Syrien

Schutz und Bildung für besonders vom Konflikt betroffene Kinder in Ost-Ghouta

Kinder leiden in ganz Syrien besonders unter dem über neun Jahre dauernden Konflikt. In der enorm zerstörten Region Ost-Ghouta, östlich von Damaskus, benötigen mehr als eine Million Kinder und Jugendliche umgehende Hilfe. Fast alle Schulen der Region sind versehrt, über ein Drittel teilweise oder vollständig zerstört. Gleichzeitig fehlt es an gut ausgebildeten Lehrpersonen und die Kinder sind oft traumatisiert, was das Lernen weiter erschwert. Die Caritas renoviert zwei Schulen, bietet psychosoziale Betreuung an sowie Lernförderung.

 

Land / Region / Ort
Syrien, Ost-Ghouta


Zielgruppe
1’400 vom Krieg in Syrien betroffene Kinder, deren Eltern sowie Lehrpersonal (327 Personen)


Mittelbedarf
219'894 Schweizer Franken


Projektdauer
01.04.2020 bis 31.08.2021 


Projektnummer
P200005


Projektziel
Das Projekt leistet einen Beitrag zum Schutz von Kindern in besonders vom Konflikt betroffenen Gemeinden in Ost-Ghouta und bietet ihnen Zugang zu sicheren, angemessenen und qualitativ hochwertigen Bildungsmöglichkeiten.


Projektverantwortlicher
Richard Asbeck, Tel: 041 419 22 29, rasbecknot shown@caritasto make life hard for spam bots.ch

 
 

Worum geht es?

Die Region Ost-Ghouta war im ersten Quartal 2018 besonders von der Eskalation der Kämpfe des Bürgerkriegs in Syrien betroffen, was ihr den Titel «Hölle auf Erden» einbrachte und katastrophale Konsequenzen für die dortige Zivilbevölkerung mit sich brachte. Laut den Vereinten Nationen war Anfang des Jahres 2019 fast die gesamte Bevölkerung in Ost-Ghouta auf humanitäre Hilfe angewiesen.

In ganz Syrien leiden Kinder mitunter am meisten unter dem nun beinahe zehn Jahre andauernden Bürgerkrieg. Sie sind dringend schutzbedürftig und benötigen Zugang zu Bildungsmöglichkeiten und psychosozialer Unterstützung. Das syrische Bildungssystem, das vor dem Krieg recht weit entwickelt war und Einschulungsraten von mehr als 90% aufwies, liegt heute brach. Mehr als zwei Millionen Kinder gehen nicht zur Schule und weitere 1,3 Millionen laufen Gefahr, die Schule frühzeitig ohne Schulabschluss abzubrechen. Zahlen der Vereinten Nationen sprechen davon, dass insgesamt mehr als sechs Millionen Kinder dringend auf Unterstützung im Bildungsbereich angewiesen sind. Allein in der Projektregion Ost-Ghouta benötigen mehr als eine Million Kinder und Jugendliche umgehend Hilfe.

Dort wurden während der Eskalation der Kämpfe über ein Drittel der Schulgebäude und Klassenzimmer vollständig oder teilweise zerstört. Nur etwa 2% aller Schulen in der Region blieben gänzlich unberührt von den verheerenden Kampfhandlungen. Mehr als die Hälfte aller Kinder fühlte sich demzufolge in den Schulen nicht mehr sicher. Klassenzimmer sind gänzlich unbrauchbar da sie unmöbliert, von Einschusslöchern geprägt sind oder keine Fensterscheiben haben. Viele Eltern schicken ihre Kinder aus diesen Gründen nicht mehr in den Unterricht.

Andere Faktoren wie Kinderarbeit, häusliche Gewalt oder Frühheirat setzen Kinder grossen Risiken aus und tragen ausserdem häufig zum vorzeitigen Schulabbruch bei. Äusserst problematisch ist weiterhin der Mangel an qualifiziertem Lehrpersonal: Schätzungen zufolge fehlen in Syrien derzeit 140'000 ausgebildete Lehrkräfte. Selbst diejenigen mit Ausbildung stehen vor enormen Herausforderungen: Fehlende Unterrichtsmaterialien sowie die signifikanten Bedürfnisse von Kindern in Hinblick auf psychosoziale Unterstützung erschweren das Unterrichten sehr. Eine Vielzahl an Kindern hat durch Krieg und Vertreibung Traumatisches erlebt und weist Anzeichen von Depressionen und Angstzuständen auf. Diese können ohne professionelle Unterstützung meist nur schwer verarbeitet werden.

