Libanon

Schutz durch Soforthilfe mit Geldzahlungen

Kein anderes Land weltweit hat pro Kopf mehr Flüchtlinge aufgenommen als der Libanon – eine enorme Belastung für die Menschen und die Wirtschaft. Die Caritas unterstützt die ärmsten libanesischen und syrischen Haushalte mit Bargeldzahlungen, damit sie nach sozioökonomischen oder medizinischen Schocks kurzfristig über die Runden kommen oder Krankenkosten begleichen können. 

 

Land / Region / Ort
Bekaa-Ebene, Libanon


Zielgruppe
1'500 Begünstigte, davon 70 Prozent syrische Flüchtlinge und 30 Prozent vulnerable Libanesinnen und Libanesen


Mittelbedarf
630'934 Schweizer Franken


Projektdauer
01.07.2019 bis 30.06.2020


Projektnummer
P190046


Projektziel
Verbesserung der Resilienz von bedürftigen Flüchtlingen und libanesischen Begünstigten durch temporären sozio-ökonomischen Schutz


Projektverantwortlicher
Richard Asbeck, Tel: 041 419 22 29, rasbecknot shown@caritasto make life hard for spam bots.ch

 
 

Worum geht es?

Nach acht Jahren Krieg in Syrien leben viele syrische Flüchtlinge bereits seit über einem halben Jahrzehnt im Nachbarland Libanon, was die Kapazitäten der Aufnahmegemeinden in dem kleinen Land am Mittelmeer immer weiter erschöpft. Während in Syrien selbst 11.7 Millionen Menschen auf Hilfe angewiesen sind, so sind im Zuge der Krise 5.6 Millionen Syrerinnen und Syrer in Nachbarländer geflohen. Der Libanon trägt dabei mit beinahe einer Million registrierten und zusätzlichen 600'000 nichtregistrierten syrischen Flüchtlinge eine der Hauptlasten und weist weltweit die höchste Anzahl an Flüchtlingen gemessen an der lokalen Bevölkerung auf. Die öffentliche Infrastruktur, vor allem im Gesundheitssektor, stösst immer mehr an ihre Grenzen und ist nicht in der Lage, auf alle Bedürfnisse ausreichend zu reagieren.

Zudem hat die Langwierigkeit der Krise dazu geführt, dass syrische Flüchtlingsfamilien ihre Ressourcen und Ersparnisse aufgebraucht haben. Gleichzeitig gibt es sowohl für syrische Flüchtlinge als auch bedürftige libanesische Familien nicht genug Arbeitsplätze und Möglichkeiten, Einkommen zu erwirtschaften und somit Grundbedürfnisse wie Nahrung, Bildung, medizinische Dienstleistungen und Güter zu kaufen. Landesweit hat mehr als die Hälfte der syrischen Bevölkerung weniger als 2.90 USD pro Tag zur Verfügung. Die Gegend, in der das Projekt durchgeführt wird, ist davon besonders betroffen und weist gar einen Anteil von über 70% auf. Weiterhin lebt beinahe ein Drittel der libanesischen Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze.

Gleichzeitig gehen trotz der immer noch immensen Bedürfnisse die finanziellen Mittel der internationalen Gebergemeinschaft zurück. So musste das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) 2018 Zuschüsse für Krankenhausbehandlungen von Geflüchteten senken und gleichzeitig den Eigenbeitrag der Flüchtlinge erhöhen.

Aufgrund der prekären Lage versuchen viele betroffene Familien, sich mit schädlichen oder riskanten Anpassungsstrategien über Wasser zu halten wie der Reduzierung der Nahrungsmittelausgaben, der Anhäufung von Schulden, der Verringerung der Ausgaben für Bildung und Gesundheit, aber auch Kinderarbeit. Tritt nun ein unvorhergesehenes Ereignis ein, das eine hohe finanzielle Last für die Familie bedeutet oder mit dem Verlust des Lebensunterhaltes verbunden ist, wie z.B. der Tod oder Verlust des Hauptverdieners, Unfälle oder plötzliche Krankheiten, so wird die Situation für viele noch aussichtsloser. Negative Bewältigungsstrategien nehmen häufig zu, was die Familie grossen Risiken aussetzen kann. Auch lebensnotwendige Krankenhausbehandlungen, welche im Libanon häufig sehr teuer sind, stellen für viele eine grosse Schwierigkeit dar. UNHCR deckt nur 75% der Krankenhauskosten – den Eigenbeitrag von 25% können sich viele syrische Flüchtlinge nicht leisten.

Gleichzeitig kämpfen bedürftige libanesische Haushalte häufig mit ähnlichen Problemen: Viele leben unterhalb der Armutsgrenze oder haben lediglich schlecht bezahlte und sehr unsichere Jobs auf dem informellen Arbeitsmarkt.

