Haiti

Bessere Ernährungs­sicherheit für vulnerable Haitianerinnen und Haitianer

In Haiti, einem der ärmsten Länder der Welt, sind Unter- und Mangelernährung weit verbreitet. Dieses Projekt hilft den Menschen, ihre Ernährungssicherheit zu verbessern. Es fördert die gemeinsame Bewirtschaftung der Wasserressourcen, baut Infrastrukturen gegen Erosion und entwickelt neue Ansätze, um Ödland fruchtbar zu machen. Eine professionellere Vermarktung erhöht das Einkommen aus der Kleintierzucht.

 

Land / Region / Ort
Haiti, Département Nord-Ouest, im Einzugsgebiet von Port-de-Paix, in den Gemeinden Port-de-Paix, Anse-à-Fôleur und Saint-Louis-du-Nord


Zielgruppe
108 483 sehr vulnerable und schutzbedürftige Haitianerinnen und Haitianer:

  • 3000 Familien mit unterernährten Kindern,
  • 3000 Schülerinnen und Schüler,
  • 300 Marktverkäuferinnen und -verkäufer sowie
  • 3095 weitere Personen

Mittelbedarf
6'640'606 Schweizer Franken


Projektdauer
05.11.2018 bis 05.05.2022


Projektnummer
P180067


Projektziel
Die Ernährungssicherheit der vulnerablen Bevölkerung im Einzugsgebiet von Port-de-Paix ist gestärkt.


Projektverantwortliche
Sonja Leguizamon, Tel: 041 419 23 54, sleguizamonnot shown@caritasto make life hard for spam bots.ch

 
 

Worum geht es?

In Haiti ist die Ernährungssituation generell prekär. Das ärmste Land der westlichen Hemisphäre kann die Ernährung der Hälfte seiner Bevölkerung nicht sichern. 80% der Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze, drei Viertel davon in ländlichen Gebieten. Unter- und Mangelernährung sind weit verbreitet. Die Wirtschaft des Landes ist sehr schwach und das politische System sehr instabil. Zerstörerische Naturkatastrophen verschärfen die Situation massiv. Das Projektgebiet im Département Nord-Ouest zählt zu den ärmsten Regionen. Die drei Zielgemeinden Port-de-Paix, Anse-à-Fôleur und Saint-Louis-du-Nord sind neben strukturellen Nachteilen auch besonders stark von den Nachwirkungen der letzten Hurrikans, von wiederkehrenden Dürren und von regelmässigen Überschwemmungen betroffen. 

Im Projektgebiet sind knapp 50% der Bevölkerung von einer akuten Unter- oder Mangelernährung bedroht. Arme Familien können sich aufgrund steigender Preise keine nahrhaften Lebensmittel mehr leisten. In den betroffenen Gemeinden leiden fünf Prozent der unter fünfjährigen Kinder unter akuter Mangelernährung und 22% unter chronischer Mangelernährung. Eine chronische Mangelernährung führt bei Kindern zu Wachstumsverzögerungen und gar Entwicklungsschäden. Während die Landwirtschaft für 70% der haitianischen Bevölkerung eine Existenzgrundlage bildet, trägt sie nur zu 27% des Bruttoinlandprodukts bei. 

Die Ursachen für die prekäre Ernährungssituation sind vielschichtig. Die nationale Produktion deckt nur 50% der Nahrungsbedürfnisse ab, die andere Hälfte muss teuer importiert werden. Insbesondere in entlegenen Regionen sind Nahrungsmittel sehr teuer, da die Transportwege kaum ausgebaut sind. Für arme Familien gibt es keine staatlichen Unterstützungsleistungen. Die Landwirtschaft ist nicht profitabel und dementsprechend wird kaum investiert. Der Zugang zu Produktionsmittel wie Saatgut und Dünger ist beschränkt. Eine Vernetzung zwischen Produktion, Verarbeitung und Verkauf der Produkte findet kaum statt. Die enorme Abholzung der Wälder hat schwerwiegende Auswirkungen auf die Bodenqualität und auf den natürlichen Schutz der Wälder vor Erosion und Überschwemmungen. Fehlende Einnahmen zwingen viele Bauern dazu, die letzten Bäume zu fällen und als Bauholz oder zur Kohleproduktion zur verkaufen. Die Bodenerosion nimmt dadurch zu, es kommt vermehrt zu Hangrutschen und Überschwemmungen. Die schwache Landwirtschaft und karge Vegetation führen auch dazu, dass nicht genug Futter für Vieh vorhanden ist. Zudem ist die medizinische Versorgung des Viehs nicht gewährleistet, wodurch die Todesrate entsprechend hoch ist.