 

Was tun wir?

Caritas Schweiz geht diese Herausforderungen in Hinblick auf Zugang zu und Qualität von Schutz und Bildung gemeinsam mit Caritas Österreich im Rahmen einer Partnerschaft für Bildungsaktivitäten in Krisenregionen im Nahen Osten (Caritas PEER) an. In Zusammenarbeit mit der lokalen Partnerorganisation Caritas Syrien werden drei Ziele verfolgt:

Zum ersten wird 800 Kindern der Zugang zu Bildung in öffentlichen Schulen ermöglicht und erleichtert. Dies wird insbesondere durch die Renovierung von Klassenzimmern und Hygieneeinrichtungen zweier Schulen in der Projektregion erreicht, in welchen ebenfalls Betreuungsangebote durchgeführt werden. Dadurch soll einer der Hauptbarrieren des Schulbesuchs, nämlich der mangelhaften Infrastruktur, entgegengewirkt werden.

Zweitens führt die Caritas in den beiden neu renovierten Schulen psychosoziale Betreuungs- und Lernförderprogramme durch. Sie sollen das psychosoziale Wohlbefinden von Kindern verbessern, die Risiken von vorzeitigem Schulabbruch verhindern und und die schulischen Leistungen fördern. Zehn Lehrpersonen dieser Schulen werden von Caritas-Mitarbeitenden geschult und kontinuierlich unterstützt, damit sie anhand eines speziell entworfenen Curriculums Förderunterricht erteilen können. Während eines Schuljahres können somit 200 Kinder an fünf Tagen pro Woche spezielle Förderstunden besuchen, was ihre künftige Teilnahme am regulären Schulunterricht erleichtern soll.

In Abstimmung mit den lokalen Schulbehörden wird ein regelmässig stattfindendes psychosoziales Betreuungsprogramm zudem in den Lehrplan der beiden Schulen integriert. Bis zu 400 Kinder können an dem eigens entwickelten Programm teilnehmen, welches von speziell geschulten Psychologinnen und Psychologen sowie Mitarbeitenden von Caritas Syrien durchgeführt wird. Eltern, Lehrpersonen, Sozialarbeitende und andere Mitglieder der Schulgemeinschaft werden im Vorfeld für die psychosozialen Bedürfnisse der Kinder sensibilisiert. Zusätzlich ermöglicht das Projekt in einem von Caritas Syrien unterhaltenen Sozialzentrum, welches als sicherer und kinderfreundlicher Ort angelegt ist, individuelle psychosoziale Betreuungsangebote sowie Gruppentherapiestunden. Besonders schutzbedürftige Kinder werden ausserdem an andere Stellen überwiesen.

Schliesslich zielt das Projekt darauf ab, die Kapazitäten von 17 lokalen Caritas-Mitarbeitenden im Hinblick auf Kinderschutz und die psychische Betreuung traumatisierter Kinder zu stärken. Vor Projektbeginn werden gemeinsam mit Caritas Syrien sowie qualifizierten Bildungsexpert/innen und Psycholog/innen spezifische Curricula und Programme für Lernförderung und psychische Betreuung erarbeitet. Mitarbeitende werden anhand dieser Programme geschult. Auch werden konkrete Mechanismen und Prozesse zur Überweisung von Kindern an andere interne und externe Dienstleister erarbeitet und eingeführt werden. Mitarbeiter werden schliesslich in Bezug auf Kinderschutz sensibilisiert.

Im Rahmen dieses Projekts organisiert die Caritas Veranstaltungen, um weitere Mitglieder der Schulgemeinschaft sowie Eltern und Erziehungsberechtigte für die psychosozialen Bedürfnisse sowie die Notwendigkeit von qualitativ hochwertiger Bildung zu sensibilisieren. 

Die Projektaktivitäten werden primär an öffentlichen Schulen durchgeführt, damit syrische Lehrpersonen sowie das öffentliche Schulwesen nachhaltig gestärkt werden. Gleichzeitig soll im Caritas-Zentrum ein Ort mit einer freundlichen Atmosphäre geschaffen werden, wo besonders traumatisierte Kinder die Möglichkeit haben, sich von dem Erlebten zu erholen und etwas «Normalität» zu erleben.

 

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