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Syrien

Stärkung der vom Krieg betroffenen Bevölkerung in Homs

Caritas hilft vom Krieg betroffenen Familien in Homs, einer der meistzerstörten Städte Syriens, ihre Grundbedürfnisse zu decken. Unterstützt werden Vertriebene, aber auch bedürftige lokale Familien. Die Hilfe wird an die individuelle Situation der Haushalte angepasst und umfasst elektronische Gutscheine für Nahrungsmittel und Hygieneartikel oder auch Beteiligung an den Wohn- und Medizinalkosten. Daneben unterstützt das Projekt 60 Kleinstbetriebe mit Material, Werkzeug und Fortbildungen und fördert so ihren Zugang zu den lokalen Märkten.

 

Land / Region / Ort
Homs, Syrien


Zielgruppe
Intern Vertriebene und lokale Gemeinschaften, die vom Konflikt betroffen sind


Mittelbedarf
577'302 Franken


Projektdauer
01.10.2018 bis 30.09.2019


Projektnummer
P180047


Projektziel
Deckung der humanitären Grundbedürfnisse von mindestens 1'485 Familien, Einkommensförderung von 60 Kleinstbetrieben; Förderung von innovativen Methoden der Humanitären Hilfe (elektronische Gutscheine und Bargeldzahlungen)


Projektverantwortlicher
Richard Asbeck, Tel: 041 419 22 29, rasbeckto make life hard for spam bots@to make life hard for spam botscaritasto make life hard for spam bots.ch


Abteilung
Katastrophenhilfe Ausland

 
 

Worum geht es?

Nach der weitgehenden Niederschlagung des sogenannten Islamischen Staates im Jahr 2017 hat die syrische Regierung im Jahr 2018 mit Hilfe ihrer Verbündeten die Kontrolle auf weite Teile des Landes ausgedehnt. Dies führte zu neuen Vertreibungen, deren Ende noch nicht abzusehen ist. Nach der Niederschlagung von bewaffneten Oppositionsgruppen in Afrin, Ost-Ghouta und Dara’a gelangten in der ersten Jahreshälfte von 2018 zahlreiche neu oder erneut vertriebene Syrerinnen und Syrer in diese drei Regionen. Mit weiteren Vertreibungen und daraus resultierenden Belastungen für die öffentliche Infrastruktur ist bei den anhaltenden Auseinandersetzungen zwischen Regierung und Opposition auch in Zukunft zu rechnen.

Gleichzeitig steigt langsam die Anzahl der Rückkehrenden, die nach der Abnahme von kriegerischer Gewalt behutsam in ihre Heimatstädte und -dörfer zurückkehren. Noch handelt es sich um freiwillig Rückkehrende, welche vor allem innerhalb Syriens vertrieben wurden. Gleichzeitig sinkt zunehmend die Bereitschaft der Nachbarländer, syrische Flüchtlinge in grosser Zahl zu beherbergen. Schon jetzt haben zum Beispiel die internen libanesischen Sicherheitsbehörden mit der Errichtung von Zentren begonnen, die eine Rückkehr syrischer Flüchtlinge forciert.

Viele Intern Vertriebene und Rückkehrer streben in die Stadt Homs. Homs, die drittgrösste Stadt Syriens, war seit Beginn des Konfliktes Austragungsort von heftigen Ge­fechten zwischen den syrischen Regierungstruppen und der Opposition. Heute ist Homs eine der meistzerstörten Städte des Landes. Von den einst 1,4 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern wurde mehr als die Hälfte vertrie­ben oder getötet. Gemäss Schätzungen wurden rund 83% der Gebäude mindestens teilweise zerstört. Diejenigen Familien, welche nach dem Ende der Kämpfe in die Altstadt zurückgekehrt sind, haben alles verloren und leben unter schwierigsten Bedingungen in grosser Armut. Inmitten der Ruinen haben kleine Läden wieder geöffnet. Aber die ökonomische Krise verhindert die Rückkehr zur Normalität.

Unter dieser Perspektive bleibt Humanitäre Hilfe unabdingbar - die Lage bleibt in allen Sektoren prekär. Nach aktuellen Schätzungen sind 43 Prozent der Bevölkerung von Homs auf Nahrungsmittelunterstützung angewiesen und 63 Prozent der Haushalte in Homs haben grösste Mühe, monatliche Miete zu zahlen. Zudem leiden rund drei Viertel der Kinder unter fünf Jahren an Atemwegserkrankungen. Drei Viertel der Schwangeren ereilen schwangerschaftsbedingte Leiden. Die Versorgung mit Seife und Hygieneartikel ist für Haushalte kaum zu leisten. Sinkende Ersparnisse und ein Mangel an Arbeitseinkommen erschweren die selbständige Deckung von Grundbedürfnissen und verstärken negative Strategien wie zum Beispiel Kinderarbeit und eine verringerte Nahrungsaufnahme.