Neben den wirtschaftlichen und umweltbedingten Ursachen sind Governance-Probleme zentral. Die unterentwickelten landwirtschaftlichen Wertschöpfungsketten sind eine Folge fehlenden Austauschs zwischen staatlichen Akteuren, Interessensvereinigungen, Produzenten und Händlern innerhalb und zwischen verschiedenen Branchen. Die staatlichen Behörden erbringen nicht die Dienstleistungen, die der Markt und die sozial Benachteiligten dringend benötigen. Es mangelt ihnen an Know-How und finanzieller Unterstützung für die Erfüllung ihrer Aufgaben. Der haitianische Staat hat dies jedoch erkannt und für das Département Nord-Ouest den «Plan Départemental de Sécurité Alimentaire et Nutritionelle» erstellt. Dieser legt fest, wie Akteure aus verschiedenen Sektoren zusammen die Ernährung der Bevölkerung sichern können. 

 

Was tun wir?

Das Projekt fördert in den Gemeinden Port-de-Paix, Anse-à-Fôleur und Saint-Louis-du-Nord die Entwicklung von Dienstleistungen, die es der armen Bevölkerung ermöglichen, ihre Ernährung dauerhaft selbst zu sichern. Durch die Verbesserung der Governance wird die landwirtschaftliche Produktion erhöht. Das Projekt orientiert sich dabei an dem staatlichen Ernährungssicherheitsplan, um die vorhandenen Strukturen zu stärken. 

Das Projekt fördert die gemeinsame Bewirtschaftung der Wassereinzugsgebiete. Alle Akteure, deren Wasserversorgung an einen bestimmten Wasserlauf geknüpft ist, werden berücksichtigt. Dazu werden Komitees mit Vertreterinnen und Vertretern aus lokalen Landwirtschafts- und Umweltbehörden sowie lokalen Produzenten gegründet. Die Komitees begleiten und bauen mechanische und biologische Infrastrukturen für den Erosionsschutz. Zudem testen sie im Wassereinzugsgebiet Port-de-Paix auf drei Hektaren unproduktiver Fläche einen neuen Ansatz zur Verbesserung des Ödlands. Mit der Technik «Terra Preta» können Böden mit Produktions- und Küchenabfällen, Kohle und Tierexkrementen gedüngt und wieder fruchtbar gemacht werden. Um die jungen Generationen zu sensibilisieren, werden an 15 Schulen Veranstaltungen zu Ernährung, Hygiene und Lebensmittel durchgeführt.

Die Verfügbarkeit und der Zugang zu Nahrungsmitteln werden durch die Stärkung von Wertschöpfungsketten verbessert. Die Beschaffung, Lagerung und Kommerzialisierung von Saatgut wird von lokalen Selbsthilfe-Organisationen koordiniert. Sie erhalten Silos, qualitativ hochwertiges Saatgut und Stecklinge sowie Transportmittel, um die Produkte in die Regionen zu bringen, wo die ärmsten Familien leben. Die Familien starten dann ihre eigene Produktion. Das Projekt fördert zudem die Gründung von Unternehmen im Rahmen der lokalen Selbsthilfegruppen. Über Zuchtstationen werden neue Ziegen- und Geflügelrassen eingeführt, die besser an die lokalen Gegebenheiten angepasst sind. Die lokalen Tiergesundheitsgruppen werden bei der Verbesserung ihrer Organisationen begleitet und bei Impfkampagnen unterstützt. 

In Zusammenarbeit mit lokalen Gesundheitszentren verteilt das Projekt Coupons an Familien mit besonders unter- und mangelernährten Kindern. Die Coupons können sie auf den lokalen Märkten gegen Lebensmittel eintauschen. Um das Geld zu erhalten, können die Marktverkäuferinnen die Coupons wiederum bei ausgewählten Banken einlösen. Zusätzlich werden sie im Management, in der Konservierung, Verpackung, Hygiene und Vermarktung von Nahrungsmitteln geschult. 

Die Diversifizierung der Einkommensquellen und der Schutz der Böden stärkt die Resilienz der Bevölkerung. Die Bauern, die in Saint-Louis-du-Nord und Anse-à-Fôleur Zitrusfrüchte, Kaffee und Kakao anbauen, werden dabei unterstützt, ein System der Agroforstwirtschaft einzuführen. Sie werden mit Frauenkooperativen vernetzt, welche die Rohstoffe weiterverarbeiten. Der Verkauf verarbeiteter Produkte wird zunächst durch das Coupon-System für arme Familien gesichert. Damit haben die Kooperativen genügend Zeit, wirtschaftlich unabhängig zu werden. Aufgrund der schlechten Transportwege werden drei Zugangswege gebaut, um die Zirkulation der Produkte in den Projektregionen zu erleichtern. Da die Märkte eine potenzielle Gefahr für die Übertragung von Krankheiten darstellen, wird an einem ausgewählten Markt der Boden mit Beton versiegelt und eine öffentliche Sanitäranlage installiert. 

Die Caritas Schweiz arbeitet mit zwei etablierten lokalen Organisationen vor Ort : der Groupe d'Appui au Développement Local (GADEL) und der Groupe pour l'Inclusion, la Recherche et l'Appui du Développement d'Haïti (GIRADEL). Beide Organisationen sind in der Region verankert und haben jahrelange Erfahrung in den Bereichen Landwirtschaft, Umweltschutz und Ernährungssicherheit.

 

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