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Kenia

Nothilfe und Massnahmen zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit für die von der Dürre am meisten betroffenen Gemeinden

Marsabit County im Norden Kenias hat in zwei aufeinanderfolgenden Regenzeiten kaum Regen erhalten. Die Mehrheit der Bevölkerung lebt von Naturweidewirtschaft. Nicht selten stirbt das Vieh, auf das die Menschen angewiesen sind. Mit diesem Projekt erhalten Menschen Zugang zu sicherem Trinkwasser. Auch die Tiere erhalten Zugang zu Wasser und zudem zu tierärztlicher Versorgung. Damit sie sich besser auf Dürreperioden vorbereiten können, lernt die lokale Bevölkerung, Umweltrisiken frühzeitig zu erkennen und für Notsituationen zu planen

 

Land/Region/Ort:
Kenia, Laisamis Sub-County (Marsabit County)


Zielgruppe:
22'000 Gemeindemitglieder in 15 Dörfern (7 Gemeinden) erhalten Zugang zu sicherem Wasser und verbessern ihre Hygienepraktiken und 5'800 Haushalte sichern ihren Viehbestand (rund 390'000 Tiere)


Mittelbedarf:
CHF 644'523


Projektdauer:
15.11.2016 - 14.12.2017, 13 Monate


Projektnummer:
P160081


Projektziel:
Die Grundbedürfnisse der von den Folgen von El Niño am meisten betroffenen Gemeinden in Laisamis Sub-County sind gestillt und ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber zukünftigen Dürren gestärkt.


Projektverantwortliche/r:
Noemi Grossen, Tel. 041 419 03 27, ngrossen@caritas.ch


Abteilung:
Afrika / Lateinamerika

 
 

Worum geht es?

Marsabit County liegt im Norden von Kenia und zählt zu den halbtrockenen bis trockenen Gebieten des Landes. Seine Bevölkerung betreibt grösstenteils Naturweidewirtschaft und hat sich an die extremen Wetterbedingungen angepasst. Bei Wasserknappheit ziehen die Familien mit ihrem Vieh umher auf der Suche nach Wasser und Weiden. Durch den Klimawandel sind die Lebensbedingungen für die Bewohnerinnen und Bewohner der Region in den letzten 20 Jahren aber immer wie schwieriger geworden: Die Niederschläge sind in ihrer Stärke und Häufigkeit zunehmend unberechenbar. Dies führt zu sich intensivierenden Trockenperioden und/oder zu lokalen Überschwemmungen. Durch die Trockenheit verdorren die Weideflächen und versiegen die Wasserquellen, während flutartige Regenfälle das Weideland teilweise oder vollständig wegspülen und die Trinkwasserquellen verschmutzen. Nicht selten bedeutet das für die Menschen, dass sie einen Teil ihres Viehs und damit ihrer Lebensgrundlage verlieren. Überweidung und lokale Konflikte verschärfen die Situation.

Auch im Frühjahr 2016 hat Marsabit County weniger als die Hälfte der durchschnittlichen Regenmenge erhalten. Laisamis Sub-County ist am stärksten von der Trockenheit betroffen. Die gegenwärtige Trockenperiode wird verschärft durch das Phänomen des El Niño – einem weltweiten Wetterphänomen, das in unregelmässigen Zyklen zu Dürren und/oder Überflutungen führt. In Marsabit setzte El Niño Ende 2015 ein und führte alsbald zu verminderten Regenfällen. Somit hat die Region in zwei aufeinanderfolgenden Regenzeiten kaum Regen erhalten. Als Folge davon erreichte die akute Unterernährungsrate in Laisamis im Juni 2016 alarmierende 22%. Im gesamten nördlichen Kenia waren im September 2016 mehr als 1.3 Millionen Menschen auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen. Auch für die kommende Regenzeit werden unterdurchschnittliche Regenmengen erwartet. Dies wird voraussichtlich zu einer weiteren Verschlechterung der Ernährungssituation führen und auch das Risiko für die Ausbreitung von Krankheiten erhöhen. Denn der Mangel an sauberem Trinkwasser beeinträchtigt Gesundheit, Hygiene und Körperpflege. Durchfallerkrankungen und Parasiten, aber auch Hautkrankheiten sind während Dürreperioden bei Mensch und Tier weit verbreitet.

Bereits 2010/2011 wurde Ostafrika von einer schlimmen Dürre heimgesucht, deren Auswirkungen zu einer humanitären Krise führten. Rund 13 Millionen Menschen in Äthiopien, Kenia, Somaliland und Somalia litten unter den Folgen der Dürre. In Marsabit führte Caritas Schweiz in Zusammenarbeit mit ihrer Partnerorganisation Caritas Marsabit Nothilfeprojekte für die von der Dürre betroffenen Menschen durch. Dieses Engagement führt sie seither im Rahmen nachhaltiger und entwicklungsorientierter Projekte sowie punktueller Nothilfe fort mit dem Ziel, an die bereits durchgeführten Massnahmen anzuknüpfen und einen Beitrag zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit der Bewohnerinnen und Bewohner der Region gegenüber zukünftigen Dürren zu leisten.

