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Tschad

Die Ernährung armer Sahelbauern und -bäuerinnen sichern

Die Sahelzone ist gekennzeichnet durch strukturelle Armut und chronische Ernährungsunsicherheit. Klimaveränderungen und Heuschreckenschwärme erschweren die landwirtschaftliche Produktion, es fehlt an technischer Ausrüstung, angepasstem Saatgut und entsprechendem Wissen. Das Projekt verbessert die Ernährungssituation der ländlichen Bevölkerung. Den Familien werden neue Anbaumethoden und Informationen zu Viehzucht und Klimawandel vermittelt. Mit der Gründung von Plattformen können sich die Bauernfamilien besser vernetzen, und sie erhalten so bei politischen Entscheiden eine stärkere Position.

 

Land/Region/Ort:
Tschad, Sahelzone


Zielgruppe:
250'000 arme Bäuerinnen und Bauern sowie 62'000 Mitglieder von Produzenten- und Frauengruppen


Mittelbedarf:
564'072 Franken


Projektdauer:
01.01.2016 bis 31.12.2019


Projektnummer:
P160004


Projektziel:
Einen Beitrag zur Verbesserung der Ernährungssicherheit in den ländlichen Gemeinden leisten.


Projektverantwortliche/r:
Sabine Schild, Tel: 041 419 23 48; sschildto make life hard for spam bots@to make life hard for spam botscaritasto make life hard for spam bots.ch


Abteilung:
Afrika / Lateinamerika

 
 

Worum geht es?

Der Tschad, im Sahelgürtel gelegen, gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Im Index für menschliche Entwicklung der UNO belegt das Land Platz 184 von 187. Zwei Drittel der Bevölkerung können weder lesen noch schreiben, und lediglich die Hälfte der Menschen hat Zugang zu sauberem Trinkwasser.

Klimatisch gesehen ist der Tschad in drei Zonen unterteilt: die kaum besiedelte Wüste im Norden (rund 50 Prozent des Staatsgebiets), den Sahelgürtel im Zentrum (40 Prozent) und die Savanne im Süden des Landes (10 Prozent). Die Bevölkerung der Sahelzone wird auf rund 1,6 Millionen Menschen geschätzt. Sie ist vorwiegend muslimisch und lebt in erster Linie von der Land- und Viehwirtschaft. In gewissen Regionen spielen Fischfang und Sammeltätigkeiten eine ergänzende Rolle.

Die Sahelregion ist gekennzeichnet durch strukturelle Armut und chronische Ernährungsunsicherheit. Ernährungsgrundlage der Bevölkerung der Region bildet die Getreideproduktion. Es wird vorab Hirse, Sorghum, Mais und Niébé (eine Bohnenart) angebaut. Allerdings ist die landwirtschaftliche Produktion in diesen Gebieten ungenügend und zudem starken Schwankungen unterworfen. Dies ist einerseits auf die schwierigen klimatischen Bedingungen (unzureichende und ungleichmässig verteilte Regenfälle), andererseits auf die periodische Invasion von Heuschreckenschwärmen und Getreide fressenden Vögeln zurückzuführen. Weitere Gründe für die geringe Produktivität sind der Mangel an verbessertem Saatgut, die ungenügende technische Ausrüstung der Produzentinnen und Produzenten – es wird fast ausschliesslich mit der Hacke gearbeitet – und veraltete Anbautechniken. Es fehlt auch an landwirtschaftlicher Forschung und Beratung sowie am Zugang zu Krediten. Des Weiteren stehen den wenigen Bauernfamilien, die Überschüsse produzieren, keine Vermarktungsstrukturen zur Verfügung.

Die Produktionstechniken der Bauernfamilien im Sahel sind nicht ausreichend entwickelt. Der Ackerbau wird nach wie vor sehr extensiv betrieben und ist kaum mit den anderen Systemen (Forstwirtschaft, Viehzucht) verknüpft. Die Viehzucht ist ebenfalls mit vielerlei Problemen konfrontiert: Verknappung der Weideflächen und des Wassers, Tierkrankheiten und mangelnde tierärztliche Betreuung.

 

Was tun wir?

Unser Partner für die Durchführung dieses Projekts, ACORD-Tchad (Association de Coopération en Recherche pour le Développement) ist eine afrikanische Nichtregierungsorganisation, die in verschiedenen afrikanischen Ländern Vorhaben zur Verbesserung der Ernährungssituation der ländlichen Bevölkerung durchführt. Im Tschad ist ACORD ausschliesslich in der Sahelzone tätig.

ACORD unterstützt Massnahmen, welche die landwirtschaftliche Produktion von Kleinbäuerinnen und -bauern erhöhen und somit das bäuerliche Haushaltseinkommen steigern, gleichzeitig aber auch die Bodenfruchtbarkeit erhalten. Methoden wie Pflanzgemeinschaften von Getreide- und Hülsenfrüchten, der Anbau von stickstoffbindenden Pflanzen oder die Fruchtrotation werden vermittelt. Die Viehzucht von Kleinbauern wird gezielt mit Aktivitäten unterstützt, welche darauf abzielen, wichtige Aspekte der Hygiene, Fütterung und Gesundheit für die Viehhaltung zu vermitteln.

Weiter unterstützt ACORD Massnahmen zur Professionalisierung der Bäuerinnen und Bauern. Dabei geht es darum, dass ein Informationssystem etabliert wird, das es ihnen erlaubt, sich besser an der Nachfrage des Marktes zu orientieren und ihre Vermarktung verbessern. Zudem sollen die Kapazitäten der Kooperativen, welche in Vorgängerphasen aufgebaut wurden, gestärkt werden. Dabei fokussiert das Projekt darauf, dass Finanzierungsmechanismen entwickelt werden können, die eine bessere Vermarktung der Produkte erlauben.

Die Partnerorganisation unterstützt ländliche Produzentinnen und Produzenten dabei, sich zu organisieren und zu vernetzen (regional und national), um so das Problem der Ernährungsunsicherheit gemeinsam angehen zu können. Dabei werden regionale Koordinationsplattformen gegründet, deren Arbeit von unserem Partner begleitet wird. Die Organisationsentwicklung wird unterstützt mit dem Ziel, die Sichtbarkeit und Positionierung der Plattformen zu erhöhen, so dass sie Allianzen mit anderen Parteien eingehen können. Damit wird die Grundlage gelegt, dass die Produzentinnen und Produzenten an nationalen Debatten um agropastorale Politik und Strategien teilnehmen können. Weiter wird durch das Projekt die Produktionsinfrastruktur verbessert, zum Beispiel werden Lagerhallen für die Ernte und Gehege, die das Impfen des Viehs erleichtert, gebaut und Bewässerungsteiche angelegt.

Die sich verändernden klimatischen Bedingungen sind eine grosse Herausforderung für die Produzenten im Tschad. In diesem Projekt werden deshalb Sensibilisierungskurse zur Klimaveränderung für Bäuerinnen und Bauern durchgeführt, in denen Strategien zur Frage erarbeitet werden wie Ressourcenübernutzung mit lokalen Nutzungsvereinbarungen und Schutzmassnahmen vermieden werden können. Weiter vermittelt ACORD den Bäuerinnen und Bauern Methoden zur Agroforstwirtschaft, zum Futterbau und zur Bodensanierung. ACORD unterstützt auch den Ausbau eines Notfall-Dispositivs, dank dem die Begünstigten im Fall von Krisen schnell und effektiv reagieren können. Daten werden systematisch gesammelt, verbreitet und Notfallpläne und klare Entscheidungsprozesse für den Krisenfall erarbeitet.

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