Tschad

Stärkung der Resilienz von verletzbaren Bevölkerungs­gruppen gegen Ernährungs­unsicherheit

Die zentrale Lage im Sahelgürtel macht den Tschad anfällig für Ernährungsunsicherheit und Wasserknappheit. Die Provinz Batha im Herzen des Landes leidet zudem unter anderem unter den Folgen des Klimawandels. Ein Grossteil der Menschen kann Grundbedürfnisse wie Wasser, Gesundheit oder Nahrung kaum decken. Dabei hätte die Provinz grosses landwirtschaftliches Potenzial. Die Caritas und ihre Partner leisten saisonale Nahrungsmittelhilfe, sensibilisieren für Hygiene und Ernährung oder unterstützen den Gemüseanbau. Gleichzeitig vernetzen sie die verschiedenen Akteure und Interessengruppen, damit gemeinsam Strategien erarbeitet und Aktivitäten zur Bekämpfung der Ernährungsunsicherheit umgesetzt werden können. Zudem werden die Akteure in Dialog und Konfliktmanagement geschult.

 

Land / Region / Ort
Tschad, Provinz Batha


Zielgruppe
5000 Haushalte 


Mittelbedarf
2'764'668 Schweizer Franken


Projektdauer
20.03.2020 bis 31.10.2023


Projektnummer
P200041


Projektziel
Die vulnerablen Gemeinschaften in Batha werden durch Massnahmen der humanitären Hilfe und der Entwicklungszusammenarbeit (Nexus) so unterstützt, dass sie sich selbständig aus der Armut und der Abhängigkeit von Hilfe befreien können.  


Projektverantwortliche
Sabine Schild, Tel: 041 419 23 48, sschildnot shown@caritasto make life hard for spam bots.ch

 
 

Worum geht es?

Der Tschad ist das grösste Binnenland auf dem afrikanischen Kontinent. Gemäss dem Human Development Index des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP) lag das Land 2019 auf Rang 187 von 189 Ländern und ist somit eines der ärmsten der Welt. Die Wirtschaft hängt von der Öl-Industrie ab, wobei sinkende Preise die Regierungsausgaben drücken und die Verschuldung erhöhen. Die grosse Mehrheit der Bevölkerung ist in der Landwirtschaft tätig. Die zentrale Lage im Sahelgürtel macht den Tschad jedoch strukturell anfällig für Ernährungsunsicherheit und Wasserknappheit. Gleichzeitig stellt er für Migrantinnen und Migranten aus unsicheren Nachbarländern ein mögliches Fluchtziel dar. Zwei Drittel der Bevölkerung des Tschad können weder lesen noch schreiben, und lediglich die Hälfte der Menschen hat Zugang zu sauberem Trinkwasser. 

Das Projekt ist im zentralen Tschad in der Provinz Batha angesiedelt, eine Region, die grundsätzlich über ein grosses landwirtschaftliches Potenzial verfügt. In den letzten Jahren litt die Region aber vermehrt unter den Auswirkungen des Klimawandels, der Verschlechterung der Qualität der Böden und den zahlreichen Krisen in den Nachbarländern. Die ärmsten lokalen Bevölkerungsgruppen haben grosse Schwierigkeiten, sich an die laufend veränderten Umstände anzupassen. Der Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen, zur Deckung der Grundbedürfnisse (Wasser, Gesundheit, Bildung und Nahrung), ist für einen grossen Teil der Bevölkerung nicht gewährleistet oder mit grossen Mühen verbunden. Besonders für junge Menschen sind die wirtschaftlichen Schwierigkeiten beträchtlich. Ihre Chancen auf eine geregelte formelle Anstellung sind gering und die Arbeitslosigkeit hoch. Lokale Ausbildungszentren sind rar, haben wenig Kapazität und sind für Interessierte oft weder physisch noch finanziell zugänglich. Die weit verbreitete Geschlechterungleichheit schränkt zudem die Mobilität von Frauen ein und schliesst sie von wichtigen Positionen und Funktionen in der Wirtschaft aus. 

Neben den schwierigen klimatischen Bedingungen und den damit verbundenen stark schwankenden Erträgen stellen auch die schlechte Infrastruktur, fehlende Vermarktungsstrukturen, der Mangel an verbessertem Saatgut, schlecht angepasste Anbautechniken sowie die ungenügende technische Ausrüstung der landwirtschaftlichen Produzenten Gründe für die geringeren Erträge der letzten Jahre und den schlechten Absatz der Produkte dar. Schliesslich sind vorhandene Strukturen, Programme und Projekte von staatlichen Institutionen zur Bekämpfung von Armut und Ernährungsunsicherheit häufig unterbesetzt und werden auf intransparente Weise verwaltet. Begünstigte werden dabei nicht ausreichend in die Aktivitäten miteinbezogen, was die nachhaltige Wirkung der entsprechenden Massnahmen hindert. Auch zwischen den vor Ort involvierten NGOs und INGOs gibt es keine oder lediglich geringe Koordinationsmechanismen.  

