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Uganda

Einkommen und Ernährungssicherheit dank dem Moringa-Baum

Um sich über Wasser zu halten, werden viele Jugendliche in Uganda kriminell. Zudem hat das Land mit Nahrungsmittelknappheit und den Folgen einseitiger Ernährung zu kämpfen. Im Rahmen des Caritas-Projekts werden auf den Ländereien der Gefängnisse Moringa-Plantagen angelegt. Der Moringa-Baum ist reich an Nährstoffen und kann zum Beispiel für die Herstellung von Kosmetik verwendet werden. Die Gefängnisinsassinnen und Gefängnisinsassen erhalten Geld für die Arbeit auf den Plantagen. Ausserdem werden sie darauf vorbereitet, nach der Freilassung ein eigenes Moringa-Unternehmen aufzubauen.

 

Land / Region / Ort
Distrikte Gulu und Soroti, Norduganda, Uganda


Zielgruppe
2'000 Gefangene und 100 Gefängnisangestellte (davon 160 Frauen); 400 Patientinnen und Patienten, 15 Angestellte sowie 30 Komitee-Mitglieder in Gesundheitszentren; 900 Schülerinnen und Schüler sowie 60 Lehrkräfte; 70 Mitarbeitende lokaler Partnerorganisationen; indirekt rund 250'000 Menschen


Mittelbedarf
598'198 Franken


Projektdauer
01.03.2017 bis 28.02.2020 (36 Monate)


Projektnummer
P170020


Projektziel
Das Projekt trägt zur Ernährungssicherheit, Schaffung von Einkommensmöglichkeiten und Reintegration von jungen Frauen und Männern aus Gefängnissen in die Gesellschaft bei


Projektverantwortliche
Kathrin Wyss, Tel: 041 419 22 39; kwyssto make life hard for spam bots@to make life hard for spam botscaritasto make life hard for spam bots.ch


Abteilung
Afrika / Lateinamerika

 
 

Worum geht es?

Uganda gilt als eines der ärmsten Länder der Welt. Trotz seiner schnell wachsenden Wirtschaft sind die aufstrebenden Wirtschaftszentren nur die eine Seite der Medaille. In ländlichen Regionen fernab von Wirtschaftsmetropolen ist die Armut gross. So ist im Norden und Osten Ugandas die absolute Zahl der in Armut lebenden Personen zwischen 2006 und 2013 sogar von 68 Prozent auf 84 Prozent angestiegen. Und bei einem wirtschaftlichen Schock drohen rund 43 Prozent der ugandischen Bevölkerung in die Armut zu fallen.

Hinzu kommt, dass die Regierung des Landes von autoritärer Politik und Patronage geprägt ist, staatliche Dienstleistungen durch Korruption und das enorme Bevölkerungswachstum zum Erliegen kommen und die Auswirkungen des Bürgerkriegs die politische Landschaft noch immer prägen. Der Konflikt um Ressourcen ist dabei nur eine von zahlreichen Folgen des Bürgerkriegs. Auch Probleme wie etwa Ungleichbehandlung aufgrund des Geschlechts gehören in Uganda zum Alltag.

Als Land mit einem enormen Bevölkerungswachstum steht Uganda ausserdem vor einer grossen Herausforderung: der Beschäftigung seiner jungen Bevölkerung. 77 Prozent der Bevölkerung sind jünger als 30 Jahre. Ihre Ausbildung ist oftmals ungenügend, die Arbeitslosigkeit mit 61 Prozent bis 83 Prozent hoch und die Perspektivlosigkeit unter den Jugendlichen gross. Angesichts dieser aussichtslosen Lage verfallen viele Jugendliche in die Kriminalität, um sich über Wasser zu halten, und landen in überfüllten und personell unterbesetzten Gefängnissen. Mit dem Aufenthalt im Gefängnis verlieren die jungen Männer und Frauen ihr gesellschaftliches Ansehen, nach ihrer Freilassung sind sie stigmatisiert und landen am Rande der Gesellschaft. Die Rückfallquote in die Kriminalität ist deshalb hoch.

Zudem ist die Ernährungslage in Uganda unsicher. Rund 81 Prozent von Ugandas Beschäftigten betätigen sich in der Subsistenz-Landwirtschaft. Doch trotz fruchtbaren Böden ist die Nahrungsproduktion beschränkt. Landkonflikte und der damit verbundene fehlende Zugang zu Land sowie die wachsende Bevölkerung und klimatische Veränderungen setzen die Nahrungsmittelproduktion unter Druck. Die Ernährungssicherheit ist damit nicht mehr gegeben. Und falls doch, so ist die Ernährung oftmals einseitig und stark kohlenhydrathaltig. Wichtige Nährstoffe, Mineralien und Proteine fehlen, was letztlich zu Mangelerscheinungen und gesundheitlichen Problemen unter den besonders schutzbedürftigen oder exponierten Bevölkerungsgruppen führen kann, einschliesslich schwangeren und stillenden Frauen, Kranken, Kindern, oder Gefängnisinsassinnen und -insassen.

