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Brasilien

Anpassung an den Klimawandel durch Agroforstsysteme und Grauwasserrecycling

In der Projektregion im Sertão do Pajeú und Sertão do Araripe, zwei Gebieten in der halbtrockenen Zone Brasiliens, leben die meisten Menschen von der kleinbäuerlichen Landschaft. Doch massive Abholzung, Überweidung und der Klimawandel haben dazu geführt, dass die Böden immer mehr erodieren und verwüsten. Es fehlt an Wasser. Dieses Projekt führt eine Technologie ein, mit der Bauernfamilien wenig verschmutztes Haushaltsabwasser, sogenanntes Grauwasser, sammeln, aufbereiten und wiederverwenden können. Gleichzeitig leitet sie die Familien an, Landnutzungssysteme anzulegen, welche Treibhausgase reduzieren und die Wüstenbildung verlangsamen.

 

Land / Region / Ort
Brasilien / Bundesstaat Pernambuco


Zielgruppe
100 vulnerable Bauernfamilien (500 Personen) des Semiarido im Nordosten


Mittelbedarf
485'016 Franken


Projektdauer
01.01.2018 bis 30.06.2019


Projektnummer
P180018


Projektziel
Die Lebensbedingungen von Kleinbauernfamilien werden durch die Verminderung der Risikoanfälligkeit und Erhöhung der Resilienz hinsichtlich Klimawandel und Desertifikation verbessert und die Zivilgesellschaft gestärkt.


Projektverantwortliche
Esther Belliger, Tel: 041 419 24 41; ebelligerto make life hard for spam bots@to make life hard for spam botscaritasto make life hard for spam bots.ch


Abteilung
Afrika / Lateinamerika

 
 

Worum geht es?

Nach Jahren des Wirtschaftsbooms befindet sich Brasilien seit 2011 in einer schweren wirtschaftlichen und politischen Krise. Dies spiegelt sich im durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommen, welches zwischen 2011 und 2016 von rund 13‘200 um über 30 Prozent auf noch knapp 8‘700 US-Dollar gesunken ist. Zwar konnte seit 1990 der Anteil der Brasilianer und Brasilianerinnen, die in absoluter Armut leben, wesentlich reduziert werden, und die brasilianischen Sozialprogramme gelten international als beispielhaft. Diese und weitere soziale Errungenschaften sind indes wegen der sich verschlechternden wirtschaftlichen Situation akut gefährdet.

Trotz aller Errungenschaften und Fortschritte der vergangenen Jahrzehnte bestehen in Brasilien nach wie vor gewaltige soziale und regionale Ungleichheiten und Defizite zwischen einzelnen Regionen und Bevölkerungsgruppen. So sind im Nordosten, dem sogenannten Armenhaus des Landes, wo das Projekt angesiedelt ist, gewisse Sozialindikatoren auf dem Niveau von Ländern Subsahara-Afrikas. Die Region ist geprägt von einer rückständigen kleinbäuerlichen Landwirtschaft, riesigen Latifundien, wenig Industrie und einer in vielen ländlichen Gemeinden fehlenden staatlichen Präsenz. Der Anteil der Armen an der Gesamtbevölkerung ist mit 45 Prozent extrem hoch.

Das vorliegende Projekt konzentriert sich auf das von einem heissen und trockenen Klima geprägten Sertão do Pajeú und Sertão do Araripe im Bundesstaat Pernambuco. Diese Regionen zählen zu den halbtrockenen Zonen Brasiliens, dem sogenannten semiárido. Die Regenfälle konzentrieren sich auf lediglich drei bis fünf Monate im Jahr und treten in diesem Zeitraum nur unregelmässig auf. Der Druck auf die Böden und Wasserreserven hat durch die massive Abholzung für Industrie und Feuerholz, Überweidung und Klimawandel in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen. Bodenerosion und eine damit einhergehende fortschreitende Verwüstung (Desertifikation) sind die Folgen.

Die Bevölkerung der Projektregion lebt hauptsächlich von der kleinbäuerlichen Landwirtschaft. Sie baut Mais, Bohnen und Maniok im Regenfeldbau an, wovon ein kleiner Teil auf den lokalen Märkten verkauft wird. Mehr als die Hälfte der Familien hat kein fliessendes Wasser. Sie beziehen ihr Trinkwasser und Wasser für den persönlichen Bedarf entweder aus dem gesammelten Regenwasser einer Zisterne oder kaufen es von einem Trinkwasserlaster, der jedoch bei weitem nicht alle der abgelegenen Gemeinden beliefert. Die Gesundheitsversorgung in den Dörfern ist prekär und die Bauernfamilien haben im Wesentlichen nur Zugang zu dörflichen Gesundheitshelfern. Das Bildungsniveau ist tief, rund 28 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner über 15 Jahren sind Analphabeten.