Caritas Schweiz engagiert sich seit vielen Jahren im Tschad. Nachdem sie in den 70er-Jahren vorwiegend im humanitären Bereich gearbeitet hatte, engagierte sie sich in den 80er-Jahren zunehmend in der Entwicklungszusammenarbeit. Die Interventionen von Caritas Schweiz im ländlichen Bereich basieren dabei alle auf zwei zentralen Ansätzen: der Förderung der nachhaltigen Nutzung der natürlichen Ressourcen sowie der lokalen wirtschaftlichen Entwicklung.

 

Was tun wir?

Das zentrale Ziel des Projekts besteht darin, die Resilienz der von Ernährungsunsicherheit betroffenen Bevölkerung in der Provinz Batha in Zusammenarbeit mit lokalen Akteuren und den tschadischen Behörden zu stärken. Das Projekt wird im Auftrag von der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) des Schweizer Aussendepartements umgesetzt und sieht eine Laufzeit von rund dreieinhalb Jahren vor. Nach einer Planungsphase von fünf Monaten startet im Oktober 2020 voraussichtlich die erste Umsetzungsphase (2020 – 2023).

Durch den Nexus-Ansatz verbindet das Projekt sowohl humanitäre und entwicklungspolitische Perspektiven sowie die Arbeitsfelder Ernährungssicherheit und Klima mit einer starken Gouvernanz-Komponente. Als solches ist die Einrichtung eines partizipativen Koordinations- und Aktionsmechanismus ein zentraler Aspekt des Projekts. Dadurch stellt Caritas Schweiz den Miteinbezug relevanter staatlicher und nicht-staatlicher Akteure und Interessensvertreter sicher. Ziel ist es, alle betroffenen Parteien in die Entwicklung von lokalen Strategien und gezielten Aktivitäten zur Bekämpfung der Ernährungsunsicherheit zu integrieren und ihre Kapazitäten, Beteiligung und Eigenverantwortung in diesem Prozess zu stärken. Um die festgesetzten Ziele des Projekts langfristig zu erreichen, ist eine starke Zusammenarbeit und eine effektive Koordination zwischen NGOs, Behörden, Organisationen der Zivilgesellschaft und dem privaten Sektor unerlässlich. Als vernetzender Akteur begleitet Caritas Schweiz die Partner bei der Entwicklung und Umsetzung der entsprechenden Massnahmen, der Struktur, der Zusammensetzung und Rollen, der Arbeits- und Kommunikationsmethoden und der Finanzierung. Neben dieser organisatorischen Begleitung werden die Akteure zudem in anderen Bereichen wie Dialog und Konfliktmanagement geschult. 

Als zweite Komponente zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit gegen Ernährungsunsicherheit, sieht das Projekt humanitäre Nothilfemassnahmen vor. Konkret wird während ertragsarmen Jahreszeiten saisonale Nahrungsmittelhilfe für Haushalte/Einzelpersonen geleistet, die als äusserst anfällig für Nahrungsmittel- und Ernährungsunsicherheit identifiziert wurden. Diese Massnahmen werden durch Unterstützungsleistungen, wie zum Beispiel die Schaffung eines erhöhten Hygiene- und Ernährungsbewusstseins, die technische Unterstützung in der Gemüseproduktion, den Wiederaufbau von Vermögenswerten und den Aufbau technischer Kapazitäten zum nachhaltigen Management natürlicher Ressourcen, ergänzt. 

Der Nexus-Ansatzes führt zudem zu einer Reihe von reproduzierbaren, evidenzbasierten Ansätzen, einer besseren Koordination und einem Wissensmanagement. Diese Ergebnisse des Nexus-Ansatzes sollen lokale Akteure und die tschadische Regierung davon überzeugen sollen, Ressourcen für Nexus-basierte Interventionen in Batha und anderen Regionen bereitzustellen. Auf diese Weise trägt das Programm dazu bei, humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit stärker zu verknüpfen und die Wirksamkeit der Hilfe zu erhöhen.

Das Projekt reiht sich ein in die drei aktuellen Arbeitsfelder des Landesprogramms Tschad (2017-2020): Ernährungssicherung und Märkte, DRR und Klima und Humanitäre Hilfe. Zudem profitiert das Projekt von Synergien mit anderen Projekten von Caritas Schweiz, die ebenfalls im Tschad realisiert werden. Dies sind einerseits die DEZA-Mandate zu Bildung und Einkommen (FORMI) und zum Aufbau von Erdnuss-, Sesam- und Karité-Wertschöpfungsketten (SODEFIKA II) und andererseits das Projekt zur nachhaltigen Verbesserung der Lebensbedingungen der einheimischen Bevölkerung und von Vertriebenen, unterstützt durch die Europäische Union (DIZA). Alle gegenwärtigen Projekte von Caritas Schweiz werden mit verschiedenen, teilweise langjährigen lokalen Partnern umgesetzt. 

 

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