Palästina

Kinder verarbeiten den Krieg

Im Gazastreifen wachsen viele Kinder zwischen Krieg, Gewalt und Perspektivlosigkeit auf. Häufig ziehen sie sich zurück, werden apathisch oder aggressiv, und verlieren die Fähigkeit und Motivation, um zu lernen. Die Caritas hilft ihnen mit einem 10-Wochen-Programm dabei, mit den schwierigen Bedingungen umzugehen, mit zurückgewonnenem Lebensmut den Alltag zu meistern und gestärkt und lernfähig wieder am Schulalltag teilzunehmen.

 

Land / Region / Ort
Palästina / Gaza


Zielgruppe
Kinder im Alter von 6 bis 12 Jahren und ihre Eltern


Mittelbedarf
Rund 747‘000 Schweizer Franken pro Jahr


Projektdauer
Langfristige Kinderpatenschaft


Projektnummer
P190032


Projektziel
Kinder im Gazastreifen überwinden Lernbarrieren und steigern ihre Lernleistungen. Sie lernen, positiver mit den Auswirkungen ihrer Ausnahmesituation umzugehen, welche durch die andauernde israelische Blockade, innerpalästinensische Konflikte, der Furcht vor einem neuen Krieg, einer übervölkerten Umgebung und einem mangelhaft ausgestatteten Bildungssystem geprägt ist. Ein ausserschulisches Bildungsprogramm ermöglicht ihnen, entsprechend ihrer Entwicklungsstufe und -bedürfnisse zu lernen und somit wieder in ihren Lernfluss einzusteigen.   


Projektverantwortliche
Caritas Schweiz, infonot shown@caritasto make life hard for spam bots.ch

 
 

Worum geht es?

Die Lebensbedingungen für die 2 Millionen Bewohnerinnen und Bewohner des Gazastreifens, der als eines der meist übervölkerten Gebiete der Welt gilt, sind geprägt von einer instabilen, sich stetig verschlechternden politischen und sozio-ökonomischen Lage. Die andauernde Blockade durch Israel und auch Ägypten und die Auswirkungen der letzten drei Kriege haben der Wirtschaft und der Infrastruktur so grosse Schäden beigefügt, das eine grundlegende Versorgung der Bevölkerung nicht möglich ist. Die innerpalästinensischen Konflikte verhindern eine funktionierende öffentliche Verwaltung und verschärfen so vorhandene Probleme wie Arbeitslosigkeit, steigende Armut und die Krisen im Trinkwasser- und Stromversorgungsbereich. Viele Bewohnerinnen und Bewohner Gazas belastet ausser ihrer prekären wirtschaftlichen Situation und der politischen Unsicherheit auch die Angst vor einem neuen Krieg. Zu der humanitären Krise kommt eine steigende Hoffnungslosigkeit in der Bevölkerung.

Auch in Gaza bilden Kinder die verletzlichste Gruppe – sie leiden nicht nur unter Trauma und Stress sowie der desolaten humanitären Lage, sondern es mangelt ihnen auch an sicheren Räumen zum Spielen und überhaupt an einem gesunden und geborgenen Umfeld. Die Kinder von Gaza wachsen mit einem tiefen Gefühl der Hoffnungslosigkeit und Unsicherheit bezüglich ihrer Zukunft auf. Die meisten Kinder haben noch nie die 365 km2 des Gazastreifens verlassen können und haben in den letzten zehn Jahren drei militärische Eskalationen miterlebt. Sie besuchen überfüllte Schulen im Schichtbetrieb und sind in manchen Fällen physischen Bestrafungen durch Lehrpersonal und Eltern ausgesetzt. Die Kinder von Gaza haben, in verschiedenen Abstufungen, Traumatisches erlebt. Das wirkt sich auf ihre Fähigkeit aus, Informationen aufzunehmen und zu verarbeiten. Meist zeigt sich das in einer Mischung aus psychosozialen Störungen, Entwicklungsrückschritten und einer verminderten Widerstandsfähigkeit, um mit den gegebenen Lebensbedingungen zurechtzukommen. 

