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Mali

Ländliche Produktion steigern

Der grösste Teil der Bevölkerung Malis lebt von der Landwirtschaft. Der Klimawandel und die politische Situation erschweren den Bauern die Produktion. Caritas Schweiz und Caritas Bamako helfen der Bevölkerung dieser Situation zu entkommen. Die Nahrungsproduktion wird gesteigert und den Familien wird die Marktlogik nähergebracht. Sie verschaffen sich so ein Einkommen und können sich weiterentwickeln.

 

Land/Region/Ort
Mali, Region Bamako: Kreise Faladjè, Kolokani, Yélékébougou, Wéléssebougou und Yanfolila


Zielgruppe
434'987 Bäuerinnen und Bauern der Region Bamako


Mittelbedarf
653'172 Franken


Projektdauer
01.01.2016 bis 31.12.2018


Projektnummer
P160002


Projektziel
Das Projekt zur Förderung ländlicher Entwicklung erarbeitet mit Kleinbäuerinnen und -bauern Massnahmen zum Schutz der natürlichen Ressourcen Wasser und Boden und unterstützt die lokale ökonomische Entwicklung.


Projektverantwortliche
Sabine Schild, Tel: +41 41 419 23 48, sschildto make life hard for spam bots@to make life hard for spam botscaritasto make life hard for spam bots.ch


Abteilung
Afrika/Lateinamerika

 
 

Worum geht es?

Caritas Schweiz arbeitet seit über 40 Jahren im Sahelland Mali. Im Rahmen ihrer Strategie engagiert sie sich in den beiden Arbeitsfeldern «Ernährungssicherung und Einkommensförderung» sowie «Menschenrechte, soziale Gerechtigkeit und Frieden». Die Republik Mali mit einer Fläche von 1’244'000 km² (30-mal so gross wie die Schweiz) und einer Bevölkerung von ca. 14 Millionen (Schweiz: 8 Mio.) gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Gemäss dem UN-Armutsindex belegt das Land Rang 176 von 187 aufgeführten Ländern.

In Mali leben 80 Prozent der Bevölkerung von der Landwirtschaft; viele sind Kleinbauern, die Subsistenzwirtschaft betreiben. Die landwirtschaftliche Produktion in Mali ist schwierig: Die Regenzeit beschränkt sich auf die Monate Juli bis Oktober. Mit dem sich verändernden Klima kommt der Regen aber oft nicht mehr regelmässig, sondern entweder zu stark und schnell (Überschwemmungen) oder aber in zu geringen Mengen und schlecht verteilt (Trockenheit). Zusätzlich wird die Ernte der Bauern in fast schon regelmässigen Abständen von Wanderheuschrecken zerstört. Die ländlichen Regionen sind des weiteren geprägt von einem hohen Bevölkerungswachstum (3 Prozent) ohne gleichwertige Produktivitätssteigerung. Dies führt zu einer Übernutzung der natürlichen Ressourcen. Vor allem die Verknappung der Ressourcen Boden und Wasser ist Ursache für die zunehmenden Konflikte zwischen Ackerbauern und Viehzüchtern und die Abwanderung der Jugendlichen in die Städte.

Das vorliegende Projekt findet in der Region Bamako statt. Dieses Gebiet umfasst 85'200 km2 und gliedert sich in zwei klimatische Zonen: Der nördliche Teil des Projektgebiets liegt im Einzugsgebiet der Trockensavanne (Ø jährl. Niederschlagsmenge 800-1'000 mm), der südliche Teil liegt in der Feuchtsavanne (Ø jährl. Niederschlagsmenge 1'000-1'200 mm). Das Projektgebiet ist Heimat von 2.5 Millionen Menschen, die in 480 Dörfern leben. Die wichtigste ethnische Gruppe bilden die Bambara. Sie leben oft noch in traditionellen Grossfamilien mit 30 bis 100 Mitgliedern. Allerdings verändern sich diese traditionellen Strukturen zunehmend aufgrund der Abwanderung in die Städte, der Migration sowie der steigenden Individualisierung bei einkommensfördernden Aktivitäten infolge der zunehmenden Monetarisierung der Gesellschaft. Die Einwohnerinnen und Einwohner des Projektgebiets sind meist muslimisch wie 90 Prozent der Bevölkerung Malis. Für die Bevölkerung des Gebietes ist die Hauptstadt Bamako von zentraler Bedeutung, bietet dieser grosse Markt doch ein enormes Potenzial – sei es für den Absatz von landwirtschaftlichen Erzeugnissen, den Zugang zu Bildung oder Arbeitsplätzen ausserhalb des Primärsektors.

