik und insbesondere gegen Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung zu sensibilisieren.

Schwerpunktinterventionsgebiet der Projektdurchführung ist der Bundesstaat Roraima im Nordosten Brasiliens. Von dort werden 1'200 Begünstige entlang der Strategie der brasilianischen Regierung und UNHCR zur Unterbringung von Flüchtlingen in die Bundesstaaten Amazonas, Pernambuco, Bundesdistrikt, Paraná, Santa Catarina und São Paulo transferiert (siehe Karte auf Seite 2). Im Rahmen dieser Aktivität kann das Projekt auf das auf nationaler Ebene breit aufgestellte Netzwerk der Caritas Brasilien mit seinen unzähligen Freiwilligen und professionellen Fachkräften im Bereich der sozialen Arbeit zurückgreifen.

Weitere Projektaktivitäten beinhalten die Stärkung der Begünstigten sich in den neuen lokalen Kontext zu integrieren und Zugang zu Schutz und Leistungen im Rahmen der Grundversorgung sicherzustellen. Dazu gehört schwerpunktmässig die Sensibilisierung der lokalen Bevölkerung gegenüber der asylsuchenden Bevölkerung sowie die Unterstützung von Munizipien und der Lokalregierung in der administrativen und organisatorischen Bewältigung der Flüchtlingsströme. Im Bereich Schutz stehen Kinder und Frauen als vulnerabelste Migrationsgruppe im Fokus – im Rahmen des Projekts werden sowohl psychologische Unterstützung als auch anwaltschaftliche Dienstleistungen angeboten. Dabei werden die Migrierenden darin unterstützt, Asylanträge zu stellen und humanitäre Leistungen einzufordern, vor allem aber sollen sie vor sexueller Ausbeutung und anderen illegalen Beschäftigungen geschützt und aufgeklärt werden.

Um die Selbstständigkeit der Begünstigten und deren Zugang zu Hygiene zu verbessern, ist die Verteilung von Gütern für die Befriedigung von grundlegenden menschlichen Bedürfnissen vorgesehen. Diese Güter beinhalten Gesundheitsartikel für Frauen und Mädchen für zwölf Monate, Seife, Waschmittel, Zahnbürste und Deodorant. Ausserdem Küchen-Sets mit Wasserfilter, Kühlschrank und Öfen sowie Decken und Matratzen. Um die Verteilung der Güter und Dienstleistungen in Quantität und Qualität korrekt gewährleisten zu können, wird im Vorfeld des Projekts ein breit angelegtes digitales Datenerhebungs- und Registrierungssystem aufgesetzt, welches durch ein professionelles Team mit jahrelanger Erfahrung im humanitären Bereich überwacht wird.

Weitere Aktivitäten beinhalten die Bereitstellung von würdigen und den internationalen Standards entsprechenden Unterkünften sowie die Implementierung von sogenannten Focal Points, die den Flüchtlingen als Zulauf- und Informationsstelle dienen und damit die lokalen Strukturen unterstützen. Mit Hilfe von Zusatzunterricht für Kinder und Jugendliche Flüchtlinge und der Stärkung der lokalen Lehrkräfte, wird die Integration in das brasilianische Schulsystem gefördert.

 

Ihre Spende

Ersatzinhalte