«Endlich haben wir warmes Wasser»

Bittere Kälte, Schimmel, drohende Wohnungskündigungen: Viele syrische Geflüchtete müssen in Jordanien in prekärsten Unterkünften überleben. Auch die Familie von Samira al-Hussain hatte lange Zeit weder warmes Wasser noch dichte Fenster in ihrer Wohnung – und sie kannte ihre Rechte als Mieterin nicht gut. Die Caritas unterstützt sie.

Samira al-Hussain* ist 42 Jahre alt, alleinerziehend, und mit ihren fünf Kindern vor sieben Jahren aus Syrien nach Jordanien geflohen. Die Familie lebt in einer kleinen Mietwohnung in der Kleinstadt Al-Husun im Norden des Landes. Eines der Kinder ist autistisch und benötigt regelmässige medizinische Behandlung. Seit die Familie in Jordanien ist, hat Samira Schulden angehäuft, um Essen, Miete und die notwendigste Medizin zu bezahlen. Unterstützung erhielt sie zeitweise von den Vereinten Nationen und anderen Hilfsorganisationen in Form von Essensgutscheinen.

Inakzeptable Wohnbedingungen

So wie Samira leben über drei Viertel der der syrischen Geflüchteten im ressourcenarmen Jordanien: in gemieteten Unterkünften unterhalb der Armutsgrenze. Der Druck auf dem Wohnungsmarkt  ist gross in dem kleinen Land, das 655’000 registrierte und etwa noch einmal so viele nicht registrierte Syrerinnen und Syrer beherbergt.

Die Wohnungen, in denen Geflüchtete untergebracht sind, haben oft nicht einmal heisses Wasser, Fenster und Türen sind kaputt, Schimmel überzieht die Wände. Im Winter frieren die Menschen, wenn die Heizung nicht funktioniert und die Gebäude nicht isoliert sind. Viele haben keine formellen Mietverträge und somit keinen Mieterschutz. Die Sorge vor Mietpreiserhöhungen und Zwangsräumungen ist daher gross.

Endlich heisses Wasser und ein funktionierendes Waschbecken

Gemeinsam mit Caritas Jordanien verbessert Caritas Schweiz die Unterkünfte von syrischen Geflüchteten und von Armut betroffenen jordanischen Haushalten – auch die von Samira und ihrer Familie: In ihrer Wohnung wurden Türen und Fenster abgedichtet und repariert, Schimmel behandelt sowie ein Boiler und Wasserarmaturen installiert. Samira berichtet: «Uns geht es hier nun viel besser, wir haben endlich heisses Wasser und das Waschbecken funktioniert.» Gerade jetzt, wo sich das Coronavirus auch in Jordanien immer weiter ausbreitet und gute Hygienepraktiken Leben retten können, ist das wichtiger denn je. Durch die Ausbesserungsarbeiten in der Wohnung ist die Familie ausserdem besser vor Niederschlag und Kälte geschützt. So ist ihre Gesundheit weniger in Gefahr.

Caritas Jordanien als lokaler Partner vor Ort

Ein Ingenieurs von Caritas Jordanien, dem langjährigen Projektpartner mit 450 Mitarbeitenden und mehr als 3000 Freiwilligen, besucht die Menschen, begutachtet die Wohnungen und ermittelt den individuellen Bedarf. Die Familien und Vermieter werden dabei eng in die Entscheidungsprozesse zu den Ausbesserungsarbeiten eingebunden. Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter klären die Familien ausserdem über das jordanische Mietrecht auf: «Viele Familien kennen ihre Rechte und Pflichten als Mieter nicht», erzählt ein Projektmitarbeiter von Caritas Jordanien. Mit Unterstützung eines spezialisierten Anwalts werden deshalb auch rechtsgültige Mietverträge zwischen den Mietparteien geschlossen. Damit können die Familien mindestens 12 weitere Monate in den Wohnungen bleiben.

Wann die Geflüchteten Familien zurück in ihre Heimat Syrien gehen können, ist unklar. «Nun sind wir hier zumindest vorerst sicher», sagt Samira.

*Name zum Schutz der Person geändert

Text: Verena Donislreiter, Programmmitarbeiterin Syrienkrise, Caritas Schweiz
Bild (aus Jordanien; zeigt nicht den beschriebenen Fall): Alexandra Wey

 
 

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