Da das Sozialsystem im Libanon schwach ist und Flüchtlinge sowie unregelmässig beschäftigte Libanesinnen und Libanesen zum grossen Teil ausschliesst, besteht in vielen Fällen keinerlei Hoffnung auf Unterstützung bei sozioökonomischen Schocksituationen oder medizinischen Notfällen für Flüchtlingsfamilien oder informell beschäftigte bedürftige Libanesinnen und Libanesen.

 

Was tun wir?

Caritas Schweiz hat die beschriebenen Probleme und Gefahren bereits zu Beginn des Jahres 2018 identifiziert und infolgedessen mit ihrer Partnerorganisation Caritas Libanon bereits eine erste Phase dieser Intervention implementiert. Zwischen Juli 2018 und Juni 2019 wurden 2'598 bedürftige syrische Flüchtlinge und vulnerable Libanesinnen und Libanesen mit Soforthilfe in Form von Geldzahlungen unterstützt. Gleichzeitig wurden die Kapazitäten der lokalen Caritasorganisation durch Schulungen von Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern gestärkt und ein neues IT-System eingeführt, um schneller und effizienter Hilfe leisten zu können.

Aufgrund des weiterhin bestehenden Bedarfs und um nahtlos an die Hilfe anzuschliessen, unterstützen Caritas Schweiz und Caritas Libanon in dieser zweiten Phase von Juli 2019 bis Juni 2020 1’500 Menschen, die von sozioökonomischen oder medizinischen Schocks betroffen sind. Folgende Fälle werden dabei berücksichtigt:

  • vorübergehende Arbeitsunfähigkeit aufgrund akuter medizinischer Vorfälle verbunden mit Lohnausfall;
  • Einkommensverluste durch Inhaftierung oder Strafverfolgung bedingt durch den Flüchtlingsstatus;
  • Einkommensverluste durch Diebstahl und/oder Zerstörung von Nutzpflanzen, Vieh, Unterkünften, Werkzeugen oder Gebrauchsgütern;
  • Tod des Ernährers;
  • kürzlich eingetretene Behinderung oder Krankheit;
  • Scheidung, Trennung etc.

Das Projekt besteht dabei aus den folgenden beiden Komponenten:

Einerseits werden 150 Haushalte und somit 750 Personen – darunter 525 Flüchtlinge und 225 Libanesinnen und Libanesen – mit kurzfristigen Geldzahlungen unterstützt, um eine Schocksituation finanziell absorbieren zu können und zu verhindern, dass sie auf negative Bewältigungsmechanismen zurückgreifen und dadurch womöglich noch stärker in die Armutsspirale rutschen. Während eines auf den individuellen Fall festgelegten Zeitraums von 3-6 Monaten erhalten begünstigte Familien Unterstützungszahlungen von 200-300 USD pro Monat, was ihnen ermöglicht, ihre Grundbedürfnisse zu decken. Zur Auswahl der Begünstigten wird die Bedürftigkeit der Familien sowie die individuelle Situation von geschulten Sozialarbeitenden durch Fragebögen und Hausbesuche überprüft. Die kontinuierliche psychosoziale Begleitung durch die Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter von Caritas Libanon soll ausserdem sicherstellen, dass auch nach Ende der finanziellen Unterstützung die Risiken für ein Abrutschen in weitere Armut minimiert werden.

Andererseits reagieren Caritas Schweiz und Caritas Libanon mit dem Projekt auf medizinische Schocks und decken teilweise Krankenhausbehandlungen von 105 bedürftigen syrischen und 45 libanesischen Familien, wovon insgesamt ebenfalls 750 Personen profitieren. Betroffene Personen erhalten einen einmaligen Geldtransfer, um notwendige Eingriffe oder Operationen zu bezahlen, die entweder lebensrettend sind oder dazu beitragen, dass der Patient oder die Patientin wieder arbeiten und so zum Einkommen der Familie beitragen kann. Die Zahlungen werden entweder direkt an Krankenhäuser oder an die Begünstigten überwiesen. Pro Fall werden durchschnittlich 400 USD an Kosten übernommen, wobei der Maximalbetrag für die Unterstützung 1'500 US beträgt. Jeder medizinische Einzelfall wird von Caritas Libanon durch medizinisches Fachpersonal genauestens überprüft, indem vorliegende Dokumente verifiziert und der Kontakt mit dem behandelnden Krankenhaus gesucht wird. Die endgültige Entscheidung bezieht ebenfalls die Bedürftigkeit des Haushalts mit ein sowie die Höhe der Krankenhauskosten, des offenen Betrags und die Verfügbarkeit an Projektmitteln.

Das Projekt wird mit Unterstützung der Kinderhilfe Bethlehem umgesetzt.  

 

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