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Kenia

Paul Kimutai Langat

Paul Langat ist der Schulleiter der Primarschule Kamolok und verantwortlich für 339 Kinder im Alter von vier bis 16 Jahren. Die Schule liegt im Kericho County in West-Kenia nahe der Grenze zu Kisumu, wo gewaltsame Viehdiebstähle zwischen den beiden ethnischen Gruppen Kalenjin und Luo, die das Gebiet bewohnen, häufig vorkommen. Paul Langat hörte vor ein paar Monaten zum ersten Mal von Caritas Schweiz, als seine Schule Teil eines Wasser- und Hygieneprojekt wurde. Seitdem hat er sich aktiv an der Umsetzung des Projekts beteiligt. Gemeinsam mit dem Schulverwaltungsausschuss und den Eltern der Schüler hat er unter anderem die Sammlung von lokalen Baumaterialien und die Ausschachtungen für Toiletten und einen Wassertank organisiert, die vom Projekt zur Vergügung gestellt werden.

 

Was bereitet Ihnen momentan Schwierigkeiten?
Die Schule liegt in einem abgelegenen Gebiet, wo Nahrungsmittelknappheit und Manglernährung häufig vorkommen. Aus diesem Grund haben wir ein Schulspeisungsprogramm gestartet, mit Porridge für die Kleinen und einem Mais-Bohnen-Eintopf, genannt Githeri, für die Schüler der 1. bis 8. Klasse. Wir bauen zu diesem Zweck auch unseren eigenen Mais an. Aber wir haben nur eine Hecke, um unsere Felder zu schützen und Kühe und Schafe können diese leicht durchbrechen. Dieses Jahr haben sie bereits einen Grossteil der Ernte zerstört, so dass wir in den Monaten Mai und Juni ohne Mais auskommen müssen. Im Mai, wenn das neue Schuljahr beginnt, werden wir neu aussäen. Die Eltern pflügen in der Regel das Feld und die Kinder helfen, es zu kultivieren. Jedoch benötigen wir dringend Mais, um das Speisungsprogramm aufrecht zu erhalten, bis wir wieder ernten können. 

Was wünschen Sie sich?
Ich wünsche mir, dass unsere Klassenzimmer mit Elektrizität ausgestattet werden und eine schuleigene Wasserquelle erschlossen wird. Bis jetzt müssen wir nach Kisumu County gehen, um unser Trinkwasser zu kaufen. Ich würde es auch sehr begrüssen, wenn mehr Leute unsere Schule besuchen und mit den Kindern sprechen würden, um sie zu motivieren, täglich die Schule zu besuchen. Aufgrund der vorherrschenden Armut in dieser Gegend kommen viele Schüler nicht regelmässig zur Schule. Einige helfen ihren Familien, andere sind an Malaria oder Durchfall erkrankt, oder beteiligen sich an den Viehüberfällen. Auch diese Schule ist direkt von den Konflikten im Zusammenhang mit den Viehüberfällen betroffen. Jeden Morgen, bevor die Lehrer zur Schule kommen, erkundigen sie sich, ob sich in der Nacht ein Vorfall ereignet hat. Wenn dies der Fall ist, kommen sie nicht zur Schule, da die Zugangsstrasse unsicher sein könnte. Letztes Jahr blieb die Schule deswegen für insgesamt mehrere Monate geschlossen. Ich wünsche mir, dass sich der Lebensstandard der Familien in dieser Gegend verbessert, denn ich sehe dies als eine der Hauptursachen der Viehüberfälle. 

Worauf sind Sie stolz?
Ich bin froh, dass die Eltern unserer Schüler meine Arbeit hier schätzen. Ich bin seit einem Jahr der Leiter dieser Schule und versuche, die Eltern so konsequent als möglich in meine Arbeit mit einzubeziehen. Der Fortschritt ist langsam, da ich über kein Netzwerk von einflussreichen Personen verfüge, aber wir verbessern uns stetig. Ausserdem bin ich stolz darauf, dass die Kinder dieser Schule eine bessere Ausbildung erhalten als noch vor einem Jahr. Die Lehrer kommen nun regelmässig zur Schule und ich überprüfe, ob sie den Unterricht auch wirklich abhalten. Ich bin auch stolz auf meine Familie. Mein Erstgeborener studiert an der Universität, die beiden Jüngeren sind im Gymnasium. Jeder kann anhand meiner Familie sehen, wofür ich stehe. Im Allgemeinen bin ich der Meinung, dass man die positiven Dinge im Leben betrachten soll. Ich liebe meine Schule, obwohl sie in einer armen Gegend liegt, und ich bete zu Gott, dass er es mir ermöglicht, diese Schule weiter zu verbessern und den Erwartungen der Eltern gerecht zu werden.

Das Interview wurde von Joëlle Affolter im April 2015 durchgeführt.

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