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Mali

Ernährung sichern durch Marktzugang und Ressourcenmanagement

Ein Grossteil der Bevölkerung Malis sind Kleinbauern, die überwiegend für die Selbstversorgung wirtschaften. Zunehmende Dürren, Überschwemmungen und Schädlingsplagen führen immer öfter zu Ernteausfällen und gefährden die Ernährung der Menschen. In der Region Mopti soll mit dem Projekt die Ernährungsgrundlage langfristig gesichert werden. Durch eine höhere Produktivität, stärkere Verarbeitung und den besseren Verkauf der Lebensmittel können die Bauernfamilien neben der Selbstversorgung zusätzlich ein Einkommen erzielen. Grundlage dafür sind der Einsatz von Saatgut und Werkzeugen, Weiterbildungen, Finanzierungen und die Gründung von Kooperativen.

 

Land/Region/Ort:
Mali, Region Mopti: Kreise Bandiagara und Douentza


Zielgruppe:
5'167 Kleinbäuerinnen und -bauern der Region Mopti


Mittelbedarf:
506'408 Franken


Projektdauer:
1.1.2017 bis 31.12.2019


Projektnummer:
P170002


Projektziel:
Das Projekt trägt zur Ernährungssicherheit bei durch die erhöhte Produktion, Verarbeitung und Verkauf von Grundnahrungsmitteln sowie durch ein verbessertes Management natürlicher Ressourcen.


Projektverantwortliche:
Sabine Schild, Tel: 041 419 23 48; sschildto make life hard for spam bots@to make life hard for spam botscaritasto make life hard for spam bots.ch


Abteilung:
Afrika / Lateinamerika

 
 

Worum geht es?

Caritas Schweiz engagiert sich seit über 40 Jahren in Mali – einem Land, das zu den ärmsten Ländern der Welt zählt. Auf einer Fläche von 1,2 Mio. km² leben ca. 17 Millionen Menschen. Gemäss des UN-Entwicklungsindexes belegt das Land nur den 179. Rang von 188 Ländern. Dabei galt dieses Land lange als Vorzeigemodell für Dezentralisierung und sozioökonomischer Entwicklung. Nach zwei Jahrzehnten erfolgreicher Entwicklung brachte jedoch ein Militärputsch im Frühjahr 2012 politische Instabilität mit grossen Auswirkungen auf die Sicherheitssituation. Die Interventionen französischer und malischer Truppen sowie der Vereinten Nationen haben zur Verbesserung der Sicherheitslage geführt. Trotz der Unterzeichnung des Friedensabkommens im Mai 2015 bleibt die Situation weiterhin angespannt.

Schätzungsweise 60 Prozent der Bevölkerung in Mali lebt von weniger als einem US-Dollar pro Tag und somit in extremer Armut. Der Grossteil der Bevölkerung lebt von Ackerbau, Viehzucht und Fischerei. Die Produktion ist immer noch geprägt von familiären Kleinbetrieben, die überwiegend Subsistenzwirtschaft betreiben. Die landwirtschaftliche Produktion in Mali ist schwierig: Die Regenzeit beschränkt sich auf die Monate Juli bis Oktober. Aufgrund klimatischer Veränderungen, wie zunehmende Dürreperioden und Überschwemmungen, aber auch Schädlingsplagen, kommt es immer häufiger zu Ernteausfällen. Diese treffen die armen Haushalte am stärksten. Durch den Einkommensausfall sowie die Erhöhung der Lebensmittelpreise können sie weder Investitionen in Produktionsmittel tätigen noch für zukünftige Krisen sparen. Die Vernetzung zwischen Produzenten, Weiterverarbeitungsindustrie, Transportunternehmen, Händlern und Konsumenten ist noch schwach ausgeprägt. Die allgemeine Infrastruktur, unter anderem die Transportwege, ist unzureichend. Die ländlichen Regionen sind zudem geprägt von einem hohen Bevölkerungswachstum (3 Prozent) ohne gleichwertige Produktivitätssteigerung. Dies führt zu einer Übernutzung der natürlichen Ressourcen. Vor allem die Verknappung der Ressourcen Boden und Wasser ist Ursache für die zunehmenden Konflikte zwischen Ackerbauern und Viehzüchtern und die Abwanderung der Jugendlichen in die Städte.

Das vorliegende Projekt findet in der Region Mopti in den Kreisen Bandiagara und Douentza statt. Auf diesem Gebiet leben über 700‘000 Menschen in 669 Dörfern. Das Gebiet umfasst insgesamt 7‘700 km2 und erstreckt sich grösstenteils über das Plateau Dogon, das aus sehr hartem Sandsteinboden besteht. Nur 10 Prozent des Landes ist nutzbar für die Landwirtschaft. Aufgrund des starken Gefälles des Plateaus kommt es vermehrt zur Bodenerosion durch Wind und Wasser, was den ohnehin kargen Boden weiter degradiert. Die Vegetation ist spärlich und wird kontinuierlich verringert, da die ansässigen Menschen sie als Brennholz nutzen. Dadurch verstärkt sich der Druck auf die natürlichen Ressourcen. Wie der Grossteil der malischen Bevölkerung leben auch die Menschen in Mopti von der Landwirtschaft. Mais und Hirse sind die Grundnahrungsmittel. Der Bedarf an Grundnahrungsmitteln des Kreises Bandiagara umfasst 82‘260 Tonnen, aber nur 20‘524 Tonnen werden produziert. Ein ähnliches Defizit besteht im Kreis Douentza mit 67‘603 Tonnen die benötigt und 51‘027 Tonnen die produziert werden. Das ergibt ein Gesamtdefizit an Grundnahrungsmitteln von 76‘312 Tonnen. Die traditionellen Viehzüchter halten in erster Linie Rinder, Schafe und Ziegen und erzeugen Produkte wie Leder, Fleisch, Milch und Dung. Allerdings ist zu wenig Futter und Wasser verfügbar, was die Konflikte um Ressourcen mit den Gemüse- und Getreidebauern verstärkt. Zudem treten regelmässig Tierseuchen auf, gleichzeitig werden zu wenige Tiere geimpft. Eine verbesserte Organisation der Viehzucht könnte ein wichtiger Motor für die lokale Wirtschaftsentwicklung sein. Das Marktsystem in Bandiagara und Douentza ist wenig entwickelt. Es gibt wenige zentrale Märkte, die aufgrund der mangelnden Infrastruktur nicht gut erreichbar sind.