Neue Lösungsansätze sind daher gefragt, um diesen Problemen entschieden entgegenzutreten. Insbesondere in den Distrikten Gulu und Soroti, wo die Gefängnisse stark überfüllt und die Armut besonders hoch ist, ist eine Intervention von hoher Priorität. Der nährstoffreiche Moringa-Baum bietet als Nahrungsmittellieferant hierfür einen ganzheitlichen Lösungsansatz.

 

Was tun wir?

Der Moringa-Baum ist eine schnellwachsende und dürreresistente Pflanze. Sowohl dessen Blätter als auch dessen Samen können vielseitig verwendet werden, namentlich als Nahrungsergänzung, zur Aufbereitung von verschmutztem Wasser oder in der Kosmetik. Moringa ist reich an Vitaminen, Magnesium, Protein sowie anderen Nährstoffen und stösst weltweit auf eine stetig wachsende Nachfrage. Damit eignet sich die Pflanze sowohl zur Ernährungssicherung als auch zur Schaffung von Einkommen.

Das vorliegende Projekt konzentriert sich auf verschiedene Themen: In einer ersten Projektkomponente werden rund 3’500 schutzbedürftige Menschen für die zahlreichen Vorteile des Moringa-Baums für Gesundheit und Ernährung sensibilisiert. So werden ausgewählte Gefängnisse, Schulen und Gesundheitszentren dazu angeleitet, die Qualität ihres Nahrungsangebots durch Moringa zu verbessern. Ausserdem dienen öffentliche Moringa-Aufklärungsveranstaltungen in denselben Institutionen dazu, ein breiteres Publikum über die Vorteile des Konsums und der Produktion von Moringa aufzuklären.

In Gärten von Schulen und Gesundheitszentren werden zudem Moringa-Bäume gepflanzt. Diese dienen einerseits zu Demonstrationszwecken bezüglich Anbau und Ernte der einzelnen Bestandteile, andererseits versorgen sie die betreffenden Institutionen mit Moringa-Produkten und ermöglichen dadurch eine gesunde Ernährung. Die Gärten werden von ausgebildeten Komitees und Klubs verwaltet. Zusätzlich werden, namentlich auf den Ländereien der Gefängnisse, grosse Moringa-Plantagen angelegt. Davon profitieren die Gefängnisinsassinnen und -insassen: Sie können sich mit der Arbeit auf den Plantagen Ersparnisse anlegen, welche ihre sozioökonomische Reintegration nach dem Gefängnisaufenthalt erleichtert. Ausserdem werden sie darauf vorbereitet, nach ihrer Freilassung ein eigenes Moringa-Unternehmen aufzubauen.

Um die Wertschöpfungskette zu vervollständigen, baut Caritas Schweiz mit ihren Partnern in Gulu und Soroti zudem Räumlichkeiten zur Herstellung von Moringa-Produkten und stattet diese je mit einer Öl-Presse, Pulverisierungsmaschinen und weiteren technischen Hilfsmitteln aus. In Gulu wird zudem ein Trocknungsraum gebaut. Die Verarbeitung der Moringa-Bestandteile in diesen Produktionsstätten schafft einerseits Jobs und damit zusätzliche Einkommensmöglichkeiten für die Bevölkerung vor Ort, andererseits fliessen die Gewinne aus dem Produkteverkauf zurück ins Projekt.

Die Partnerorganisationen der Caritas Schweiz schulen Komitee-Mitglieder und Personal der Gefängnisse als Ausbilder. Diese ausgebildeten Komitee-Mitglieder und Gefängnisangestellten führen danach Schulungen für Interessierte durch, welche diesen die Grundlagen zum Aufbau eines eigenen Moringa-Unternehmens geben sollen. Die Schulungen behandeln alle wichtigen Themen von der Saat über die Kultivierung bis hin zur Verarbeitung, Verpackung, Lagerung und Vermarktung der Moringa-Produkte. Die Schulungen werden durch Expertinnen und Experten der Partnerorganisationen eng begleitet.

Nicht zuletzt stärkt das Projekt die Strukturen der lokalen Partnerorganisationen. Sie erlernen die Durchführung von Qualitätskontrollen der Moringa-Produkte und Einhaltung wichtiger Hygienestandards zur nationalen und internationalen Zertifizierung und führen Marktanalysen durch. Ausserdem werden ihre Kompetenzen bezüglich dem Aufbau eines sozialen Unternehmens gestärkt, ihr Wissen über die Moringa-Kultivierung erweitert und ihre Organisationsstruktur verbessert.

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