Das Hauptproblem der Region ist der Wassermangel. Die entsprechende Infrastruktur (Zisternen, Wasserpumpen, Rückhaltebecken) ist ungenügend und nicht immer den Verhältnissen angepasst. Die Bauernfamilien verfügen in der Regel nicht über ausreichend Wasser für den häuslichen Bedarf und die Bewässerung ihrer Felder. Aus diesem Grund braucht es zusätzliche Investitionen in die Wasserinfrastruktur und ein Weiterbildungsangebot für die Bauernfamilien, um die Nahrungsmittel- und Futterpflanzenproduktion zu erhöhen und ihr Einkommen zu verbessern. 

 

Was tun wir?

Die beiden Partnerorganisationen, Caatinga und Sabiá, welche dieses Vorhaben gemeinsam durchführen, haben nahezu drei Jahrzehnte Erfahrung in der Zusammenarbeit mit vulnerablen Bauernfamilien im semiariden Lebensraum. Beide Organisationen waren mehrmals erfolgreich in der Umsetzung von Lobbying-Aktionen und verfügen über grosse Erfahrung bei der Durchführung von innovativen Wasserprojekten.

Im vorliegenden Projekt werden die Lebensbedingungen von 100 Kleinbauernfamilien (rund 500 Personen) im semiariden Lebensraum verbessert. Die begünstigen Bauernfamilien besitzen in der Regel kleine Grundstücke zwischen einem und zwanzig Hektaren. Auf Grund ihres geringen Einkommens erhalten jedoch die meisten eine finanzielle Unterstützung durch das staatliche Sozialprogramm «Bolsa Familia». Durch die Einführung von Agroforstsystemen und Technologien zum Aufbereiten von Haushaltsabwasser wird die Wasserverfügbarkeit erhöht und die landwirtschaftliche Produktion gesteigert.

Eine Komponente des Vorhabens ist die Einführung einer Technologie zum Sammeln und Aufbereiten von Grauwasser, das heisst von gering verschmutztem Haushaltsabwasser. Dabei wird in Zusammenarbeit mit den beteiligten Bauernfamilien in jedem der 100 Haushalte eine Anlage installiert, die aus einem vierstufigen biologischen Filter, einer Zisterne zur Sammlung des aufbereiteten Grauwassers sowie einem einfachen Bewässerungssystem besteht. Die Anlage reicht für die tägliche Aufbereitung von bis zu 500 Litern Grauwasser. Die Familien nutzen das rezyklierte Wasser für die Produktion von Gemüse, Früchten, Grünfutter und Heilpflanzen. Auf diese Weise verbessern sie ihre Ernährung und sind in der Lage kleinere Überschüsse zu erwirtschaften, die sie auf dem lokalen Markt verkaufen und damit ihr Einkommen aufbessern.

Gleichzeitig leitet das Projektteam die Kleinbauernfamilien dazu an, sogenannte Agroforstsysteme anzulegen – Landnutzungssysteme, bei denen auf der gleichen Fläche Ackerkulturen mit Bäumen und/oder Tierhaltung kombiniert werden. Untersuchungen haben gezeigt, dass diese Systeme die Fähigkeit haben, grössere Mengen Kohlendioxid zu binden und somit zur Reduktion von Treibhausgasen beitragen. Darüber hinaus führen Agroforstsysteme zu einer Verstärkung und Verdichtung der Flora, wodurch eine Verlangsamung der Wüstenbildung bewirkt wird. Dadurch können die Produktionsgrundlagen der Kleinbauernfamilien langfristig erhalten werden.

Das Projekt beschränkt sich jedoch nicht ausschliesslich auf die direkte Unterstützung der Bauernfamilien. Ein weiterer Fokus der beiden Partnerorganisationen ist die Beeinflussung der staatlichen Politik für semiaride Gebiete. In gezielten Veranstaltungen sollen Vertreterinnen und Vertreter staatlicher Behörden für den Mehrwert und die Verbreitung der sozialen Technologien gewonnen werden, damit diese Eingang in öffentliche Politiken finden. Darüber hinaus sind Caatinga und Sabiá in regionalen, nationalen und internationalen zivilgesellschaftlichen Netzwerken aktiv, um die Herausforderungen des semiariden Lebensraums, Massnahmen zur Desertifikationsbekämpfung und zur Anpassung an den Klimawandel sowohl in Brasilien als auch in Lateinamerika zu verbreiten. Zu diesem Zweck produzieren sie Informationsbroschüren sowie Radio- und Social Media-Programme, in denen die Problematik der Region und die im angewandten Lösungsansätze publiziert werden.

 

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