Kambodscha

Wälder und natürliche Ressourcen gemeinschaftlich bewirtschaften und so nachhaltig nutzen

Im Südwesten Kambodschas hat die Waldwirtschaft einen hohen Stellenwert für die Lebensgrundlagen der Menschen. Doch die Waldbestände haben seit 1973 stark abgenommen. In diesem Projekt wird die Bevölkerung für nachhaltiges Ressourcenmanagement und den Schutz ihrer Wälder sensibilisiert und mobilisiert. Arme Familien erhalten die Möglichkeit, ihr Einkommen durch Aufforstung verbunden mit nachhaltiger Waldnutzung zu verbessern.

 

Land / Region / Ort
Ou Baktra, Kravanh-Bezirk, Pursat-Provinz


Zielgruppe
578 Familien / 2492 Menschen
1 Primarschule mit 240 Schüler/innen und Lehrer/innen


Mittelbedarf
356'067 Schweizer Franken


Projektdauer
01.12.2018 bis 31.8.2020


Projektnummer
P180088


Projektziel
Arme Familien erhalten die Möglichkeit, ihr Einkommen durch Aufforstung verbunden mit nachhaltiger Waldnutzung zu verbessern. Neue Ansätze für nachhaltige Waldnutzung auf nationaler Ebene ermöglichen den langfristigen Schutz natürlicher Ressourcen. Zudem wendet eine Primarschule das «Blue Schools»-Konzept an. Die Kinder lernen spielerisch ihr ökologisches Handeln sowie ihre hygienischen Verhaltensweisen zu verbessern.


Projektverantwortliche
Ethel Grabher, Tel. 041 419 23 52, egrabhernot shown@caritasto make life hard for spam bots.ch

 
 

Worum geht es?

In Kambodscha sind die Auswirkungen der Kriegsjahre immer noch deutlich spürbar. Das Land weist zwar ein rasantes Wirtschaftswachstum auf. Die Landbevölkerung, die 80% der 15 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner stellt, spürt von diesem Wachstum jedoch sehr wenig. Kambodscha gehört deshalb noch heute zu den ärmsten und am wenigsten entwickelten Ländern der Welt (Least Developped Countries). 30 bis 40% der Haushalte leben unterhalb der nationalen Armutsgrenze. Kambodscha gehört daher auch zu denjenigen Ländern, welche gegenüber Naturgefahren und Klimarisiken am verletzlichsten sind. 

Die Provinz Pursat mit dem Projektgebiet Ou Baktra liegt im Südwesten Kambodschas. Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung lebt von der Landwirtschaft und dem Anbau von Reis, Früchten, Gemüse und Kleinviehhaltung. Neben der Landwirtschaft hat auch die Waldwirtschaft einen hohen Stellenwert. Zusätzlich zur Lieferung von Baumaterialien und Brennstoff bietet der Wald in Kambodscha traditionell Nahrung, Medizin und erfüllt eine Vielzahl von kulturellen und spirituellen Bedürfnissen. Darüber hinaus bietet er Schutz vor Erosion und Naturkatastrophen und versorgt die Bevölkerung auch während relativ trockener Jahre mit genügend Grundwasser. Durch den Fokus auf die Landwirtschaft und die Nutzung der lokalen Wälder ist die Bevölkerung von den Folgen des Klimawandels besonders stark betroffen.   

Zudem hat ein sich beschleunigender, rapider Entwicklungsprozess, ungerechte Ressourcenverteilung gekoppelt mit Raubbau zu einer Entwaldung weiter Teile des Landes geführt. Zwischen 1973 und 2014 hat sich der Anteil bewaldeter Flächen von 72 auf 47 Prozent reduziert. Seit der Jahrhundertwende wird versucht, diesem Trend durch Einbezug der anliegenden lokalen Waldnutzer durch Community Forestry oder Gemeindewaldbewirtschaftung entgegen zu wirken. Die Umsetzung der ratifizierten Waldnutzungspläne ist jedoch mit so vielen bürokratischen Hürden und Einschränkungen verbunden, dass eine Umsetzung der auf Papier bestehenden Ansätze kaum realistisch ist. Darüber hinaus fehlt es an nachhaltigen Finanzierungsmechanismen für die Umsetzung der Pläne. Allein die Kosten für den Einsatz von Patrouillen, die zum Schutz des Waldes vor illegalen Aktivitäten nötig sind, können aus den hierfür vorgesehenen Finanzmitteln nicht gedeckt werden. Zudem sind die Wälder derart ihrer Rohstoffe beraubt worden, dass ein potenzieller Ertrag durch den Verkauf dieser Rohstoffe nur noch sehr niedrig ist. 

