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Libanon

Benachteiligte syrische und libanesische Kinder erhalten Nachhilfeunterricht

1200 benachteiligte libanesische und aus Syrien geflüchtete Schulkinder, bei welchen das Risiko eines Schulabbruchs besteht, erhalten Hausaufgabenhilfe. So können sie Lücken schliessen und ihre Chancen auf langfristige Lernerfolge verbessern. 72 Lehrerinnen und Lehrer erhalten für den Förderunterricht eine spezifische Ausbildung.

 

Land / Region / Ort
Gouvernements Mount Libanon, Nord-Libanon, Bekaa, Baalbek, und Beirut, Libanon


Zielgruppe
1‘200 benachteiligte syrische und libanesische Schulkinder und 72 Lehrpersonen.


Mittelbedarf
1'996'842 Schweizer Franken


Projektdauer
25.01.2018 bis 25.06.2019


Projektnummer
P180033


Projektziel
Benachteiligte syrische und libanesische Kinder haben Zugang zu qualitativen und inklusiven Bildungsmöglichkeiten durch Nachhilfeunterricht und Aufbau von Kapazitäten für schulbasierte Reformen. 


Projektverantwortlicher
Richard Asbeck, Tel: 041 419 22 29, rasbeckto make life hard for spam bots@to make life hard for spam botscaritasto make life hard for spam bots.ch


Abteilung
Katastrophenhilfe Ausland

 
 

Worum geht es?

Der Konflikt in Syrien dauert bereits acht Jahre und noch immer ist keine politische Lösung in Sicht. Der Krieg hat 11.6 Millionen Syrier und Syrierinnen vertrieben, die Hälfte davon in die Nachbarländer. Diese stehen vor einer immensen Herausforderung und das Ausmass der humanitären Katastrophe stellt eine grosse Belastung dar. Etwa 1.5 Millionen Syrerinnen und Syrer sind in den Libanon geflüchtet. Dies entspricht rund einem Drittel der libanesischen Bevölkerung. Weltweit hat kein anderes Land einen so hohen Flüchtlingsanteil.

Die meisten syrischen Flüchtlinge haben keine Arbeit und ihre Ressourcen zur Selbstversorgung sind aufgebraucht. Aber auch die libanesische Aufnahmegemeinschaft verarmt zusehends. Die Leidtragenden sind die Kinder. Viele Familien können sich einen Schulbesuch nicht leisten und manche Kinder müssen arbeiten, damit die Familie überleben kann. Gehen sie zur Schule, findet das Lernen unter erschwerten Bedingungen statt. Viele Kinder leben in prekären wirtschaftlichen und sozialen Verhältnissen und leiden unter traumatisierenden Erlebnissen. Dies führt verstärkt zu Lernschwierigkeiten und hohen Schulabbruchraten.

Viele Kinder, welche die Schule besuchen, verlassen diese vorzeitig und ohne Abschluss, weil ihnen die dringend benötigte Unterstützung fehlt. Manchmal werden Schulabbrüche sogar von Schulleitungen, Lehrpersonen oder Eltern verstärkt, welche die Kinder entmutigen ihre Bildung fortzusetzen, wenn sie ungenügende Noten haben. Obwohl keine aktuellen Daten vorliegen, ist davon auszugehen, dass etwa 70 Prozent der syrischen Kinder die Schule wieder abbrechen (2011/12, American University Beirut). Unter libanesischen Kindern ist die Schulabbruchrate zwar nicht annähernd so hoch, hat sich aber seit Beginn der Flüchtlingskrise erhöht.

Das libanesische Bildungsministerium hat sich mit einem kürzlich verabschiedeten Fünfjahresplan (RACE II – Reaching All Children with Education) zum Ziel gesetzt, dass bis 2021 alle 450’000 Flüchtlingskinder die öffentliche Schule besuchen. Dies stellt die schon vor dem Krieg angeschlagenen öffentlichen Schulen vor enorme Herausforderungen und ist mit massiver Überforderung und Qualitätseinbrüchen verbunden. Der grösste Druck entlädt sich auf die Lehrerinnen und Lehrer. Aufgrund der knappen vorhandenen Ressourcen wurden Massnahmen wie Schichtunterricht eingeführt, bei welchem morgens mehrheitlich die libanesischen und nachmittags die syrischen Kinder unterrichtet werden. Mancherorts wurden zudem die Klassengrössen um bis das Zweifache erhöht.