 

Was tun wir?

Das Projekt unterstützt die Bäuerinnen und Bauern dabei, ihre Ernährungsgrundlage langfristig selbst zu sichern. Sie erzielen ein höheres Einkommen durch die erhöhte Produktion, stärkere Verarbeitung und den besseren Verkauf von Lebensmitteln. Gleichzeitig werden ihre Fähigkeiten gestärkt, um die natürlichen Ressourcen in ihrem Gebiet nachhaltiger zu nutzen. Ein besonderes Augenmerk liegt darauf, dass sie bei Konflikten um die Nutzung von Ressourcen friedliche Lösungen erarbeiten.

Um die Produktion zu erhöhen, werden die Kleinbäuerinnen und -bauern unterstützt, besseren Zugang zu notwendigen Produktionsmitteln wie Finanzierungen, Saatgut und Werkzeugen zu erhalten. Die im Vorgängerprojekt gegründeten Kooperativen werden sich in der vorliegenden Projektphase stärker mit Lieferanten vernetzen. Dadurch, dass sich mehrere kleinbäuerliche Betriebe zusammenschliessen, sind sie in einer besseren Verhandlungsposition gegenüber Lieferanten und Händlern. Durch die Aushandlung fairer Verträge können die Kooperativen für ihre Mitglieder hochwertiges Saatgut und andere Produktionsmittel zu einem angemessenen Preis erwerben. Des Weiteren werden die Produktionsmethoden auf ihre ökologische Verträglichkeit geprüft und angepasst. Die Produzenten, die in der ersten Phase Weiterbildungen zu modernen Bodenschutz- und Bewässerungstechniken absolviert haben, werden in der Anwendung dieser Methoden begleitet. Dadurch wird der fortlaufenden Bodenerosion entgegengewirkt sowie das notwendige Wasser für die Produktion sichergestellt.

Eine gute Lagerung ist für die Weiterverarbeitung der Lebensmittel sowie den Verkauf der Ernte zu einem späteren Zeitpunkt, etwa wenn die Preise steigen, unabdingbar. Deshalb werden die Bäuerinnen und Bauern unterstützt, Lagerhallen zu bauen und zu verwalten, um Ernteverluste durch unsachgemässe Lagerung zu verhindern. Darüber hinaus unterstützt Caritas Schweiz den Bau und die Nutzung von Anlagen zum Trocknen von Zwiebeln, um so das Einkommen der Produzenten zu erhöhen und gleichzeitig die Lebensmittel länger haltbar zu machen.

In der vorliegenden Projektphase werden die Kooperativen auch in der besseren Vermarktung ihrer Produkte gestärkt. Mitglieder der Kooperativen bzw. der Produzentenvereinigungen erhalten Marketingschulungen. Der Fokus liegt dabei auf dem Aufbau von Beziehungen mit wichtigen Akteuren wie Händler und Exporteure und deren Qualitätsanforderungen. Gleichzeitig werden die Produzentenvereinigungen zum Thema Anwaltschaft und Lobbying weitergebildet, sodass sie die Interessen ihrer Mitglieder gegenüber Akteuren, wie beispielsweise staatlichen Institutionen, gezielter vertreten können. Darüber hinaus werden Workshops veranstaltet, um relevante Marktakteure aus Staat und Privatwirtschaft miteinander zu vernetzen.

Im Bereich des Ressourcenmanagements stärkt das Projekt die Sensibilisierung der Zielgruppen hinsichtlich gesetzlicher Grundlagen und Regularien. Es werden Schlichtungskomitees gegründet und ausgebildet, um bei allfälligen Konflikten um Ressourcen – wie etwa die Wasseraufteilung zwischen Ackerbau und Viehzucht – zu vermitteln, um zu einer friedlichen Lösung zu gelangen. Hinsichtlich des Wassermanagements ist es auch notwendig, adäquate Sanitäranlagen und gute Hygienepraktiken zu fördern. Dies erfolgt über die Zusammenarbeit mit relevanten Komitees. Des Weiteren wird die Bepflanzung der Böden mit Bäume gefördert, um einen Beitrag zum ökologischen Gleichgewicht in der Region zu leisten.

Das vorliegende Projekt wird in Zusammenarbeit mit den lokaler Partnerorganisation Caritas Mopti durchgeführt. Dieser Partner verfügt über eine langjährige Erfahrung in der Durchführung von Ernährungssicherungsprojekten im Interventionsgebiet und geniesst grosses Vertrauen der Bevölkerung. In einem ersten Schritt wird im Projekt eine Marktstudie durchgeführt, um die Interventionen genau an die Bedürfnisse der Zielgruppe anzupassen. Die vom Projekt unterstützten Bäuerinnen und Bauern werden im Rahmen partizipativer Verfahren konsultiert und in die Sammlung relevanter Daten zur Prüfung und Bewertung des Projektfortschritts einbezogen.

 

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