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Indien

Kleinunternehmerinnen fördern

Frauen in der Region Darbhanga sind schon heute vielfach Kleinunternehmerinnen. Um erfolgreicher zu sein, müssen sie sich zusammenschliessen. Die Caritas unterstützt sie dabei. Daneben soll die gesamte Bevölkerung durch einen Katastrophenvorsorgeplan geschützt werden.

 

Land/Region/Ort
Indien, Bihar, Darbhanga


Zielgruppe
3000 Frauen aus der Musahar-Kaste in 60 Dörfern


Mittelbedarf
703 827 Franken


Projektdauer
01.05.2016 bis 30.04.2019


Projektnummer
P160031


Projektziel
Frauen übernehmen Verantwortung: in der Einkommenssicherung, in der Gesundheitsversorgung und der Katastrophenvorsorge. Sie sind in Föderationen organisiert, verhandeln mit Banken um Kredite und mit der Regierung um Subventionen und gute Gesundheitsversorgung. Sie organisieren sich als Kleinunternehmerinnen in Produktionsgruppen in der Land- und Milchwirtschaft und im Kleinhandwerk.


Projektverantwortlicher
Jan Gruss, Tel: +41 41 419 22 51, jgrussto make life hard for spam bots@to make life hard for spam botscaritasto make life hard for spam bots.ch


Abteilung
Afrika/Lateinamerika

 
 

Worum geht es?

Indien ist exponiert für Katastrophen wie Wirbelstürme, Erdbeben, Dürren, Fluten und Landrutsche. 80 Prozent des indischen Staatsgebietes gelten als gefährdet. Indien tritt zwar selbstbewusst auf dem internationalen Parkett auf, aber in Indien ist auch Hunger auf dem Land verbreitet. Es ist ein Land der Gegensätze: Eine vorbildliche Gesetzgebung regelt die Gleichberechtigung aller Bürger und Bürgerinnen, legt die Abschaffung der Leibeigenschaft und Kinderarbeit fest sowie die Überwindung des Kastensystems – nur wird das in der Praxis nicht eingelöst.

Frauen in Darbhanga im Norden von Bihar haben gelernt, sich einzumischen und mitzureden. Sie sind organisiert und wagen die verinnerlichten Barrieren der Kasten zu überschreiten. Sie wissen, dass auch sie Rechte haben auf das, was die Gesetze vorgeben, was Schulen und Gesundheitsdienste zu leisten haben und was die Regierung ihren Bürgern und Bürgerinnen verspricht. Sie haben zu verhandeln gelernt und wagen es heute, in den Gemeindeversammlungen mitzureden und die Behörden auf ihre Verpflichtungen anzusprechen.

Darbhanga ist flutgefährdet. Die Hütten der tiefkastigen Familien, besonders der Musahar (Rattenesserkaste), stehen an den exponierten Stellen, wo das Wasser bei Fluten wochen- oder monatelang stehen bleibt. Die Frauen haben gelernt, mit ihren Familien vorzusorgen und spezielle Kraftnahrung, besonders für Kinder, schwangere und stillende Frauen, herzustellen, Infektionen und Durchfallerkrankungen vorzubeugen und die Häuser zu reparieren. Und trotzdem: Immer wieder müssen die Familien von vorne beginnen, ihre Hütten und Gärten wiederaufbauen, Zerstörtes reparieren oder gar ersetzen. Was sie heute vor allem brauchen ist ein besseres Einkommen. Als Landarbeiterinnen verdienen sie manchmal weniger als einen Franken pro Tag. Jetzt wollen diese Frauen als organisierte Kleinunternehmerinnen besser verdienen. Sie haben gelernt, staatliche Kredite zu mobilisieren. Sie sind bekannt als vertrauenswürdige Kreditnehmerinnen und als pünktliche Rückzahlerinnen. Was sie jedoch brauchen, um erfolgreiche Unternehmerinnen zu werden, ist Anleitung, Beratung und Begleitung von aussen. Ausserdem wollen sie die Ausbildung und die Ernährung der Kinder und speziell der jungen Frauen verbessern, um sich besser wappnen zu können für die nächsten Fluten.

 

Was tun wir?

