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Kenia

Von der Dürre betroffene Dörfer erholen sich und erhöhen ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber zukünftigen Krisen

Der Bezirk Marsabit im Norden Kenias hat in drei aufeinanderfolgenden Regenzeiten weniger als die Hälfte der durchschnittlichen Regenmenge erhalten. Wegen des Wassermangels haben viele Menschen nicht genug Nahrungsmittel, zudem besteht das Risiko, dass sich Krankheiten ausbreiten. Mit diesem Projekt erhalten Menschen Zugang zu sicherem Trinkwasser und verbessern dank Schulungen ihr Hygieneverhalten. Damit sie sich besser auf Dürreperioden vorbereiten können, lernt die lokale Bevölkerung, Umweltrisiken frühzeitig zu erkennen und für Notsituationen zu planen.

 

Land / Region / Ort
Kenia, Laisamis (Bezirk Marsabit)


Zielgruppe
33’860 Personen in 18 Dörfern und 21 Schulen mit insgesamt 4'500 Schülerinnen und Schüler


Mittelbedarf
640'224 Franken


Projektdauer
01.01.2018 bis 31.12.2019, 24 Monate


Projektnummer
P170093


Projektziel
Die von der Dürre am meisten betroffenen Gemeinden in Laisamis erholen sich und stärken ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber zukünftigen Dürren.


Projektverantwortliche
Noemi Grossen, Tel. 041 419 23 27, ngrossen@caritas.ch


Abteilung
Afrika / Lateinamerika

 
 

Worum geht es?

Der Bezirk Marsabit liegt im Norden von Kenia und zählt zu den halbtrockenen bis trockenen Gebieten des Landes. Seine Bevölkerung von geschätzten 350'000 Personen betreibt grösstenteils Naturweidewirtschaft und hat sich an die extremen Wetterbedingungen angepasst. Bei Wasserknappheit ziehen die Familien mit ihrem Vieh umher auf der Suche nach Wasser und Weiden. Durch den Klimawandel sind die Lebensbedingungen für die Bewohnerinnen und Bewohner der Region in den letzten 20 Jahren jedoch immer schwieriger geworden: Die Niederschläge sind in ihrer Stärke und Häufigkeit zunehmend unberechenbar. Dies führt zu sich intensivierenden Trockenperioden und/oder zu lokalen Überschwemmungen. Durch die Trockenheit verdorren die Weideflächen und die Wasserquellen versiegen, während flutartige Regenfälle das Weideland teilweise oder vollständig wegspülen und die Trinkwasserquellen verschmutzen. Nicht selten bedeutet das für die Menschen, dass sie einen Teil ihres Viehs und damit ihre Lebensgrundlage verlieren. Überweidung und lokale Konflikte verschärfen die Situation.

Während den letzten drei aufeinanderfolgenden Regenzeiten erhielt der Bezirk Marsabit weniger als die Hälfte der durchschnittlichen Regenmenge. Der Sub-Bezirk Laisamis mit ungefähr 100'000 Einwohnerinnen und Einwohnern ist am stärksten von der Trockenheit betroffen und erreichte schon im Juni 2016 eine alarmierende, akute Unterernährungsrate von 22 Prozent. Durch die anhaltende Dürre in weiten Teilen des Landes rief die kenianische Regierung Anfang 2017 den nationalen Notstand aus. Seither hat landesweit die Anzahl Menschen, die dringend auf Unterstützung angewiesen sind, auf insgesamt 2.6 Millionen Menschen weiter zugenommen (Stand Juli 2017). Die akute Unterernährungsrate für Kleinkinder erreichte in Laisamis gar 27.3 Prozent.

Bereits 2010/2011 wurde Ostafrika von einer schlimmen Dürre heimgesucht, deren Auswirkungen zu einer humanitären Krise führten. Rund 13 Millionen Menschen in Äthiopien, Kenia, Somaliland und Somalia litten unter den Folgen der Dürre. In Marsabit führte Caritas Schweiz in Zusammenarbeit mit ihrer Partnerorganisation Caritas Marsabit Nothilfeprojekte für die von der Dürre betroffenen Menschen durch. Dieses Engagement führt sie seither im Rahmen nachhaltiger und entwicklungsorientierter Projekte sowie punktueller Nothilfe fort, mit dem Ziel, an die bereits durchgeführten Massnahmen anzuknüpfen und einen Beitrag zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit der Bewohnerinnen und Bewohner der Region gegenüber zukünftigen Dürren zu leisten. Die gegenwärtige Regenzeit hat für Laisamis endlich wieder etwas Niederschlag gebracht. Allerdings muss davon ausgegangen werden, dass Wasserquellen und Weiden bereits im Januar wieder ausgetrocknet sein werden, da sie sich in einer schlechten Verfassung befinden. Die Verbesserung der Ernährungssituation ist deshalb vorerst nur von kurzer Dauer. Dadurch ist auch das Risiko für die Ausbreitung von Krankheiten weiterhin hoch. Denn der Mangel an sauberem Trinkwasser beeinträchtigt Gesundheit, Hygiene und Körperpflege. Durchfallerkrankungen und Parasiten, aber auch Hautkrankheiten sind während Dürreperioden bei Mensch und Tier weit verbreitet.