Obwohl viele Kinder besondere Lernschwierigkeiten und wegen verpassten Schuljahren einen unterschiedlichen Wissensstand haben, ist der Frontalunterricht im Libanon gängige Praxis. Die meisten syrischen Kinder verstehen jedoch nicht einmal die Unterrichtssprache. In ihrem Heimatland findet der Unterricht nur auf Arabisch statt, während im Libanon mathematische und naturwissenschaftliche Fächer entweder auf Englisch oder Französisch gelehrt werden.

Die häufig unterbezahlten und unzureichend qualifizierten Lehrpersonen sind nicht adäquat ausgebildet, um auf die individuellen Lern- und Förderbedürfnisse der Kinder und ihren unterschiedlichen Bildungsstand einzugehen. Dies schlägt sich zusehends in einer Verschlechterung der Unterrichtsqualität für alle Schulkinder nieder. Alle diese Schwierigkeiten wirken dagegen, dass Kinder und Jugendliche ihrem Alter entsprechende Lernerfolge haben und bis zum erfolgreichen Abschluss an den Schulen gehalten werden können.  

 

Was tun wir?

Das Projekt schliesst Schulkinder und Lehrpersonen gleichermassen ein und wird von der lokalen Partnerorganisation Ana Aqra Assocation (AAA) implementiert. Ziel ist, die Lernfähigkeiten benachteiligter syrischer und libanesischer Kinder, bei denen das Risiko des vorzeitigen Schulabgangs besteht, zu stärken, damit sie erfolgreich am Unterricht teilnehmen und die Schule abschliessen können. Zudem werden pädagogische Fähigkeiten der Lehrpersonen gefördert, welche ihnen ermöglichen, Kinder mit Lernschwierigkeiten nachhaltig zu unterstützen, an der Schule zu behalten und ein sicheres Lernumfeld zu schaffen.

1‘200 benachteiligte libanesische und syrische Schulkinder, bei welchen das Risiko eines Schulabbruchs besteht, erhalten Förderunterricht in Form von Hausaufgabenhilfe. Dadurch werden die Kinder während des regulären Schuljahres unterstützt, damit sie Lücken aufholen, bessere Leistungen und langfristige Lernerfolge erzielen können. Die Hausaufgabenhilfe wird parallel zum regulären Unterricht während zusätzlichen Nachmittagsstunden durchgeführt.

Vor Beginn des Zyklus werden die 12 Projektschulen mit den benötigten Materialien wie Schulbücher, CD-Spieler und Malutensilien ausgestattet. Das Projekt deckt auch die Kosten für den Schultransport und Snacks für die Lernenden.

Parallel dazu werden 72 Lehrpersonen für den Förderunterricht und psychosoziale Unterstützung ausgebildet. Vor Beginn der Hausaufgabenhilfe führen die Trainer von AAA einen dreitägigen Kurs zum spezifischen pädagogischen Ansatz und Curriculum des Förderunterrichts durch. Die Lehrpersonen werden jedoch auch während ihrer Arbeit intensiv von Coaches der Partnerorganisation begleitet und gemäss ihren individuellen Bedürfnissen gefördert. Die psychosoziale Unterstützung ist im Kurs und Coaching integriert. Einerseits werden so die Lehrpersonen darin gestärkt, besser mit ihrem stressigen Alltag umgehen zu können. Andererseits lernen sie, die schwierige Situation vieler benachteiligter Kinder und deren Familien besser zu verstehen und auch im Schulalltag angemessen zu unterstützen.

Schliesslich bilden die Ergebnisse der Aktivitäten eine wichtige Grundlage für das Projekt «Verbesserung der Unterrichtsqualität und Lernumfeld», welches ein Modell für den Nachhilfeunterricht und Lehreraus- und Weiterbildung entwirft und im gesamten Libanon angewendet werden kann. Dieses Projekt wird seit 2016 von AAA implementiert und durch die Caritas Schweiz unterstützt.

 

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