Armut in Darbhanga hat verschiedene Ursachen. Wir konzentrieren uns in der Armutsbekämpfung darauf, dass Frauen ein besseres Auskommen schaffen, die Ernährungssicherheit gewährleistet wird, die Haushalte ihre Ausgaben im Gesundheitsbereich reduzieren und für wiederkehrende Fluten besser gerüstet sind.

Viele der Frauen in Darbhanga haben Erfahrungen als Kleinunternehmerinnen, sei es, dass sie Snacks herstellen, kleine Teestuben oder Lebensmittelshops mit ihren Familien führen, Gewürzmischungen oder Töpfe herstellen, Körbe flechten oder Gemüse aus ihren Gärten verkaufen. Diese Kleinunternehmen arbeiten bis jetzt unabhängig. Nun nutzen die Frauen Möglichkeiten, sich in Föderationen zu organisieren, Ressourcen zusammenzulegen und ihre Aktivitäten zu erweitern. Kurz: Sie wollen sich in Produzentinnen- und Vermarktungsgruppen zusammenschliessen.

Dazu sind verschiedene Schritte geplant: Als erstes haben sie eine Marktanalyse mit externen Fachberatungen durchgeführt und aussichtsreiche Optionen für die Sicherung ihrer Lebensgrundlagen identifiziert und erprobt. Dies mit Erfolg - ihr Einkommen hat sich verbessert. 1600 Frauen wollen sich nun als erfolgreiche Kleinunternehmerinnen in Produzenten- und Vermarktungsgruppen zusammen schliessen und so eine Grösse in der Milchwirtschaft, im landwirtschaftlichen Anbau und im Kleinhandwerk erreichen. 750 Frauen bleiben selbständige individuelle Kleinunternehmerinnen. Für die gemeinsamen Aktivitäten ist eine klare Strategie entwickelt, wie Mehrwert geschaffen werden kann, welchen minimalen Standards die einzelnen Produktionszweige zu genügen haben und welche Supportmechanismen in der Wertschöpfungskette benötigt werden. Schliesslich auch, wie der Verkauf und die Vermarktung organisiert und Risiken minimiert werden können. Dies geschieht auf der Basis eines klaren Businessplans. Die Frauen stellen die lokale Finanzierung ihrer Geschäftsvorhaben sicher. Dieser Prozess wird von externen Fachpersonen begleitet.

Armut ist nicht nur bedingt durch fehlendes Einkommen, sondern auch durch wiederkehrende Ausgaben. Gesundheit war in der Vergangenheit ein hoher Kostenfaktor (bis zu 70 % des Haushaltsbudgets). Diese Ausgaben haben sich inzwischen dank gezielter Aktivitäten erheblich reduziert. Die Frauen wissen viel über Gesundheit, darüber wie sie Fieber, Erkältungskrankheiten, Malaria, Diarrhoe und Kala-Azar (Ruhr) mit eigenen kostengünstigen Präparaten und Schutzmassnahmen vorbeugen und heilen können. Sie sind Meisterinnen im Anlegen von Heilpflanzengärten und in der Herstellung von Kräutermedizin. Trotzdem - die reproduktive Gesundheit junger Frauen und Schwangeren ist unzureichend, sie leiden an Blutarmut und Eisenmangel. Die Kinder- und Müttersterblichkeit in Bihar ist sehr hoch. Junge Frauen sollen Zugang zu staatlichen Programmen erhalten, in Gesundheitszentren entbinden und ihre Ernährung verbessern. D

ie Katastrophenvorsorge baut auf der Erfahrung auf, dass die Bevölkerung das Potenzial hat, sich zum richtigen Zeitpunkt angemessen auf Katastrophen vorzubereiten. Einbezogen werden alle Teile der Bevölkerung wie auch die offiziellen Autoritäten mit dem Ziel, Leben und Eigentum zu retten und die Verletzlichkeit der Bevölkerung zu reduzieren. Dazu braucht es Wissen, Zugang zu Ressourcen und eine Haltungsänderung von Schicksalsergebenheit hin zu aktivem Handeln, von individuellem Ausgeliefertsein hin zu kollektivem Tun mit aktivem Einbezug der politisch Verantwortlichen. Es geht um eine vernetzte Bewältigung von Notsituationen bei Fluten, eine wirksame Katastrophenvorsorge und um eine ökonomische Basis, die Vorräte und Vorsorge erst möglich macht.

 

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