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Kenia

Mambayow Lechana

Mambayow Lechana wurde 1977 in Lengima, einem Dorf im nördlichen Kenia, geboren. Sie ist verwittwet, seit ihr Mann vor einigen Jahren an einer ihr unbekannten Krankheit verstarb. Mambayow hat vier Kinder: ihre älteste Tochter ist verheiratet und hat ein Kind. Der Zweitgeborene ist ein sogenannter Moran, ein traditioneller Krieger, der bald heiraten und eine eigene Familie gründen wird. In der Zwischenzeit kümmert er sich um die Ziegen, Kamele und Kühe der Familie. Die beiden jüngsten Kinder besuchen noch die Primarschule. Das Ältere ist in der dritten Klasse, das Jüngere in der zweiten Klasse. Ich traf Mambayow während meines Besuchs in ihrem Dorf, in dem Caritas 2014 ein Felsreservoir zur Regenwassergewinnung mit fünf Wassertanks gebaut hat, um die Wasserversorgung der Dorfbewohnerinnen und –bewohner zu verbessern.

 

Wie sieht Ihr Tagesablauf für gewöhnlich aus?
Ich stehe vor Sonnenaufgang auf, um die Ziegen zu melken. Dann bereite ich Tee und Ugali für meine Kinder zu, die tagsüber die Tiere hüten. Ugali ist ein traditionelles Gericht auf der Basis von Mais- oder Hirsemehl. Zurzeit sind Schulferien. Aus diesem Grund verbringen alle meine Kinder den Tag damit, die Tiere hüten. Während der Schulzeit trinken die jünsten beiden morgens nur eine Tasse Tee, da sie in der Schule Essen erhalten. Nach dem Frühstück beginne ich mit den Hausarbeiten: ich putze die Hütte, wasche Kleider, hole Wasser und sammle Brennholz. Manchmal gehe ich auf die Weide, um nach meinen Kindern zu schauen. Zusammen tränken wir die Tiere, denn besonders die Kleinen benötigen dabei meine Hilfe. Normalerweise essen wir auch Ugali zu Abend. Nur wenn es regnet, habe wir Milch und Fleisch. Wenn die Lebensmittel günstig sind, kaufe ich auch Bohnen und Reis. In diesem Fall gibt es auch ein Mittagessen für die Kinder.

Was bereitet Ihnen momentan Schwierigkeiten?
Unsere grösste Schwierigkeit bestand lange Zeit darin, Wasser zu finden. In unserer Gegend regnet es kaum. Wir haben zwar Handbrunnen, aber die trocknen sehr schnell aus. Meisten mussten wir daher Wasser vom Bohrbrunnen holen. Das Wasser dort ist sehr salzig und der Bohrbrunnen weit weg. Üblicherweise dauerte es daher den ganzen Tag, bis wir zurück waren. Zeit für anderes blieb da kaum. Näher zum Bohrbrunnen ziehen konnten wir auch nicht, obwohl wir Halbnomaden sind, da unsere Männer bestimmen, wo wir uns niederlassen. Wasser holen ist Aufgabe der Frauen. Unsere Männer haben daher wenig Verständnis für Probleme im Zusammenhang mit dem Wasser holen. Glücklicherweise haben wir jetzt die neuen Tanks. Damit haben wir auch während der Trockenzeit frisches Wasser in der Nähe des Dorfes. Die gewonnene Zeit nutzen wir, um traditionelle Halsketten anzufertigen, die wir dann verkaufen können. 

Wofür haben Sie letztens Geld ausgegeben?
Ich habe kürzlich Zubehör für Halsketten gekauft, das ich in meinem Laden verkaufe. Ich besitze ein kleines Geschäft, das ich vor ein paar Jahren begonnen habe, als mein Mann starb. Erst mit seinem Tod war es mir als Frau erlaubt, Vieh zu verkaufen. Ich verkaufte zwei Ziegen und kaufte vom Geld einen Sack Zucker, den ich in kleinere Säcke umfüllte und an meine Nachbarinnen weiterverkaufte. Seither ist mein Geschäft stetig gewachsen und ich konnte sogar etwas Geld sparen. Davon habe ich mir einen Laden im Dorfzentrum gebaut, in dem ich nun auch Kekse, Speiseöl, Tabak und Seife verkaufe. Der Wert meiner Waren beläuft sich auf etwa KES 10,000 (CHF 100.-). Allerdings ist es nicht einfach, Ware für mein Geschäft zu bekommen. Ich beziehe sie von Händlern, die von Merille, Laisamis oder Isiolo zu uns ins Dorf kommen.

Was wünschen Sie sich?
Ich möchte gerne alles verkaufen, insbesondere das Vieh. Jedes Jahr verdursten oder verhungern einige Tiere. Viel lieber möchte ich das Geld zur Bank bringen und ein richtiges Haus bauen, denn unsere Hütten werden regelmässig vom Wind zerstört. Ich würde nur Geld von der Bank holen, um Essen zu kaufen oder das Schulgeld meiner Kinder zu bezahlen. Ansonsten freue ich mich auf die Feierlichkeiten zum Seriyo, einem lokalen Fest, zum dem jede Familie eine Ziege schlachtet. Es findet genau neun Tage nach Vollmond statt. 

Worauf sind Sie stolz?
Zusammen mit anderen Frauen aus meinem Dorf haben wir eine Frauengruppe gegründet. Wir wollen genug Geld sparen, um mit Ziegen zu handeln. Dazu haben wir uns bei den Behörden in Laisamis angemeldet. Aber es ist nicht einfach für uns, ein Bankkonto zu eröffnen oder ein Dahrlehen zu bekommen. Wir müssten dazu den weiten Weg nach Marsabit fahren, wo die Bank ist, und eine Garantie in Form von Land oder anderem Besitz hinterlegen. Daher haben wir entschieden, dass jedes Mal, wenn wir uns treffen, jede Frau KES 50 (50.- Rappen) in die gemeinsame Kasse einzahlt. 

Das Interview wurde von Madeline Muga im Oktober 2015 geführt.

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