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Rumänien

Gesundheit und Bildung für Roma

Armut, fehlende Bildung und Diskriminierung führen dazu, dass Roma heute in Rumänien unter menschenunwürdigen Bedingungen leben und kaum am politischen, kulturellen und gesellschaftlichen Leben des Landes beteiligt sind. Dem möchte dieses Projekt mit drei Caritas- Gemeindezentren für Roma in Ardud, Baia Mare und Turulung entgegenwirken. Dort erhalten Kinder und Jugendliche Unterstützung beim Lernen, für Erwachsene und Jugendliche werden Weiterbildungskurse angeboten. Gesundheits- und Hygieneprogramme erleichtern den Kindern, aber auch den Eltern den Zugang zur Gesundheitsversorgung. Zudem werden Mitglieder der Gemeinden beim Aufbau eigener Projekte unterstützt.

 

Land/Region/Ort
Rumänien, Landkreise Satu Mare und Maramures im Nordwesten Rumäniens (Ortschaften: Ardud, Baia Mare, Turulung)


Zielgruppe
Benachteiligte Mitglieder der Volksgruppe der Roma


Mittelbedarf
4 146 993 Franken


Projektdauer
01.02.2014 bis 30.06.2018


Projektnummer
P120145


Projektziel
Verbesserung der Lebensbedingungen der Roma-Minderheit in Ardud, Baia Mare und Turulung durch Bildungsarbeit (Zugang und Qualität), Sensibilisierung bzw. Verbesserung des Zugangs im Gesundheitsbereich und Stärkung der Fähigkeit von Roma-Gemeinden zu ihrer eigenen Entwicklung beizutragen. Das Projekt ist Teil des Erweiterungsbeitrages der Schweiz an Rumänien. 


Projektverantwortlicher
Berry Kralj, Tel: +41 41 419 24 91; bkraljto make life hard for spam bots@to make life hard for spam botscaritasto make life hard for spam bots.ch


Abteilung
Asien/Europa

 
 

Worum geht es?

Mit 237‘500 km2 ist Rumänien rund fünfmal grösser als die Schweiz. Das Land hat heute etwa 20 Millionen Einwohnerinnen und einwohner, in den vergangenen zwei Jahrzehnten haben etwa 3.5 Mio. Rumänen und Rumäninnen das Land verlassen, um vor allem in Westeuropa Arbeit und bessere Verdienstmöglichkeiten zu finden – ein verständlicher Schritt bei einem Nettodurchschnittseinkommen von etwa 500 CHF und einem Mindesteinkommen von etwa 220 CHF.

Das Land ist gekennzeichnet durch grosse Entwicklungsunterschiede: Während manche städtische Zentren in den vergangenen Jahren einen schnellen Entwicklungsprozess erfuhren und Arbeitsplätze vor allem für besser ausgebildete Menschen zur Verfügung stehen, hat sich in vielen ländlichen Gebieten in den letzten Jahrzehnten wenig verändert und viele Menschen bestreiten nach wie vor mit Subsistenzlandwirtschaft ihren Lebensunterhalt.

Auch wenn Rumänien heute Teil der Europäischen Union ist, hat der Staat nach wie vor große Schwierigkeiten, all seinen Bürgerinnen und Bürgern die grundlegendsten Dienste in entsprechender Qualität anzubieten. Das gilt vor allem für Gesundheit und Bildung, zwei Bereiche, die den Bedürfnissen ärmerer Bevölkerungsschichten kaum gerecht werden.

Mit geschätzten 1.8 Millionen Angehörigen bilden Roma die grösste Minderheit Rumäniens. Viele von ihnen leben in extremer Armut am Rande der Gesellschaft. Ihre Ausgrenzung ist oft bereits auf den ersten Blick erkennbar: Sie leben in menschenunwürdigen Bedingungen in eigenen Siedlungen am Rande der Dörfer und Städte.

Die wenigsten Roma haben einen festen Arbeitsplatz. Gelegenheitsjobs, zum Beispiel in der Landwirtschaft, das Sammeln von Altstoffen und die (geringe) staatliche Sozialhilfe bilden das wichtigste Einkommen der Familien. Ein wichtiger Grund dafür ist der niedrige Bildungsstand: Überdurchschnittlich viele Roma-Kinder besuchen entweder überhaupt keine Schule, brechen diese vorzeitig ab oder erzielen nur schlechte Resultate. Nur eine kleine Minderheit schafft es, eine Berufsausbildung abzuschliessen.

