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Guatemala

Gemeinsam Produkte vermarkten

Der traditionelle Anbau von Mais und Bohnen reicht in Guatemala nicht zum Leben. Deshalb richtet Caritas in 15 Gemeinden Landwirtschaftsschulen ein. Um diese in Zukunft finanzieren zu können, unterstützt Caritas die Gemeinden so genannte solidarwirtschaftliche Unternehmen aufzubauen.

 

Land/Region/Ort
Guatemala, San Marcos


Zielgruppe
1'157 Personen (plus ca. 5'000 Personen als indirekte Nutzniesser)


Mittelbedarf
491 075 Franken


Projektdauer
01.01.2016 bis 30.06.2018


Projektnummer
P160017


Projektziel
Stärkung der politischen, technischen und organisatorischen Fähigkeiten der indigenen Gemeinden, damit sie ihr Recht auf ausreichende Ernährung vollumfänglich wahrnehmen können; Reaktivierung der lokalen Wirtschaft nach den Prinzipien des ökologischen Landbaus und der Solidarwirtschaft


Projektverantwortliche
Esther Belliger, Tel: +41 41 419 24 41, ebelligerto make life hard for spam bots@to make life hard for spam botscaritasto make life hard for spam bots.ch


Abteilung
Afrika/Lateinamerika

 
 

Worum geht es?

Guatemala ist eines der ärmsten Länder Lateinamerikas. Im Index für menschliche Entwicklung der UNO belegte das zentralamerikanische Land 2013 den 125. Rang von 187 Ländern. Eine UNO-Evaluation hat zudem aufgezeigt, dass in Guatemala die Armutsrate der indigenen Bevölkerung nahezu doppelt so hoch ist wie jene der Gesamtbevölkerung. Dies weist auf eine ausgeprägte soziale und wirtschaftliche Ausgrenzung der indigenen Volksgruppen hin.

Guatemalas Wirtschaft ist nach wie vor vom Agrarsektor geprägt. Die traditionell wichtigsten Exportprodukte sind Rohkaffee und Bananen sowie Rohzucker, Nüsse und Palmöl. Seit einigen Jahren gewinnen jedoch weitere Sektoren an Bedeutung: Kulturen zur Produktion von Agrotreibstoffen, Wasserkraft, Bergbau und Erdöl. Die massive Förderung dieser Einnahmequellen führt in den betreffenden Regionen zunehmend zu Konflikten.

In der Projektregion, dem an Mexiko grenzenden Departement San Marcos, gehört der überwiegende Teil der Bevölkerung der indigenen Volksgruppe der Maya Mam an. Diese Menschen leben fast ausschliesslich auf dem Land und von der Landwirtschaft. Sie produzieren in erster Linie Bohnen und Mais für den Eigenbedarf, nur knapp 10 Prozent der Produktion gelangen in den Verkauf.

In dieser Region lebt nahezu die Hälfte der Bevölkerung in absoluter Armut. Zudem kann sich die indigene Mehrheit nur sehr beschränkt an den politischen Meinungsbildungs- und Entscheidungsprozessen beteiligen.

Die engere Projektzone, die Munizipalität Concepción Tutuapa, ist landesweit eine der Gemeinden mit dem höchsten Bevölkerungsanteil mit chronischer Mangelernährung. Einer der Gründe dafür liegt in der fortschreitenden Bodenerosion. In den letzten zehn Jahren wurde die landwirtschaftliche Produktion zudem durch den Klimawandel (langanhaltende Trockenperioden im Winter, kurze aber heftige Regenfälle, starke Winde usw.) beeinträchtigt.

 

Was tun wir?

Caritas San Marcos, unsere lokale Partnerorganisation, arbeitet bereits seit vielen Jahren zum Thema der kollektiven Rechte der indigenen Volksgruppen. In der vorhergehenden Projektphase konzentrierte sie sich auf die Ausbildung von indigenen Promotoren/innen. Diese lernten die entsprechenden Gesetzesgrundlagen kennen und wurden befähigt, die Rechte und konkreten Anliegen der indigenen Gemeinden gegenüber den Behörden zu vertreten.

Um die politischen Einflussmöglichkeiten dieser Gemeinden zu erhöhen und ihre Verhandlungsmacht zu stärken, werden sich die Promotoren/innen in der neuen Projektphase zu einem Netzwerk auf Ebene der Munizipalität zusammen schliessen. Dieses Netzwerk wird versuchen, die Politiken und Entwicklungsvorhaben der Kommunalbehörden und lokalen Ableger der Fachministerien im Sinne der indigenen Gemeinden zu beeinflussen.

Die Promotoren/innen erarbeiten an mehreren Workshops konkrete Vorschläge und Projekte zur Verbesserung der Ernährungssicherheit und zur wirtschaftlichen Entwicklung ihres Territoriums. Diese Projekte werden sodann an diversen Lobbying-Treffen mit Vertretern/innen der Kommunal- und Departementsbehörden vorgestellt. Dabei geht es nicht zuletzt darum, von diesen Stellen finanzielle Unterstützung für die Umsetzung der Vorhaben zu erhalten.

Der traditionelle Anbau von Bohnen und Mais reicht den Kleinbauern nicht zum Leben. Deshalb setzt sich Caritas San Marcos dafür ein, dass die Ernährungssicherheit durch Weiterbildung, Verbesserung der Produktion und Einkommensschaffung gefördert wird. Zu diesem Zweck wurden im Vorgänger-Projekt Promotoren/innen im ökologischen Landbau geschult und angeleitet, in ihren Gemeinden Demonstrationsparzellen anzulegen. Im neuen Projekt geht es nun darum, die dort getesteten Methoden der ökologischen Landwirtschaft zu institutionalisieren und zu verbreiten. Dafür werden in 15 Gemeinden kleine „Landwirtschaftsschulen“ eingerichtet. Es ist geplant, in diesen lokalen Schulen insgesamt 70 Jugendliche mittels 20 Ausbildungsmodulen in ökologischer Landwirtschaft zu schulen.

Die Ernährungssicherheit kann jedoch allein durch Verbesserung der Produktion nicht gewährleistet werden. Die Familien müssen zusätzliches Einkommen erwirtschaften, um Nahrungsmittel zukaufen zu können. Das Projekt wird deshalb die Gemeinden von Concepción Tutuapa darin unterstützen, sogenannte solidarwirtschaftliche Unternehmungen aufzubauen. Diese sollen einen Beitrag zur Diversifizierung der Familieneinkommen leisten. Solidarökonomische Unternehmen können z.B. lokal verankerte Produktions- oder Vermarktungsgenossenschaften oder auch genossenschaftlich organisierte Spar- und Leihkassen sein.

In diesem neuen Arbeitsfeld bietet das Projektteam interessierten Personen Aus- und Weiterbildung, technische Beratung sowie gewisse materielle Inputs (Ausrüstung, Material usw.) an. So ist geplant, 20 Ausbildungskurse zum Thema Aufbau von Vorhaben der Solidarökonomie durchzuführen. Zudem werden Austauschtreffen, Messen und Besuche in anderen Kommunen des Departements organisiert, damit die Teilnehmenden konkrete Beispiele von solidarwirtschaftlichen Unternehmungen kennenlernen und von den Erfahrungen anderer Akteure profitieren können. Überdies stehen die technischen Berater des Projekts den angehenden Unternehmern für Beratungsgespräche zur Verfügung.

 

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