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Haiti

Mit nachhaltiger Energie gegen die negativen Auswirkungen des Klimawandels

Holz als Energieträger spielt in Haiti in elementare Rolle. Ein Grossteil der armen Bevölkerung benötigt den natürlichen Rohstoff zum Kochen. Das hat weitreichende Folgen: Nur noch zwei Prozent der Landesfläche sind bewaldet, Böden erodieren, es kommt zu Erdrutschen und Überschwemmungen. Das Projekt fördert die Nutzung nachhaltiger Energie und setzt auf den Einsatz von Pyrolysekochern, die mit landwirtschaftlichen Abfällen betrieben werden. Neben weniger Schadstoffen produzieren die Kocher Rückstände, die zur Bodenaufwertung beitragen. Mit der Herstellung und Vermarktung der Geräte werden zudem Einkommensmöglichkeiten generiert.

 

Land/Region/Ort:
Haiti, Département Ouest, Einzugsgebiet Carrefour/Léogâne


Zielgruppe:
6'956 Haushalte bezüglich einer neuen Kochtechnik, 45 Produzentinnen von Pyrolysekochern und cc, 45 Studentinnen, 520 Fischerfamilien, 400 Bauernfamilien


Mittelbedarf:
1'645'515 Franken


Projektdauer:
01.01.2017 - 30.09.2019 (33 Monate)


Projektnummer:
P170007


Projektziel:
Die Widerstandsfähigkeit der Bevölkerung in den Einzugsgebieten von Carrefour/Léogâne gegen Auswirkungen der Klimaveränderung wird gestärkt.


Projektverantwortliche:
Judith Binder, Tel: +41 41 419 23 17, jbinderto make life hard for spam bots@to make life hard for spam botscaritasto make life hard for spam bots.ch


Abteilung:
Afrika/Lateinamerika

 
 

Worum geht es?

Haiti ist eines der am wenigsten entwickelten Länder der Welt und das ärmste Land der westlichen Hemisphäre. Die Wirtschaft des Landes ist schwach und das politische System instabil. Die Bevölkerung leidet unter allgegenwärtiger Gewalt und Arbeitslosigkeit; Unter- und Mangelernährung sind weit verbreitet. Die Situation wird zudem durch regelmässige Umweltkatastrophen verschärft.

80 Prozent der Bevölkerung leben in Haiti unter der Armutsgrenze, drei Viertel davon in ländlichen Gebieten. Die Existenzgrundlage von knapp 70 Prozent der Bevölkerung ist die Landwirtschaft, welche aber nur 27 Prozent des Bruttoinlandprodukts des Landes darstellt. Die nationale Produktion deckt nur gerade 50 Prozent der Nahrungsbedürfnisse ab, die andere Hälfte muss importiert werden. Die Ernährungssicherheit hat sich durch das Erdbeben von 2010 sowie zahlreiche Wirbelstürme wie etwa Matthew im Oktober 2016 weiter verschlechtert. Die landwirtschaftliche Produktion ist nicht profitabel, was Investitionen in diesen Sektor verhindert. Als Folge steigen die Nahrungsmittelpreise.

Haiti, das einst von üppigen Wäldern bedeckt war, leidet unter einer starken Abholzung. Diese hat insbesondere in den letzten 50 Jahren stark zugenommen, wodurch heute nur noch 2 Prozent der Fläche bewaldet ist. Die Abholzung der Wälder hat gravierende Folgen für die Umwelt: Bodenerosion, instabile Berghänge und Hangrutschungen sowie Murgänge und Überschwemmungen sind Folgen mit verheerenden Konsequenzen für die Landwirtschaft. Wiederaufforstung ist dringend notwendig, denn die Bodenqualität verschlechtert sich zunehmend und oft sind die Bauern gezwungen, die letzten Bäume zu fällen und als Bauholz oder zur Kohleproduktion zu verkaufen.

