Navigation mit Access Keys

 
Palästina

Bessere Lebensmittelversorgung dank Urban Farming

Am stärksten leiden palästinensische Haushalte mit einem weiblichen Familienoberhaupt und mit behinderten oder kranken Kindern unter der Besetzung durch Israel. Im Rahmen dieses Projekts erhalten 130 betroffene Familien selbstbewässernde Beete, Werkzeuge sowie Pflanzmaterialien und in Workshops wird ihnen beigebracht, wie sie viele Pflanzen für den Eigenbedarf selber anbauen können.

 

Land / Region / Ort
Palästina – Westjordanland


Zielgruppe
130 benachteiligte Familien mit ungesicherter Lebensmittelversorgung im Westjordanland, einschliesslich drei Beduinengemeinden, Flüchtlingslagern in Hebron und Bethlehem sowie Familien in extremer Armut (monatliches Einkommen unter 80 % der Armutsgrenze). Vorrang erhalten frauengeführte Haushalte sowie Haushalte mit Personen mit Behinderungen und/oder chronischen Erkrankungen.


Mittelbedarf
340'770 Franken


Projektdauer
01.01.2018 bis 31.12.2019


Projektnummer
P180003


Projektziel
Ziel ist die Verbesserung der Lebensmittelversorgung von 130 Familien aus benachteiligten und marginalisierten Regionen im Westjordanland, die durch die Besetzung der Gebiete beeinträchtigt werden und ihren Lebensunterhalt nur schwer bestreiten können.


Projektverantwortliche
Marion Schröder, Tel: 041 419 23 13, mschroederto make life hard for spam bots@to make life hard for spam botscaritasto make life hard for spam bots.ch


Abteilung
Asien / Europa

 
 

Worum geht es?

Die anhaltende Besetzung der palästinensischen Autonomiegebiete erschwert Palästinensern den Alltag und die Sicherung ihres Lebensunterhalts. Regelmässige Gewalt und Einschränkungen beim Personen- und Warenverkehr sowie bei Investitionen schwächen die produktiven Kapazitäten und wirtschaftlichen Möglichkeiten der palästinensischen Bevölkerung. Dies resultiert in hoher Arbeitslosigkeit, niedrigen Haushaltseinkommen und hohen Lebenshaltungskosten, wodurch wiederum die Armut wächst und keine zuverlässige Lebensmittelversorgung sichergestellt ist.

Einer aktuellen Haushaltsumfrage von 2015 zufolge leben 17,8 % der Bevölkerung des Westjordanlandes in Armut, davon 7,8 % sogar in extremer Armut, also mit einem Einkommen noch unterhalb von 80 % der Armutsgrenze. Am stärksten benachteiligt sind Haushalte mit einem weiblichen Familienoberhaupt und mit behinderten oder chronisch erkrankten Personen sowie Beduinen und Flüchtlinge, die in Lagern leben. Diese Familien wenden über die Hälfte ihres Monatseinkommens für Lebensmittel auf und ihnen bleibt nicht genug Geld für ihre Bildung und Gesundheitsversorgung. Gleichzeitig haben sie aber auch keinen Zugang zu gesunden und nährstoffreichen Lebensmitteln, da sie sich die hohen Preise auf dem Markt vor Ort oft nicht leisten können.

Während es in ländlichen Regionen verhältnismässig viele Haushalte gibt, die landwirtschaftliche Erzeugnisse für den Eigenbedarf selbst anbauen, ist die Zahl der Selbstversorger insgesamt niedrig – nur 4 % der landwirtschaftlichen Erzeugnisse stammen aus der Eigenerzeugung derartiger Familien. Doch nicht alle Familien haben einen Garten oder landwirtschaftlich nutzbare Felder. Nach der Teilung des Westjordanlandes in unterschiedliche Verwaltungsgebiete blieben nur die städtischen Zentren in palästinensischer Hand, während die ländlichen Regionen (60 % des Westjordanlandes) von Israel verwaltet werden. Durch unzählige Checkpoints und Strassensperren, die Ausweitung der israelischen Siedlungen sowie den Bau der Sperranlagen hat sich das für die palästinensische Landwirtschaft verfügbare Gebiet deutlich verkleinert. Die verbleibenden Felder sind zudem nur schwer zugänglich. Ausserdem kontrolliert Israel 85 % der Oberflächen- und Grundwasserressourcen des Westjordanlandes, was bei den Palästinensern zu einer chronischen Wasserknappheit führt. In Gebiet C dürfen Palästinenser ohne Genehmigungen (die quasi nicht zu bekommen sind) keine neuen Gebäude bauen und keine Veränderungen aussen an Gebäuden vornehmen, was auch jegliche Wassersammelsysteme wie Zisternen und Brunnen betrifft. Über einhundert palästinensische Brunnen sind derzeit ausser Betrieb, weil Israel keine Reparaturen und Erhaltungsmassnahmen genehmigt.