 

Was tun wir?

Das Projekt hat zum Ziel, dass rund 34'000 von der Dürre betroffene Menschen in Laisamis  sich mittelfristig von der Dürre erholen und ihre Widerstandsfähigkeit im Hinblick auf zukünftige Dürren gestärkt wird. Hierzu erhalten die Bewohnerinnen und Bewohner von 18 Dörfern sowie 21 Schulen mit insgesamt 4'500 Schülerinnen und Schülern Zugang zu sicherem Trinkwasser und verbessern dank Schulungen ihre Hygieneverhalten. Zusätzlich lernt die lokale Bevölkerung Umweltrisiken frühzeitig zu erkennen und für Notsituationen zu planen. Das Projekt umfasst konkret die folgenden Aktivitäten:

Aufgrund der Dürre fehlt es den Menschen und Tieren an trinkbarem Wasser. Die meisten Wassersysteme in den Dörfern sind in schlechtem Zustand und speichern das ohnehin knappe Regenwasser kaum. Als Folge davon müssen die Bewohnerinnen und Bewohner bis zu 25 Kilometer gehen, um eine Wasserstelle für sich und ihre Nutztiere zu erreichen. Durchfallerkrankungen nehmen zu. Die existierenden Wassersysteme werden deshalb saniert und wann immer möglich verbessert. Dabei werden unter anderem Regenauffangeinrichtungen, wie zum Beispiel der Bau eines Felsreservoirs, realisiert. Felsreservoirs bieten dank grossen Steinflächen eine ideale Voraussetzung zum Sammeln von Regenwasser. Am niedrigsten Punkt der Felsen wird ein Wehr errichtet, welches das Felsreservoir bildet. Dort wird das Wasser durch einen Sand-Kiesel-Filter vor dem Ablauf gereinigt und zur Aufbewahrung in Wassertanks geleitet. Die Tanks sind an ein Verteilsystem mit Wasserhähnen angeschlossen. Dank geschlossener Wassertanks wird der Verdunstungseffekt reduziert und das Wasser vor Verschmutzung geschützt. Das Wasser kann über längere Zeit gelagert werden und der Bevölkerung über Trockenzeiten hinweghelfen.

Die nachhaltige Funktionsfähigkeit der Wassersysteme wird gewährleistet, indem auf Gemeindeebene Komitees im sachgemässen Gebrauch und Unterhalt der Anlagen geschult werden. In den Schulen werden Schulräte im Unterhalt und der Instandhaltung der Wasseranlagen ausgebildet. Die Bewohnerinnen und Bewohner der begünstigten Dörfer erhalten weiter Schulungen zur Wasseraufbereitung, um die Trinkbarkeit des verfügbaren Wassers zu gewährleisten. Zusätzlich werden sie und die Schülerinnen und Schüler der 12 Dorfschulen für gesundheitsförderliche Hygiene- und Sanitärpraktiken sensibilisiert. In den Schulen werden zudem Latrinen gebaut.

In einem partizipativen Prozess führen die Gemeindemitglieder eine Analyse möglicher Umweltrisiken für ihre Dörfer, die Bewohnerinnen und Bewohner und deren Besitztümer durch. Unter Einbezug der zuständigen Behörden definieren sie anschliessend passende Massnahmen und planen deren Umsetzung. Die Gemeindemitglieder erfahren auf diese Weise auch, welche Unterstützungsangebote seitens der Behörden bestehen und wie sie diese in Anspruch nehmen können.

Das Projekt wird von Caritas Schweiz selbst umgesetzt. Alle Projektaktivitäten werden unter Einbezug lokaler Regierungsbehörden und den begünstigten Gemeinden realisiert, um eine breite Akzeptanz und die Nachhaltigkeit der Arbeit zu garantieren.

 

Video: Felsreservoirs verbessern die Wasserversorgung in Kenia

 
 

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