Fehlendes Umwelt- und Naturschutzbewusstsein der Anlieger und die ineffiziente Zusammenarbeit zwischen Gemeindebeauftragten und der Forstbehörde sind Herausforderungen, die nach einem Lösungsansatz verlangen. Um die noch bestehenden Waldflächen in Kambodscha nicht weiter zu gefährden, braucht es einen nachhaltigen und schonenden Umgang mit natürlichen Ressourcen, der mittels eines replizierbaren Ansatzes weitflächig zum Einsatz kommen können. Da bei diesem Thema auch viele unterschiedliche Interessen beachtet werden müssen, ist ein Projektansatz gefragt, der sowohl die Zivilgesellschaft wie auch die lokalen Regierungsbehörden, sowohl einflussreiche wie auch arme Menschen, mit einbezieht.

 

Was tun wir?

Das Arbeitsfeld «Klimawandel und Reduktion des Katastrophenrisikos» ist Länderprogramm Kambodscha von Caritas Schweiz fest verankert. Mit diesem Projekt pilotiert Caritas Schweiz in der Zusammenarbeit mit der lokalen Organisation Anakot Kumar innovative Ansätze für eine effektive und effiziente Umsetzung von Community Forestry – Gemeindewaldbewirtschaftung durch die ländliche, meist arme Bevölkerung. 

Das Projekt wird in der Gemeinde Ou Baktra, Kravanh-Distrikt, Pursat-Provinz mit einer Bevölkerung von 2,492 Menschen umgesetzt. Anhand von klar formulierten Botschaften an die Gemeinde durch z.B. Poster, Schilder, Broschüren, Meldungen und Lehrveranstaltungen, wird die Bevölkerung für nachhaltiges Ressourcenmanagement und den Schutz ihrer Wälder sensibilisiert und mobilisiert. Gemeinsam erarbeitete Massnahmen und Praktiken, die in einem Managementplan schriftlich festgehalten werden, werden den einzelnen Gemeindemitgliedern zugänglich gemacht und erklärt. Dadurch wird eine hohe Beteiligung der Zivilgesellschaft realisiert.

Die sich in der Gemeinde befindliche Primarschule wird in die Projektaktivitäten einbezogen. Schülerinnen und Schüler lernen Hygienepraktiken und haben Zugang zu sauberem Trinkwasser sowie verbesserten Wasser- und Sanitärinstallationen (Blue School-Konzept). Darüber hinaus werden Themen wie Umweltschutz in den Lehrplan aufgenommen. Insgesamt werden 240 Kinder und ihre Lehrpersonen erreicht.

Um die aufkommenden und bereits bestehenden Kosten für identifizierte Schutzmassnahmen für den Wald zu decken, wird der bereits existierende Fond zum Erhalt des Waldes durch den Einsatz von innovativen, durch das Projekt identifizierte Methoden gestärkt. Dieses Finanzinstrument ermöglicht eine nachhaltige Finanzierung der Naturschutzkosten wie z.B. dem Einsatz von Patrouillen und anderen mit dem Naturschutz verbundenen Aktivitäten. Freiwillige Beiträge und Gebühren, die auf Waldprodukte eingeführt werden, fliessen als Einnahmen in einen Fonds, der wiederum der Gemeinde für Kleinkredite zur Verfügung steht.
Eine weitere Komponente des vorliegenden Projektes bezieht sich auf die effiziente Anwendung der Forstgesetze. Durch innovative Mechanismen wie den Einsatz von mobilen Kommunikationsmitteln ist das Ziel, illegalen Einschlag im Wald drastisch zu minimieren bzw. zu verhindern. Um die Reaktionszeit der Behörden zu verbessern, wird die Berichterstattung über illegale Aktivitäten im Wald per Handy-Apps pilotiert. Eine Verstärkung der Waldpatrouillen durch freiwillige Gemeindemitglieder erhöht zudem die bestehenden Schutzmassnahmen.

Um die stetig geringer werdenden Waldflächen wieder zu stärken und den Ertrag sowie die Artenvielfalt im Wald zu verbessern, wird die Gemeinde in Wiederaufforstungsaktivitäten eingebunden. Gemeindebeauftragte des Community Forest Management Committees vergeben Parzellen des Gemeindewaldes an arme Gemeindemitglieder, um durch Wiederaufforstung den Ertrag von Waldprodukten zu verbessern. Pflanzpläne mit optimierter Fruchtfolge von diversifizierten Waldprodukten sorgen für einen kontinuierlichen Ertrag vom ersten Jahr an. Das hierfür benötigte Pflanz- und Saatgut wird lokal bezogen und/oder produziert. 

Während der Projektlaufzeit werden erfolgreich pilotierte Ansätze, die eine nachhaltige Wirkung auf den Schutz des Waldes und der Stärkung des Einkommens der lokalen Bevölkerung zeigen, dokumentiert und anhand von Policy Briefs und Fallstudien mit lokalen Partnern und Behörden auf nationaler Ebene geteilt. 

 

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