In den Einzugsgebieten von Carrefour und Léogâne wird die Abholzung von Waldflächen primär durch den Bedarf an Kohle und Feuerholz für die Zubereitung von Nahrung von einkommensschwachen Familien hervorgerufen. Dies verstärkt die negativen Effekte der Klimaveränderung. Von den vier Millionen Tonnen Holz, welches pro Jahr in Haiti wächst, werden 35 Prozent in Holzkohle umgewandelt. Diese wird hauptsächlich von armen Familien in städtischen Gebieten konsumiert, da es sich bei der Holzkohle um den günstigsten Energieträger für die Zubereitung von Nahrung handelt. Die ländlichen Haushalte brauchen pro Jahr zwei Tonnen Feuerholz. Bisherige Kampagnen zur Wiederaufforstung vermögen nur die Hälfte der jährlichen Verluste zu decken.

In dieser Situation ist es zwingend nötig, dass in Haiti realistische Alternativen entwickelt werden, die der lokalen Bevölkerung die Perspektive für eine nachhaltige Entwicklung ermöglichen.

 

Was tun wir?

Das Projekt fördert in Léogâne und Carrefour die Nutzung nachhaltiger Energie durch die Herstellung, Vermarktung und den Verkauf von sogenannten Pyrolysekochern. Dies vermindert die negativen Effekte der Klimaveränderung. Weiter werden neue Einkommensmöglichkeiten generiert und gleichzeitig der nachhaltige Anbau in der Landwirtschaft gefördert.  In Léogâne und Carrefour ist eine Wiederaufforstung aufgrund der starken Abholzung und der damit verbundenen Bodenerosion von grosser Priorität, weshalb die Gemeinden auch direkt in der Wiederaufforstung lokaler Wälder unterstützt werden.

Das Projekt fördert das Kochen mit landwirtschaftlich organischen Abfällen mittels sogenannter Pyrolysekochern. Damit steht armen Haushalten eine Alternative zum Gebrauch von Holzkohle zu Verfügung, für deren Produktion ansonsten verbleibende Waldbestände weiter abgeholzt werden müssten. Gegenüber der herkömmlichen Energiegewinnung durch Verbrennung produziert die Pyrolyse (Verbrennung fast ohne Sauerstoff) weniger Rauch und Schadstoffe.

Um eine warme Mahlzeit zuzubereiten, kommen trockene Blätter und Ernterückstände statt Holzkohle zum Einsatz. Die Biokohle, welche als Pyrolyserückstand entsteht, kann zur Bodenverbesserung eingesetzt werden. Mit Kompost angereicherte Pflanzenkohle, die in den Boden eingearbeitet wird, steigert die Bodenfruchtbarkeit, wirkt als einfacher CO2-Speicher und leistet damit einen aktiven Beitrag zur Klimaschonung.

Des Weiteren lanciert das Projekt die Etablierung einer Werkstätte, in welcher energieeffiziente Pyrolysekocher und Pellets aus organischen Abfällen hergestellt werden. Eine Gruppe von Unternehmern und Lehrlingen werden in der Produktion und in der Unternehmensführung ausgebildet und in ihrem Unterfangen begleitet, den Markt für Pellets in städtischen Zonen zu vergrössern. Auf dem Land wird der Akzent auf den Gebrauch von lokal vorhandenen organischen Abfällen gelegt.

Wiederaufforstungskampagnen in Haiti werden bisher weder systematisch durchgeführt, noch sind sie nachhaltig finanziert. Aus diesem Grund unterstützt das Projekt die Kommunalverwaltungen in ihrem Vorhaben, Wiederaufforstungspläne zu erstellen. Diese Pläne werden dann dank einem nachhaltigen Zahlungssystem für Umweltdienstleistungen realisiert. Die Finanzierung wird durch eine geringfügige Erhöhung des Preises von zum Kauf angebotenen Pellets erreicht. Parallel dazu wird eine Sensibilisierungskampagne durchgeführt, um die Bevölkerung über die Problematik der Klimaveränderung zu informieren.

Um trotz Klimawandel eine stabile landwirtschaftliche Produktion zu garantieren, wird die Agroforstwirtschaft mittels Austauschbesuchen zwischen den beiden beteiligten Regionen und direkter Begleitung durch Experten gefördert. Biokohle (Biochar), die als Abfallprodukt vorliegt, wird für die Düngung der Küchengärten verwendet. Die Kleinbauern werden mittels der Demonstration vergleichender Versuche in Küchengärten für diese Technik sensibilisiert.

 

This document has been produced with the financial assistance of the European Union. The contents of this document are the sole responsibility of Caritas Switzerland and can under no circumstances be regarded as reflecting the position of the European Union.

 

 

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