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Südsudan

Zweite Chance für Schulabbrecher

In Zusammenarbeit mit dem Bildungsministerium baut die Caritas in Ost-Äquatoria 16 Schulzentren auf. Hier können Kinder und Jugendliche, die nie eine Schule besucht oder diese abgebrochen haben, ihre Schulausbildung nachholen. Der Unterricht findet nachmittags und mit verkürztem Lehrplan statt, was es den Schülern ermöglicht, die Grundschule bereits nach vier anstatt acht Jahren abzuschliessen. 

 

Land/Region/Ort
Südsudan, Ost-Äquatoria


Zielgruppe
Kinder, Jugendliche, Lehrer, Beamte des Bildungsministeriums und Gemeinden


Mittelbedarf
2 072 140 Franken


Projektdauer
01.01.2016 bis 31.12.2019


Projektnummer
P150091


Projektziel
Das Projekt leistet einen Beitrag zur sozialen Entwicklung der Bevölkerung im Südsudan durch die Bereitstellung von Bildung für Kinder und Jugendliche, die nicht Teil des formellen Bildungssystems sind, oder die Schule abgebrochen haben.


Projektverantwortliche
Kirsten Müller, Tel: +41 41 419 22 76; kimuellerto make life hard for spam bots@to make life hard for spam botscaritasto make life hard for spam bots.ch


Abteilung
Afrika/Lateinamerika

 
 

Worum geht es?

Seit im Dezember 2013 bewaffnete Kämpfe zwischen Anhängern des Präsidenten Salva Kiir Mayardit und des zuvor abgesetzten Vize-Präsidenten Riek Machar ausgebrochen sind, ist Südsudan von grossen politischen und sozialen Unruhen betroffen. Während der Konflikt ursprünglich das Resultat langanhaltender Machtkämpfe war, schlug er sich mit der Zeit auch in ethnischen Auseinandersetzungen nieder. Die Zivilbevölkerung ist von den Kampfhandlungen stark betroffen, was sich in rasant anwachsenden Zahlen Intern Vertriebener im Land auszeichnet. Der am 23. Januar 2014 beschlossene Waffenstillstand wurde durch sporadische Zusammenstösse zwischen den Konfliktparteien gebrochen, was weiterhin zu grosser Unsicherheit in der südsudanesischen Bevölkerung führte. Seit Ausbruch des Konfliktes im Dezember 2013 sind bisher schätzungsweise 1.641 Millionen Menschen innerhalb des Landes vor den Auseinandersetzungen geflohen, während ca. 622‘360 Personen Zuflucht in den Nachbarländern suchten.

Bereits vor seiner Unabhängigkeit im Jahr 2011 befand sich das Land in einem zwei Jahrzehnte andauernden Bürgerkrieg, der zwischen dem Norden sowie dem Süden des Sudans ausgetragen und im Jahr 2005 beigelegt wurde. Dieser Bürgerkrieg, sowie die aktuellen Kampfhandlungen im jüngsten Staat der Welt, erschweren jede Art von Entwicklung. Dies wird vor allem anhand der mangelnden Bereitstellung grundlegender Dienstleistungen, wie beispielsweise Bildung, deutlich. Die Bildungsindikatoren des Südsudans gehören zu den niedrigsten weltweit: 84 Prozent der Frauen und 73 Prozent der Männer sind Analphabeten. Etwa 26 Prozent der Grund- und Sekundarschüler brechen die Schule ab, wobei die Zahl an Mädchen besonders hoch ist. Kulturelle und soziale Faktoren, wie beispielsweise eine frühe Heirat, die Unterstützung durch Mädchen im Familienhaushalt, der Beginn der Pubertät sowie mangelnde mädchengerechte Schulinfrastrukturen, gelten als treibende Faktoren für die bestehende Situation.

Jugendliche, die in einer von Konflikten geprägten Umwelt aufwachsen und wenige Aussichten auf eine Beschäftigungsmöglichkeit haben, können ein destabilisierender Faktor für eine Gesellschaft sein. Daher ist ihre Bildung und Ausbildung besonders wichtig. Das Projekt hat daher zum Ziel, Kindern und Jugendlichen, die nicht Teil des formellen Schulsystems sind bzw. die Schule abgebrochen haben, den Zugang zu alternativen Bildungssystemen zu ermöglichen, um ihre Chancen in der Arbeitswelt zu erhöhen und so zu einer Stärkung der südsudanesischen Gesellschaft beizutragen.

