Navigation mit Access Keys

 
Uganda

Jugendliche Gefangene erhalten eine Perspektive für die Zukunft

Ein Reintegrationsprojekt hilft straffälligen jungen Menschen in Norduganda beim Aufbau eines kleinen Unternehmens. Neben der Einkommenssicherung soll damit auch die Kriminalitätsrate gemindert werden.

 

Land/Region/Ort:
Uganda, Acholi und Lango-Regionen


Zielgruppe:
800 jugendliche (ex)-Gefangene


Mittelbedarf:
472'941 Franken


Projektdauer:
15.03.2015 bis 28.02.2018


Projektnummer:
P150052


Projektziel:
Das Projekt Advancing Youth Entrepreneurship (AYE) ermöglicht jugendlichen (ex)-Gefangenen den Aufbau einer wirtschaftlichen Existenzgrundlage und leistet damit einen Beitrag zur Verbrechens- und Gewaltminderung


Projektverantwortliche:
Kathrin Wyss, Tel:+41 41 419 22 39, kwyssto make life hard for spam bots@to make life hard for spam botscaritasto make life hard for spam bots.ch


Abteilung:
Afrika/Lateinamerika

 
 

Worum geht es?

Die Folgen des jüngsten, fast 20 Jahre andauernden Bürgerkriegs zwischen der Regierung und der Lord Resistance Army zeichnen nach wie vor die Gesellschaft sowie die soziale und wirtschaftliche Infrastruktur Nordugandas. Der weitaus grösste Teil der nordugandischen Bevölkerung verbrachte die Kriegsjahre in Lagern für Intern Vertriebene, sogenannten IDP-Camps. Neben massiver Gewalt und grossen Entbehrungen ging diese Erfahrung einher mit der Zerrüttung der Gesellschafts- und Familienstrukturen sowie dem Verlust von kulturellen Werten und Wissen.

Der grösste Teil der heutigen Jugendlichen in Regionen wie Acholi oder Lango sind in IDP-Camps aufgewachsen. Viele haben, wenn überhaupt, nur eine notdürftige Schulbildung genossen. Von Ackerbau und Viehzucht, den wirtschaftlichen Existenzgrundlagen ihrer Eltern und Großeltern, haben sie kaum eine Ahnung, und alternative Arbeitsmöglichkeiten sind rar. Mittels verschiedener Wiederaufbauprogramme versuchen die ugandische Regierung und die internationale Gebergemeinschaft die maroden Verhältnisse in den ehemaligen Kriegsgebieten zu verbessern. Ihre Anstrengungen werden gebremst unter anderem durch Korruption und eine rasant wachsende Bevölkerung.

Für junge Menschen ist die Situation besonders schwierig. Viele unter ihnen sind arbeitslos, nicht wenige traumatisiert durch die Erlebnisse und den Existenzkampf während und nach dem Krieg. Ob ein direkter Zusammenhang zwischen diesen Erfahrungen und der im nationalen Vergleich sehr hohen Suizidrate besteht, bleibe dahingestellt. Tatsache hingegen ist, dass Jugendliche immer öfter als Lösung den Ausweg in die Kriminalität wählen. Die Gefängnisse sind überfüllt, und hier, mehr noch als anderswo, fehlen definitiv die Voraussetzungen, um jungen Menschen eine Perspektive für die Zukunft zu geben. Hinzu kommt die gesellschaftliche Stigmatisierung, mit der sich die Jugendlichen konfrontiert sehen, sobald sie ihre Gefängnisstrafe abgesessen haben, und deshalb Gefahr laufen, rückfällig zu werden. Vor dem Hintergrund einer von Gewalt geprägten Vergangenheit und unsicheren politischen Zukunft bieten diese Verhältnisse einen Nährboden für zukünftige Konflikte.

Die Partnerorganisation von Caritas Schweiz, Advance Afrika, ist eine von jungen Ugandern ins Leben gerufene Initiative, die sich zum Ziel gesetzt hat, in enger Zusammenarbeit mit den Gefängnisbehörden benachteiligten Jugendlichen und jungen Gefängnisinsassen in Norduganda über die Vermittlung von unternehmerischem Wissen und beim Aufbau wirtschaftlicher Kleinprojekte eine Zukunftsperspektive zu geben, und zusätzlich dazu einen Beitrag zur Kriminalitäts- und Gewaltminderung zu leisten.

 

Was tun wir?

Zweck des Projektes AYE ist die sozio-ökonomische (Re)integration ehemaliger jugendlicher Straftäter in den Acholi und Lango Regionen Nordugandas. Dabei gilt es einerseits 800 weibliche und männliche Sträflinge im Alter zwischen 18 und 35 Jahren über drei Jahre hinweg mit theoretischem und praktischem Wissen in Geschäftsaufbau und -führung auszurüsten, sowohl während wie auch nach der Gefangenschaft. Zum anderen werden sie nach ihrer Freilassung bei der Entwicklung und Umsetzung einer einfachen praktischen Geschäftsidee individuell unterstützt und begleitet. Das Projekt ist überzeugt, dass das Umfeld in Uganda im Allgemeinen und in Norduganda im Besonderen für fachlich ungelernte Arbeitskräfte ausreichend Möglichkeiten bietet, dass sich diese Zielgruppe wirtschaftlich erfolgreich etablieren kann. Der vorgeschlagene Ansatz entspricht zudem der dringenden Notwendigkeit nach unmittelbaren Lösungen angesichts des beschränkten Angebots an Berufsbildungsmöglichkeiten sowie der begrenzten Absorptionskapazität der bestehenden Wirtschaft.

Das benötigte Hintergrundwissen und das Coaching bei der Realisierung der Geschäftsideen werden durch Betriebswirtschafts-Studenten aus der jeweiligen Region im Rahmen ihrer Masterarbeit vermittelt und geleistet. Sie sind es auch, die in Gefängnissen ausgewählte Wärter ausbilden, welche den jugendlichen Insassen bis zu ihrer Freilassung anhand eines eigens entwickelten Kurrikulums den Zugang zu demselben Wissen sichern. Nach ihrer Freilassung übernehmen besagte Studenten, zusammen mit gestandenen Geschäftsleuten die weitere Betreuung. Daneben dient der Aufbau zweier kleiner Modellfarmen in Gulu und Lira der kurzfristigen Beschäftigung einzelner Jugendlicher, der praktischen Lehre, sowie der Erwirtschaftung von Startup Kapital für die Begünstigten.

Das soziale (Re)integrationselement des Projekts zielt auf die Sensibilisierung der Gesellschaft für die Hintergründe von Jugendkriminalität und damit auf die Überwindung der bisherigen Stigmatisierung und Ausgrenzung ehemaliger Gefangener. Falls nötig werden die jugendlichen ex-Gefangenen zudem an psychologische Fachstellen verwiesen und damit die Tatsache berücksichtigt, dass ein Grossteil der nordugandischen Bevölkerung und namentlich Gefängnisinsassen unter kriegsbedingten mentalen Traumata leidet.

Ersatzinhalte