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Italien

Hilfe für Flüchtlinge in Como

Im Sommer 2016 lebten Hunderte Migrantinnen und Migranten auf den öffentlichen Plätzen im italienischen Como. Damit sich diese Situation nicht wiederholt, bereitet sich die Stadt für ihre Aufnahme vor. Woche für Woche kommen Dutzende neue Flüchtlinge in Como an. Caritas Schweiz leistet Hilfe. 

 

Im Sommer 2017 ist die Situation in Como besser unter Kontrolle als im Sommer 2016. Die für die Flüchtlinge zuständigen Behörden in der Provinz und der Stadt Como koordinieren ihre Arbeit, um zu verhindern, dass die Flüchtlinge wieder wie im Sommer 2016 den Stadtpark gegenüber dem Hauptbahnhof belagern.

«Es handelt sich um eine strukturelle Realität der internationalen Migration», sagt  der Direktor von Caritas Como, Roberto Bernasconi. «Wir sind besser vorbereitet als letztes Jahr, aber wir suchen kontinuierlich weiter nach neuen Wohnungen.»

Denn der Druck steigt von Woche zu Woche. Ende Mai 2017 befanden sich in der Provinz Como offiziell 1735 Flüchtlinge, demgegenüber stehen 1303 im Juni 2016. Mittelfristig rechnet die Präfektur auf Basis von 2100 Migranten. Gemäss der offiziellen Formel – 2,5 Migrantinnen und Migranten auf 1000 Einwohnerinnen und Einwohner – dürfte die Stadt Como nicht mehr als 1897 Flüchtlinge aufnehmen. Doch bereits heute sind es 2000. Die Zahl von 2100 wird nur allzu schnell überschritten sein. Zudem gibt es ein Verteilproblem: Weniger als eine von fünf Gemeinden in der Provinz ist bereit Migranten aufzunehmen. Ausserdem muss man immer davon ausgehen, dass die tatsächliche Zahl Flüchtlinge 10 bis 20 Prozent höher liegt als die offiziellen Zahlen. Denn es gibt Migranten, die nach ihrer waghalsigen Durchquerung des Mittelmeeres nicht mit dem offiziellen vom Staat organisierten Konvoi aus dem Süden einreisten, sondern die offizielle Reiseroute meiden, um ihr Glück auf anderen Wegen zu versuchen.

2016 schien es noch wenig aussichtsreich, sein Asylgesuch in Italien zu stellen. Fast alle Flüchtlinge planten, in den Norden weiterzureisen. Doch aufgrund der inzwischen eingetretenen Verschärfung der Asylgesetzgebung in Deutschland, Frankreich, Österreich und der Schweiz könnten heute mehr Flüchtlinge den Versuch wagen, ihr Asylgesuch in Italien zu stellen. Ohne Garantie. 

 

Eindrücke aus Como

 

Die Lagerkapazität stösst an ihre Grenzen

Im Flüchtlingscamp, das die Regierung im Sommer 2016 zur Räumung des Stadtparks am Bahnhof in Como eingerichtet hatte, drängen sich bereits mehr als 300 Flüchtlinge. Bei 400 Menschen stösst das Lager an seine Grenzen, die Lebensbedingungen sind dann noch schwieriger. In diesem Jahr leben deutlich weniger junge Eritreer und Äthiopier im Lager. Es gibt deutlich mehr Familien als im Vorjahr, auch wenn nach wie vor junge Männer mehr als zwei Drittel der Lagerbewohnerinnen und -bewohner ausmachen. Die meisten stammen aus Nigeria, Guinea, Somalia und der Elfenbeinküste. 54 unbegleitete Minderjährige leben derzeit im Camp. In der gesamten Stadt – so die Schätzungen der Behörden – sind von insgesamt 1000 registrierten Migrantinnen und Migranten mehr als 100 unbegleitete Minderjährige. Caritas Como bemüht sich mit Hilfe der Pfarreien und Privatpersonen so schnell als möglich Wohnungen für die Familien zu finden, damit sie das Camp verlassen können.

Mehr als 200 Menschen werden derzeit von Caritas Como betreut (Unterkunft, medizinische Versorgung, Sprachkurse, Informationen über das Asylverfahren und ihre Rechte usw.). Ein Teil der Flüchtlinge erhält von der Regierung täglich pro Tag und Person 35 Euro. Doch es gibt auch viele Menschen in besonders schwierigen Situationen, «Illegale», junge Menschen, die immer wieder an der Schweizer Grenze bei Chiasso ihr Glück versuchen. Sie erhalten lediglich von Caritas Unterstützung dank der lokalen Spenden und der Hilfe von Pfarreien und Caritas Schweiz.

Risiko auf die schiefe Bahn zu geraten

Um Geld zu verdienen scheint manchen Jugendlichen der Drogenhandel oder die Prostitution der einzige Ausweg. Roberto Bernasconi macht sich grosse Sorgen, dass die jungen Leute in die Kriminalität abgleiten. Er setzt alle Hebel in Bewegung, um sie wieder auf den richtigen Weg zu bringen, sie eng zu begleiten und ihnen klar zu machen, dass es andere Lösungen für ihre Situation gibt. 

Caritas Schweiz unterstützt die Arbeit von Caritas Como mit einem Betrag von 25‘000 Franken, der noch steigen könnte. So leisten wir einen Beitrag zur Not- und Überlebenshilfe für die Flüchtlinge in Como.

 
 

   

 

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