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Palästina

Palästina: Solidarwirtschaft auf dem lokalen Markt stärken

Die Besetzung durch Israel hat weitreichende Folgen für die palästinensische Landwirtschaft. Um diese abzumildern befähigt das Caritas-Projekt 150 Personen aus Haushalten, die besonders auf eine gesicherte Lebensmittelversorgung angewiesen sind, ihre Produkte ökologisch zu produzieren. Das Fair-Trade-Unternehmen ADEL unterstützt die Bäuerinnen und Bauern bei der Vermarktung der Erzeugnisse.

 

Land / Region / Ort
Palästina – Westjordanland


Zielgruppe
150 Kleinbäuerinnen und Kleinbauern sowie urbane Landwirte aus ländlichen Regionen im Westjordanland werden zum Anbau von Lebensmitteln ohne chemische und künstliche Konservierungsstoffe befähigt und erlangen über das Fair-Trade-Unternehmen ADEL Zugang zu ihren lokalen Märkten. So wird für bis zu 600 Familienangehörige das Einkommen gesichert. Mindestens 600 neue Kunden haben sich für das Konzept des fairen Handels entschieden und nun Zugang zu hochwertigen, reinen und lokal angebauten Lebensmitteln.


Mittelbedarf
144'578 Franken


Projektdauer
01.12.2017 bis 31.12.2018


Projektnummer
P170085


Projektziel
Ziel ist es, die ökologische und auf fairem Handel basierende regionale Landwirtschaft im Westjordanland zu konsolidieren und zu erweitern, um den Erzeugern und Verbrauchern die Teilnahme an der Solidarwirtschaft auf dem lokalen Markt zu ermöglichen.


Projektverantwortliche
Marion Schröder, Tel: 041 419 23 13, mschroederto make life hard for spam bots@to make life hard for spam botscaritasto make life hard for spam bots.ch


Abteilung
Asien / Europa

 
 

Worum geht es?

Die Besetzung der palästinensischen Autonomiegebiete, die seit nunmehr fünfzig Jahren andauert, hat Folgen für zahlreiche Aspekte des täglichen Lebens vor Ort, unter anderem auch für die Wirtschaft und Landwirtschaft. Mehrere Jahrhunderte lang sicherten sich grosse Teile der Bevölkerung ihren Lebensunterhalt durch landwirtschaftliche Tätigkeiten. Heute ergeben sich wesentliche Herausforderungen.

Die Teilung des Westjordanlandes in drei unterschiedliche Verwaltungsgebiete (A, B und C), wobei das grösste der Gebiete (C) von Israel verwaltet und kontrolliert wird, sorgt für eine zunehmende Fragmentierung der Region. Durch unzählige Checkpoints und Strassensperren, die Ausweitung der israelischen Siedlungen sowie den Bau der Sperranlagen hat sich das für die palästinensische Landwirtschaft verfügbare Gebiet deutlich verkleinert. Die verbleibenden Felder sind zudem nur schwer zugänglich. 

Internationale Hilfsorganisationen unterstützen mehrere landwirtschaftliche Entwicklungsprojekte, von denen sich die meisten auf Landwirtschaftsbetriebe mit globaler Ausrichtung konzentrieren. Folglich stehen die Standardisierung und Industrialisierung im Vordergrund – auf Kosten kleiner Betriebe und der regionalen landwirtschaftlichen Vielfalt. Auch die Bemühungen hinsichtlich der Stärkung inländischer Marktstrukturen lassen zu wünschen übrig. Kleinbauerinnen und Kleinbauern fehlt es an Unterstützung, da sie nur begrenzte Kapazitäten zur Vermarktung ihrer Waren haben und aufgrund von Verkehrseinschränkungen häufig noch nicht einmal problemlos einen Marktplatz erreichen.

Weitere Herausforderungen wie die vorherrschende Wasserknappheit erschweren es zusätzlich, die Vielfalt und hohe Qualität der palästinensischen Landwirtschaft aufrechtzuerhalten. Viele landwirtschaftliche Erzeugnisse im Westjordanland werden daher importiert; ein grosser Teil der Importe stammt aus Israel und sogar aus den Siedlungen im besetzten Westjordanland.