Während zweier Jahrzehnte galt Mali als afrikanisches Vorzeigeland bezüglich Demokratisierungs- und Dezentralisierungsprozessen. Ein Militärputsch setzte im Frühjahr 2012 der Ära von Demokratie, politischer Stabilität und Wachstum ein jähes Ende. Daraufhin hatten mehrere fundamental-islamistische Gruppierungen den Norden des Landes besetzt und eine Terrorherrschaft eingeführt. Weit über hunderttausend Menschen sind seither auf der Flucht und suchen in den Nachbarländern oder im Süden Malis Schutz. Seit Januar 2013 sind französische und andere ausländische Truppen im Land, welche die terroristischen Gruppen bekämpften. Diese wurden später in eine UN-Friedensmission (MINUSMA) überführt, die aus der Hand der Extremisten befreite Gebiete befrieden sollen. Die Lage bleibt speziell im Norden des Landes instabil.

 

Was tun wir?

Das vorliegende Projekt wird in Zusammenarbeit mit der lokalen Partnerorganisation Caritas Bamako durchgeführt. Seit 1996 besteht eine enge Zusammenarbeit zwischen Caritas Schweiz und dieser lokalen Caritas Organisation. Insbesondere bei der Durchführung von Landwirtschaftsprojekten hat sich Caritas Bamako einen Namen gemacht und verfügt über grosse Erfahrung.

Die Interventionen zur ländlichen Entwicklung im Projektgebiet basieren auf zwei eng miteinander verknüpften, zentralen Ansätzen: die nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen und die lokale ökonomische Entwicklung. Einerseits wird durch die gesteigerte Produktion von Grundnahrungsmitteln (Reis, Hirse, Mais, Bohnen, Erdnüsse) die Ernährungssituation der bäuerlichen Familien verbessert, andererseits soll über eine stärkere Marktorientierung das bäuerliche Familieneinkommen erhöht werden, damit die Familien die Kosten für die Schulbildung der Kinder, eigene Weiterbildungen, die Gesundheitsversorgung, Transporte und andere notwendige Investitionen decken können. In dieser neuen Projektphase werden zudem Faktoren stärker berücksichtigt, welche die Widerstandsfähigkeit der Bevölkerung gegen die Folgen der Klimaveränderungen stärken. So wird ein Frühwarnsystem gegen Dürren gestärkt und verschiedene Massnahmen umgesetzt, damit der Bevölkerung Notvorräte für Dürreperioden zur Verfügung stehen.

Caritas Bamako hat ihre Entwicklungsstrategien entsprechend der spezifischen Bedürfnisse der bäuerlichen Bevölkerung angepasst. Neben der Erhaltung der Ressourcen Boden und Wasser durch verbesserte nachhaltige Nutzungsformen (Erosionsschutz, verbessertes lokales Saatgut, Anbautechniken) sollen gezielt marktorientierte Produktionszweige im Gemüseanbau aufgebaut und unterstützt werden. Zu diesen Massnahmen gehört auch die Begleitung der Komitees, die für den Unterhalt und die optimale Nutzung der Kleindämme zuständig sind, die in vorangegangen Projektphasen erbaut wurden. Zur Sicherung der nachhaltigen Ressourcennutzung werden zudem neu Nutzungsgebietskonventionen erstellt. Dabei erarbeiten die Akteure einer Nutzungszone gemeinsame Nutzungsstrategien, die eine gerechte und nachhaltige Verteilung der Ressourcen sicherstellt. Es geht dabei insbesondere um die Berücksichtigung der Bedürfnisse von Hackbauern und Viehzüchtern (Durchgangs- und Wegrechte, Weide- und Tränkerechte). Weder das bestehende traditionelle noch das „moderne“ Bodenrecht entspricht hier den Bedürfnissen der Bauern und Viehzüchtern. Angepasste Rechtsformen müssen schrittweise erarbeitet und angewandt werden. In Zusammenhang mit den neuen Wasserressourcen, die durch das Sammeln von Regenwasser mit Kleindämmen entstanden sind, werden die Dorfbewohnerinnen und -bewohner über die Zusammenhänge von schmutzigem Trinkwasser und Krankheiten informiert. In sieben Schulen lernen die Kinder einfache Hygienemassnahmen kennen.

Die Massnahmen zur Förderung des Anbaus von Gemüse, der Geflügel- und Schweinezucht richten sich an Bauernfamilien, die sich der Herausforderung der marktorientierten Produktion stellen wollen. Im Rahmen dieser Aktivitäten lernen die Bäuerinnen und Bauern ihre Produkte besser zu vermarkten sowie das Verhandeln mit Abnehmern, um ihre Produkte möglichst gewinnbringend zu verkaufen.

Das Projekt integriert zudem mehrere Querschnittthemen, die in sämtlichen Aktivitäten Eingang finden: Die Bauernorganisationen werden als Institutionen gestärkt und erhalten dabei professionelle Unterstützung. Zentral ist zudem die gleichberechtigte Berücksichtigung von Frauen und Männern während sämtlicher Prozesse des Projekts. Genauso grossen Wert wird darauf gelegt, dass die im Projekt geplanten Aktivitäten keine Konflikte auslösen, sondern im Gegenteil, bei bereits bestehenden Konflikten zur Lösung beitragen.

 

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