Diese schwierigen Herausforderungen zwingen die Bevölkerung zu neuen und innovativen landwirtschaftlichen Ansätzen, die kosteneffektiver, umweltverträglicher und einfach realisierbar sind, die eine optimierte Nutzung knapper natürlicher Ressourcen (vor allem Wasser) ermöglichen und die auf effektive und nachhaltige Weise die Risiken durch den fehlenden Zugang zu landwirtschaftlichen Feldern mindern. 

 

Was tun wir?

Generelles Projektziel ist es, eine umweltverträgliche urbane Landwirtschaft im Westjordanland zu etablieren und zu konsolidieren, um die Lebensmittelversorgung von Familien in Armut sicherzustellen. Im Detail konzentriert sich dieses Projekt auf die Unterstützung von 130 marginalisierten und benachteiligten Familien in Armut, deren Fähigkeit zur Eigenversorgung gefördert werden soll. Zu den Begünstigten des Projekts zählen arbeitslose Jugendliche, Beduinen, Familien in Flüchtlingslagern sowie Familien in extremer Armut. Vorrang erhalten Haushalte mit einem weiblichen Familienoberhaupt oder mit behinderten oder chronisch erkrankten Personen.

Unser Projektpartner ARIJ (Applied Research Institute Jerusalem) besitzt über 25 Jahre Erfahrung in der Erprobung und Einführung neuer umweltverträglicher landwirtschaftlicher Verfahren zugunsten palästinensischer Gemeinden. ARIJ engagiert sich für die Entwicklung von effizienten Methoden, Verfahrensweisen und geeigneten Technologien zur Nutzung und zum Schutz wertvoller Ressourcen.

Im Mittelpunkt dieses Projekts stehen selbstbewässernde Beete; dabei handelt es sich um ein unabhängiges wasserbasiertes Verfahren in der Landwirtschaft. Bei dieser innovativen Technologie zum Anbau von Pflanzen wird Wasser durch natürliche Osmose oder Pflanzenwurzeln aus einem unterirdischen Wasserreservoir nach oben gesaugt. Das Pflanzenbeet mit wasserdichter Verkleidung enthält ein wachstumsförderndes Medium (z. B. vulkanischen), in dem die Pflanzen Wurzeln schlagen können. Auch Kompost wird in das System eingebracht. Der Unterschied zu einem häuslichen Garten besteht darin, dass das System transportiert werden kann, sich an unterschiedliche Umweltbedingungen anpasst (auch in trockenen Regionen), weniger Wasser erfordert, potenziell höhere Erträge liefert und frei von Bodenschäden ist. Nach einer einmaligen Einweisung kann das System von allen Familienmitgliedern gepflegt werden. Die Bestandteile und Materialien werden überwiegend von Palästinensern hergestellt, sind also zu günstigen Preisen sofort erhältlich. Die Beete können an beliebigen Stellen im Freien platziert werden, auch auf Dächern, und der Aufbau und die Instandhaltung sind sehr leicht. Abhängig von der Art der Nutzpflanzen sind pro Jahr bis zu fünf Pflanzzyklen möglich. Zu den geeigneten Pflanzen zählen Salate, Tomaten, Petersilie, Spinat, Pfeffer, Erdbeeren, Frühlingszwiebeln, Salbei, Thymian, Blumenkohl, Rettich, Kohl, Auberginen, Bohnen und Minze. Im Durchschnitt lassen sich mit einer Einheit 112 kg an Erträgen pro Jahr erzeugen. 

Während der zweijährigen Projektdauer und nach der Auswahl passender Begünstigter anhand von sozialen Kriterien erhalten die Familien Zugang zu ihren eigenen selbstbewässernden Beeten aus je vier Containern mit Verkleidung (je 1 m2), Tuff, Kompost und organischem Dünger, Netzen und Abdeckungen als Sonnen- und Winterschutz sowie Wassertanks für Gebiete ohne Wassersysteme (z. B. bei Beduinen). Die nötigen Werkzeuge und Pflanzmaterialien werden ebenfalls bereitgestellt. In zweitägigen Workshops lernen die Teilnehmenden alles Wichtige zur Technik und Instandhaltung von selbstbewässernden Beeten sowie zur Auswahl geeigneter Pflanzen, Pflege, Wässerung, Düngung und Ungeziefer-/Krankheitsbekämpfung. Während der gesamten Laufzeit des Projekts werden die teilnehmenden Familien durch technische Fachkräfte von ARIJ unterstützt, die ausserdem bewährte Verfahrensweisen dokumentieren und nach potenziell wirkungsvolleren und günstigeren Alternativen suchen, z. B. für Düngemittel.

Im Ergebnis können die 130 Familien nach Projektabschluss eine beträchtliche Menge an Pflanzen für ihren Eigenbedarf anbauen und dadurch ihre Ernährung gesünder gestalten und wertvolle Haushaltsressourcen anderweitig nutzen. Auch die Kinder in diesen Familien wachsen gesünder auf und erhalten hoffentlich durch die niedrigeren monatlichen Ausgaben eine Chance auf eine gute Ausbildung und andere Vorteile. 

 

Ihre Spende

Ersatzinhalte