 

Was tun wir?

Caritas Schweiz ist seit mehr als 30 Jahren im Südsudan aktiv tätig. Seit 1999 konzentrieren sich die Aktivitäten im Bereich Entwicklung und Nothilfe auf den Bundesstaat Ost-Äquatoria. Im Südsudan, eines der ärmsten Länder der Welt, sind die Bildungsindikatoren besonders niedrig. Caritas hat bereits mehrere Projekte im Bereich Bildung umgesetzt mit dem Ziel, der Bevölkerung den Zugang zu Bildung und notwendige schulische Baumassnahmen zu ermöglichen.

Im Jahr 2002 verabschiedete die südsudanesische Regierung ein alternatives Ausbildungssystem, um Kindern und Jugendlichen, die die Schule abgebrochen oder nie besuchen konnten, den Zugang zu Bildung zu gewähren. Im Jahr 2013 nahmen in Ost-Äquatoria bereits 3‘816 Personen dieses Angebot wahr, jedoch ist die Nachfrage noch immer gross. Um der hohen Analphabetenrate im Südsudan entgegenzuwirken und eine breite und umfassende Wirkung zu erzielen, werden im Rahmen des Projekts Lehrkräfte fortgebildet und die Bewusstseinsbildung von Regierungsbeamten und Gemeinden im Bereich Bildung gestärkt.

Hierfür ist zunächst der Ausbau des alternativen Ausbildungssystems im Südsudan wichtig, da es Kinder und Jugendliche ermutigt, wieder Teil des formellen Bildungssystems zu werden. So werden in Zusammenarbeit mit dem Bildungsministerium 16 Zentren in vier Bundesstaaten Ost-Äquatorias aufgebaut, an denen Kinder und Jugendliche, die zu alt sind, um eine Grundschule zu besuchen, oder die die Schule abgebrochen haben, ihre Schulausbildung beginnen bzw. fortsetzen können. Der Unterricht findet nachmittags statt, und es wird ein verkürzter Lehrplan angewandt, der es den Schülern ermöglicht, die Grundschule bereits nach vier anstatt acht Jahren abzuschliessen.

Während der Projektlaufzeit sollen ca. 200 Schüler pro Zentrum unterrichtet werden, wobei insbesondere Mädchen und Frauen zu einer Teilnahme ermutigt werden. Es werden Radioprogramme entwickelt und gesendet, in denen die Wichtigkeit von Schulbildung, insbesondere für Mädchen, öffentlich diskutiert wird. Auch im Rahmen von Informationsveranstaltungen in verschiedenen Gemeinden wird die Bedeutung von Bildung verbreitet. In Zusammenarbeit mit dem Bildungsministerium werden zudem die pädagogischen Kenntnisse von ca. 64 Lehrkräften ausgebaut. Sie werden in konfliktsensiblen und inklusiven Lehrmethoden geschult, um an den Zentren, aber auch an Grundschulen zu unterrichten.

Viele Familien in Ost-Äquatoria sind Viehhirten. Da meist die Kinder für die Begleitung der Herden verantwortlich sind, können sie keine Schule besuchen. Unter Berücksichtigung dieser Lebensweise wird eine Studie durchgeführt, die die Möglichkeit alternativer Schulsysteme untersuchen soll. Auf Basis der Studienergebnisse ist geplant, zwei mobile Bildungszenten für Viehhirten einzuführen, wodurch etwa 140 Schüler Zugang zu Bildung erhalten sollen.

Die gesamte Projektumsetzung findet in enger Kooperation und Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden, wie dem Bildungsministerium von Ost-Äquatoria, und Gemeinden statt. So liegt ein weiterer Fokus des Projekts auf kapazitätsfördernden Massnahmen für ca. 38 Angestellte des Bildungsministeriums. Ziel ist es, ihr Bewusstsein für alternative Lernprogramme zu stärken. Die Beamten sind für die Festlegung von Bildungsstandards, die Qualitätssicherung und die Überwachung der Schulen, Lehrer und Schüler verantwortlich. Ein zentraler Bestandteil der Fortbildung ist der Ausbau ihrer Kenntnisse und eine Stärkung ihrer Kompetenzen, um ihre Aufgaben vollumfänglich wahrnehmen zu können.

 

This document has been produced with the financial assistance of the European Union. The contents of this document are the sole responsibility of Caritas Switzerland and can under no circumstances be regarded as reflecting the position of the European Union.

 

 

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