 

Was tun wir?

Die Grundbedürfnisse von rund 22'000 von der Dürre betroffenen Menschen in Laisamis Sub-County sollen gestillt und ihre Widerstandsfähigkeit im Hinblick auf zukünftige Dürren gestärkt werden. Hierzu erhalten die Bewohnerinnen und Bewohner von 15 Dörfern Zugang zu sicherem Trinkwasser und 5'800 Haushalte sichern ihre Lebensgrundlage, indem ihr Vieh (rund 390'000 Tiere) Zugang zu Wasser und tierärztlichen Behandlungen erhält. Um die Menschen besser auf widerkehrende Dürreperioden vorzubereiten, lernt die lokale Bevölkerung Umweltrisiken frühzeitig zu erkennen und für Notsituationen zu planen. Das Projekt umfasst die konkret folgenden Aktivitäten:

Aufgrund der Dürre fehlt es den Menschen und Tieren an trinkbarem Wasser. Die meisten Wassersysteme in den Dörfern sind in schlechtem Zustand und speichern das ohnehin knappe Regenwasser kaum. Als Folge davon müssen die Bewohnerinnen und Bewohner bis zu 25km gehen, um eine Wasserstelle für sich und ihre Nutztiere zu erreichen, und Durchfallerkrankungen nehmen zu. Die existierenden Wassersysteme in den 15 Dörfern und ihren 12 Schulen werden deshalb saniert und wann immer möglich mit Regenauffangeinrichtungen ergänzt, um den Regen optimal zu nutzen. Die nachhaltige Funktionsfähigkeit der Wassersysteme wird gewährleistet, indem auf Gemeindeebene Komitees gegründet und im sachgemässen Gebrauch und Unterhalt der Anlagen geschult werden. Auch die Schulräte werden im Unterhalt und der Instandhaltung ihrer Wasseranlagen ausgebildet.

Die Bewohnerinnen und Bewohner der begünstigten Dörfer erhalten weiter Schulungen zur Wasseraufbereitung, um die Trinkbarkeit des verfügbaren Wassers zu gewährleisten. Zusätzlich werden sie und die Schülerinnen und Schüler der 12 Dorfschulen für gesundheitsförderliche Hygiene- und Sanitärpraktiken sensibilisiert.

Durch die Dürre sind Nutztiere vermehrt Schädlingen und Krankheiten ausgesetzt. Die Haushalte haben aufgrund der bereits erfolgten Verluste kaum mehr die Kraft, selber das notwendige Geld für die Behandlungen aufzuwerfen – zum Beispiel durch den Verkauf von Tieren. Dies verstärkt das Viehsterben, wodurch die Lebensgrundlage der Haushalte weiter geschwächt wird. In Zusammenarbeit mit dem Veterinäramt von Laisamis erhalten sogenannte Gemeindebasierte Rapporteure für Tierseuchen Auffrischungstrainings. Ziel ist, das sie Seuchen frühzeitig erkennen und den zuständigen Behörden melden. Die Rapporteure werden entlang der gängiger Migrationsrouten eingesetzt, um auch Seuchen frühzeitig zu erkennen, die aus anderen Regionen nach Laisamis eingeschleppt werden. Zusätzlich wird dank der Anwendung eines Insektizides für Vieh die Übertragung von Erregern durch Mücken unterbunden. Die Tiere werden auch gegen häufige Krankheiten wie Lumpy Skin Disease, Pest der kleinen Wiederkäuer und Hämorrhagische Septikämie geimpft.

In einem partizipativen Prozess führen die Gemeindemitglieder eine Analyse möglicher Umweltrisiken für ihre Dörfer, die Bewohnerinnen und Bewohner und deren Besitztümer durch. Unter Einbezug der zuständigen Behörden definieren sie anschliessend passende Massnahmen und planen deren Umsetzung. Die Gemeindemitglieder erfahren auf diese Weise auch, welche Unterstützungsangebote seitens der Behörden bestehen und wie diese in Anspruch nehmen können.

Das Projekt wird in Zusammenarbeit mit Vétérinaires Sans Frontières Deutschland und der lokalen Organisation Caritas Marsabit durchgeführt und eng von Mitarbeitenden von Caritas Schweiz begleitet. Alle Projektaktivitäten werden zudem unter Einbezug lokaler Regierungsbehörden und den begünstigten Gemeinden umgesetzt, um eine breite Akzeptanz und die Nachhaltigkeit der Arbeit zu garantieren.

 

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