Armut, fehlende Bildung und Diskriminierung führen dazu, dass Roma heute kaum am politischen, kulturellen und gesellschaftlichen Leben des Landes beteiligt sind und damit auch in der Ausübung ihrer Rechte in einer demokratischen Gesellschaft vielfach eingeschränkt sind.

Die Schweizer Regierung hat im Rahmen des Erweiterungsbeitrages der Schweiz an Rumänien Caritas Schweiz eingeladen, einen Vorschlag zu unterbreiten, wie die Lebensverhältnisse von Roma und anderen sozial benachteiligten Gruppen in Rumänien nachhaltig verbessert werden könnten. Caritas Schweiz und ihre Partnerorganisation in Rumänien, Caritas Satu Mare, verfügen über mehrjährige Erfahrung in der Arbeit mit Roma und haben das folgende Projekt ausgearbeitet, das in den Landkreisen Satu Mare und Maramures im Nordwesten Rumäniens umgesetzt wird. 

 

Was tun wir?

Das Projekt wird im Rahmen von drei Gemeindezentren in den Ortschaften Ardud (ländliche Kleinstadt), Turulung (Dorf) und Baia Mare (grössere Stadt) durchgeführt. Diese Zentren beherbergen Kindergartengruppen und Tageszentren für Schulkinder, bieten aber auch geeignete Räume für alle anderen Projektaktivitäten und Treffen.

1) Ausbildung

Im Rahmen dieser Projektkomponente möchte die Caritas Kindern und Jugendlichen eine erfolgreiche schulische Ausbildung ermöglichen. In den Caritas-Zentren werden Kinder aus den Romasiedlungen in Kindergartengruppen und in die Nachmittagsbetreuung von gut ausgebildeten Pädagogen beim Lernen betreut. Bei besonderen Lernschwierigkeiten steht auch ein Psychologe zur Verfügung. Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter stehen im ständigen Kontakt mit den Eltern der Kinder, aber auch mit den Schulen, um bei etwaigen Problemen sofort nach Lösungen suchen zu können. Durch diese Unterstützung wird erreicht, dass die Kinder nicht nur die Schule nicht vorzeitig abbrechen, sondern auch ihre schulischen Leistungen verbessern.

Ergänzt werden die Ausbildungsangebote durch Programme für Jugendliche und Erwachsene, darunter Alphabetisierungskurse, Handwerkspraktika, Mutter-Baby-Klubs und Begleitung beim Finden von Arbeitsplätzen.

2) Gemeindeentwicklung

In allen drei Gemeinden wurden «Initiativgruppen» gegründet, dabei handelt es sich um Gruppen von Mitgliedern der Gemeinden, die bereit sind, sich für ihre Gemeinde einzusetzen und die gleichzeitig auch das Vertrauen der anderen Gemeindemitglieder genießen. Diese Gruppen werden von Projektmitarbeitern betreut und begleitet. Die Gruppen definierten selbst die Schwerpunkte ihrer Arbeit und führten eigene Kleinprojekte durch. Dazu zählen die Errichtung von befestigen Zugangswegen, die Verbesserung der Wasserversorgung oder die Müllentsorgung. Die Gruppen spielen eine wichtige Rolle in der Kommunikation zwischen der Gemeinde, den Zentren und den lokalen Behörden.

3) Gesundheit

Programme zur Gesundheits- und Hygieneerziehung werden sowohl für die Kinder in den Zentren wie auch für ihre Eltern organisiert. Krankenschwestern und Gesundheitsmediatoren stehen für persönliche Beratung bereit, betreuen Schwangere und Mütter mit neugeborenen Babys und vermitteln Besuche bei Fachärzten bzw. die Anmeldung bei Familienärzten. Regelmässig werden Gesundheitskampagnen zu Themen wie Impfungen oder Bekämpfung von Parasiten (Kopfläuse, etc.) durchgeführt.

4) Multiplikation der Projektergebnisse

Erfolgreiche neue Methoden, die im Projekt entwickelt wurden, sollen auch in anderen Ortschaften zur Anwendung zu kommen. So ist geplant, in 20 weiteren Orten, zusammen mit den lokalen Schulbehörden, Kindergärtnerinnen in neuen Unterrichtsmethoden auszubilden. Auch das Modell zur lokalen Gemeindeentwicklung durch Initiativgruppen soll auf weitere zehn Gemeinden ausgedehnt werden. Dazu werden Weiterbildungsprogramme sowohl für die Mitglieder der neuen Gruppen wie auch für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der lokalen Behörden angeboten.

 

Bildergalerie: Gesundheit und Bildung für Roma in Rumänien

 

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