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Schule in Not im Libanon

Weit über eine Million Menschen sind vor dem Krieg in Syrien in das kleine Nachbarland Libanon geflüchtet. Dort ist heute fast jedes zweite Kind im schulpflichtigen Alter Flüchtling.

Auch wenn bereits etwa die Hälfte aller schulpflichtigen Flüchtlingskinder in den regulären Unterricht integriert wurde, sind die öffentlichen Schulen im Libanon mit dem Zuwachs an Schülern überfordert. Die Unterrichtsqualität leidet, und besonders schwächere Schüler können dem Frontalunterricht mit seinem anspruchsvollen und mehrsprachigen Curriculum häufig schlecht folgen. Erschwerend ist bei der erfolgreichen Integration, dass viele Schüler in sehr schwierigen und häufig bildungsfernen Verhältnissen leben. Häufig gingen sie bereits längere Zeit nicht zur Schule. Auch libanesische Kinder sind zunehmen betroffen, denn in Folge der Syrienkrise leben auch immer mehr libanesische Kinder in sozial benachteiligten Verhältnissen. Die Schulabbruchraten erreichen mittlerweile Rekordwerte.

Auf dem Rücken der Lehrer?

Wie können Lehrer dieser Herkulesaufgabe begegnen? Wie können sie in heterogenen Schulklassen den individuellen Bedürfnissen der Schüler gerecht werden, ihnen Selbstbewusstsein, Verständigungsbereitschaft, Selbstverantwortung, Urteilsfähigkeit und Freude am Lernen und an guter Leistung vermitteln?

Das Caritas-Schulprojekt im Libanon

Unser Schulprojekt im Libanon verbessert die Unterrichtsqualität und das Lernumfeld, damit benachteiligte syrische und libanesische Kinder den Schulalltag erfolgreicher meistern können. Dazu werden Lehrer von Fachkräften geschult und aktiv dabei begleitet, neue pädagogische und didaktische Kompetenzen umzusetzen, um ihre Schüler angemessener fördern zu können. Auch Schulleitung, Eltern und Sozialarbeiter werden mit einbezogen.

Schulbesuch in Broumana

Bei unserem letzten Besuch einer Grundschule in Broumana treffen sich gerade Lehrer zum regelmässigen Coaching mit ihren Fortbildern. Chantal, Lehrerin der Vorschulklasse, berichtet: «Schüler brauchen ein sicheres Lernumfeld. Nach der Fortbildung habe ich meinen Unterricht umorganisiert, der Ablauf ist nun vorhersehbar und konsistent. Die Atmosphäre im Unterricht ist viel besser, die Schüler sind nun mit Eifer und Vertrauen bei der Sache, verstehen meine Anleitungen viel besser und lernen auch eigenständig Aufgaben zu lösen. Das lässt mir mehr Zeit, um mich jenen Schülern zu widmen, die sich mit den Lerninhalten besonders schwertun.»

Chantals Kollegin Reine hat nach der Fortbildung ihren Klassenraum ansprechend umgestaltet. Heute nutzen ihre Schüler eine Fülle an Unterrichtsmaterialien für ein anschaulicheres und aktives Lernerlebnis. «Die Aufmerksamkeit meiner Schüler ist heute viel länger. Ich überlasse ihnen auch öfter die Wahl ihrer Aufgaben und Mittel. Das stärkt nicht nur ihre Sicherheit und ihr Selbstwertgefühl, sondern auch ihre Kreativität.»

Als wir bereits die Schule verlassen, holt uns Reine noch einmal ein: «Wir sind wirklich froh um Ihre Unterstützung. Dank der Fortbildung und aktiven Begleitung können wir unsere Arbeit besser bewältigen. Und wir sind glücklich, dass so manches Kind das wir früher für nicht schulfähig hielten, heute erfolgreich in die Klasse integriert ist. Mein Klassenzimmer ist heute ein glücklicherer Ort.»

 

Text: Karen Roberts, Caritas-Bildungsdelegierte im Libanon
Bild oben: Lehrerfortbildung im Juni 2017. (c) Ana Aqra Association
Bild unten: Viel Freude bei der Sache – Kinder werden in ihrer Entwicklung gefördert und können für ein paar Stunden der schwierigen Lebenssituation entfliehen. (c) Caritas Schweiz

 

 

 

 

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