Seit Beginn der Krise hat die Caritas in Syrien humanitäre Hilfe geleistet und die verletzlichsten Bevölke­rungsgruppen unterstützt. Bisher konnte so über 500‘000 vom Konflikt betroffenen Menschen geholfen werden. In Homs plant die Caritas, ihre Projektarbeit in der Nothilfe fortzusetzen und um Elemente der Förderung von Kleinstunternehmen zu ergänzen.

 

Was tun wir?

Seit Anfang der Syrienkrise hat Caritas Schweiz in Zusammenarbeit mit ihren lokalen Partnerorganisationen Nothilfe für syrische Flüchtlinge in den Nachbarländern sowie in Syrien selbst geleistet. In Homs und in den Dörfern der Umgebung hilft die Caritas bedürftigen Familien dabei, ihre Grundbedürfnisse zu decken. Unterstützt werden Intern Vertriebene, aber auch bedürftige lokale Familien.

Darüber hinaus fördert Caritas Schweiz die Kapazität ihrer Schwesterorganisation Caritas Syrien, um durch den Einsatz von innovativen Methoden die Effizienz, Transparenz, Wirkung, aber auch die Zufriedenheit der Begünstigten zu steigern. Dies wird durch den Einsatz von elektronischen Gutscheinen, die über eine moderne, Cloud-basierte Datenplattform administriert werden, erreicht. Hierdurch kann die Hilfsleistung über einen Datenabgleich mit den Zuwendungen anderer Geber abgestimmt werden und eine bessere Wirkung des Mitteleinsatzes entfalten. Zudem erhalten die Begünstigten durch die Nutzung von Gutscheinen mehr Eigenständigkeit beim Konsumentscheid.

Im achten Jahr der Syrienkrise und mit Beginn einer vorsichtigen Rückkehr von Flüchtlingen und Intern Vertriebenen nach Homs passt Caritas Schweiz ihre Intervention an die sich ändernde Lage an und beginnt mit der Förderung von Beschäftigungsmassnahmen. Das vorliegende Projekt wird 60 Kleinstbetriebe mit Material, Werkzeug und Fortbildungen fördern, um ihren Zugang zu lokalen Märkten zu ebnen. Die Auswahl der Betriebe erfolgt aufgrund einer kompetitiven Ausschreibung und nach Darlegung der Geschäftsgrundlage und gemeinsamen Erarbeitung eines Businessplans.

Die zentrale Interventionsebene bleibt in diesem Projekt allerdings die Nothilfe. Die Hilfe wird an die individuelle Situation der Haushalte angepasst und deckt eine grosse Palette an Bedürfnissen.

  • Die Grundbedürfnisse von 1'545 Haushalten werden für die Dauer eines Jahres durch elektronische Gutscheine für Nahrungsmittel und Hygiene-Artikel gesichert. Diese Gutscheine werden von ausgewählten Geschäften angenommen und decken einen relevanten Beitrag der Grundbedürfnisse der Familien. Sie werden in regelmässigen Abständen über Smartcards (Geldkarten) verteilt. So können die Familien selbst auswählen, welche Lebensmittel sie brauchen und kaufen möchten.
  • Aufgrund der massiven Zerstörung ist adäquater und bezahlbarer Wohnraum knapp, teilweise leben die Men­schen auf öffentlichen Plätzen oder in unbenutzten Schulen. Damit sie sich eine geeignete Unterkunft leisten können, werden 200 Familien ein Jahr lang bei der Bezahlung ihrer Wohnkosten unter­stützt.
  • 1'045 Haushalte mit kranken oder verletzten Familienmitgliedern erhalten Unterstützung bei der Begleichung ihrer Behandlungskosten. Die Behandlungskosten werden nach Prüfung und Einschätzung der Bedürftigkeit direkt den behandelnden Krankenhäusern erstattet.

Mit ihren Aktivitäten will die Caritas dazu beitragen, die Lebensbedingungen von besonders bedürftigen Familien in Homs und in der Umgebung zu verbessern. Erfahrene Sozialhelferinnen und -helfer erreichen die bedürftigsten Familien durch Öffentlichkeitsarbeit in der Stadt und den umliegenden Gemeinden, empfangen sie im Caritas-Zentrum und eruieren die individuellen Bedürfnisse. Dadurch wird sichergestellt, dass sie genau die Hilfe empfangen, die sie benötigen. Die Zerstörung, die instabile Sicherheitslage und die Schwierigkeit, in andere Stadtteile zu gelangen, machen die Arbeit für die Caritas in Homs schwierig und heraus­for­dernd. Ein wichtiger Teil des Projekts ist deswegen für Caritas Schweiz, die lokale Caritas durch gezielte Förderung und Trainingsmassnahmen zu unterstützen und zu stärken.

 

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