Trotz dieser widrigen Umstände gibt es Betriebe, Bauern und Initiativen, die sich speziell an jene zunehmende Zahl an Verbraucher richten, die regionale Erzeugnisse ohne chemische Zugaben und künstliche Konservierungsstoffe bevorzugen und bereit sind, dafür einen angemessenen Preis zu bezahlen. An vorderster Front dabei: unser lokaler Fair-Trade-Partner ADEL. Das gemeinnützige nationale Unternehmen macht teilnehmende Erzeuger mit der ökologischen Landwirtschaft vertraut und organisiert dann den Transport und die Vermarktung der Erzeugnisse, damit auch kleinere und mittlere Landwirte, Kooperativen und Erzeuger Zugang zum Markt erhalten. 

 

Was tun wir?

Generelles Projektziel ist es, die ökologische und auf fairem Handel basierende regionale Landwirtschaft im Westjordanland zu konsolidieren und zu erweitern, um Erzeugern und Verbrauchern die Teilnahme an der Solidarwirtschaft auf dem lokalen Markt zu ermöglichen.

Das nationale gemeinnützige Fair-Trade-Unternehmen ADEL wurde 2011 gegründet und betreute zu Beginn nur wenige Landwirte mit einer begrenzten Auswahl an Erzeugnissen. Mit seinem unbeirrten Einsatz für faire Preise und eine umweltverträgliche Agrarwirtschaft konnte das Unternehmen im Laufe der Zeit immer mehr Erzeuger und Verbraucher von seinem Konzept überzeugen. Die Auswahl der Erzeuger hängt nicht nur von ihrer Fähigkeit zur Lieferung der gewünschten Produkte ab (dies beinhaltet auch den Zugang zu Feldern), sondern vor allem von sozialen Kriterien: Bevorzugt werden marginalisierte Haushalte, die aufgrund von Armut, Behinderungen, chronischen Erkrankungen und fehlendem zweiten Einkommen besonders auf eine gesicherte Lebensmittelversorgung angewiesen sind. Unter diesen Erzeugern sind auch viele Frauen, die keine Alternative zur Sicherung ihres Einkommens haben. Je nach Saison und erwarteter Nachfrage bestellt und kauft ADEL dann von den Erzeugern bestimmte Mengen ihrer Produkte, sodass das Einkommen der Erzeuger gesichert ist und sie sich nicht mehr um den Transport, die Vermarktung und den Verkauf ihrer Waren sorgen müssen. Das Produktangebot umfasst frisches und getrocknetes Gemüse, Kräuter und Obst, Milcherzeugnisse, Säfte und Eingemachtes (ohne künstliche Zusatzstoffe). Die Verarbeitung übernimmt in Abhängigkeit vom nötigen Prozess entweder der jeweilige Erzeuger oder das Qualitätskontroll- und Betriebszentrum von ADEL.

Seit den bescheidenen Anfängen hat ADEL sein Portfolio auf nun 450 Erzeuger erweitert, deren frische und haltbare Produkte auf zwei Wochenmärkten und in einem eigenen Laden angeboten und verkauft werden. Die rund 3'000 Kunden können aus 150 verschiedenen Erzeugnissen wählen und ihre Bestellung sogar per Telefon oder Social Media von zu Hause aus aufgeben. Kunden bevorzugen die gesunden, regionalen Alternativen gegenüber der üblichen importierten Massenware und haben zusätzlich die Gewissheit, dass ihr Geld benachteiligte Familien in den ländlichen Regionen des Westjordanlandes unterstützt.

Um dieses Unternehmen weiter auszubauen, um die Menge und Auswahl an Produkten zu erweitern und um die weiter steigende Kundennachfrage zu erfüllen, muss ADEL seine technischen und logistischen Kapazitäten erhöhen. Durch den Kauf von technischer Ausstattung zum Abfüllen, Verpacken und Verarbeiten von Lebensmitteln wird ADEL in die Lage versetzt, grössere Mengen von besserer Qualität zu produzieren, die wöchentlichen Produktabfälle zu reduzieren und sein Produktangebot zu erweitern. Die höhere Zahl an verarbeiteten Produkten im Portfolio schützt ADEL vor potenziellen Verlusten, beispielsweise wenn Strassensperren die rechtzeitige Lieferung von frischen Erzeugnissen verhindern. Hierdurch bietet sich die Chance, weitere 150 Erzeuger in die ökologische Landwirtschaft und den fairen Handel einzuweisen und ihre Produkte über ADEL zu vermarkten, sodass ein zuverlässiges Einkommen für sie und ihre Familien sichergestellt ist. Verbraucher vor Ort haben besseren Zugang zu reinen und lokal angebauten Lebensmitteln und durch eine Kombination aus herkömmlichen und innovativen Kampagnen steigt auch das Bewusstsein für eine gesunde Ernährung und Solidarwirtschaft. 

 

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