Kinder, die in einem stressigen Umfeld aufwachsen, sind oft körperlich und emotional beeinträchtigt. Ihr Bewegungsapparat und ihre Sinne und Emotionen «schliessen zu», um sie vor weiteren negativen Erfahrungen zu schützen. Die Kinder verschliessen sich, bleiben zu Hause, werden apathisch, zeigen keine Empathie gegenüber anderen und verlieren das Interesse und die Motivation zu lernen. Andere werden aggressiv und können sich schlecht konzentrieren. Traumatische Erlebnisse und anhaltender negativer Stress beeinträchtigen das Nervensystem und mindern die Lernfähigkeit und Lernbereitschaft weiter. Die Kinder fallen in ihrer Entwicklung zurück und können den Erwartungen des Schulsystems nicht standhalten. Dies führt zu weiteren Frustrationen und negativem Stress. Das Schulsystem in Gaza ist nicht in der Lage, hierauf zu reagieren, da dem Lehrpersonal weder eine entsprechende Ausbildung noch Kapazitäten zur Verfügung stehen, um den einzelnen Kindern zu helfen. Auch die Eltern wissen nicht, wie sie hiermit umgehen sollen und greifen oft zu körperlichen Strafen, was die Situation nur weiter verschlimmert. Die Kinder in Gaza benötigen Hilfe, um mit psychosozialen Belastungen umgehen zu können. Sie müssen ihre sensorischen und emotionalen Fähigkeiten wiedererlernen, die die Voraussetzung für ihre Lernfähigkeit sind.

 

Was tun wir?

Schätzungsweise 300’000 Kinder in Gaza benötigen psychosoziale Unterstützung, während ihre Familien um die Sicherung des Lebensunterhaltes kämpfen und das Lehrpersonal, das oft selbst Traumatisches erlebt hat, überfordert und überlastet ist. 
Vor allem nach der letzten Runde kriegerischer Auseinandersetzungen 2014 in Gaza wurde der Bedarf an Unterstützung für Kinder mit Lernschwierigkeiten offensichtlich. Caritas Schweiz hat seine spezielle Lernmethode «Essence of Learning» mit Hilfe des lokalen Partners Youth Empowerment Center (YEC) auf die lokalen Gegebenheiten angepasst und setzt diese seit 2014 in Gaza ein. Das Projekt ist auf Kinder zwischen 6-9 und 9-12 Jahren abgestimmt und wird in 12-wöchigen Kursen fünf Mal die Woche von speziell ausgebildeten Erzieherinnen und Erziehern umgesetzt. Die laufende Projektphase wird in sechs mobilen Zentren in Gaza Stadt und im Süden und Norden Gazas nahe der Grenzregionen durchgeführt, damit auch Kinder und ihre Eltern, die in schwer erreichbaren Gegenden in Gaza wohnen, Zugang zu dem Programm haben.

Die eingesetzte ganzheitliche, kindzentrierte Methode verbindet pädagogische und psychosoziale Komponenten, und addressiert Probleme wie Angst, Unruhe, Unsicherheit, Wut und Zurückgezogenheit. Mädchen und Jungen können sich in einer sicheren Umgebung treffen, spielen, lernen und unter der Anleitung von speziell ausgebildeten Lehrpersonal verschiedene Programmaktivitäten ausführen. Der Ansatz wurde entwickelt, um traumatisierten Kindern mit Lernschwierigkeiten ihre Lernfähigkeit zurückzugeben und ihre Resilienz zu stärken, damit sie wieder auf den Stand altersgerechter Schulleistungen kommen können. Das Programm (re-)aktiviert die Sinneswahrnehmungen und das Körperbewusstsein der Kinder durch verschiedene sinnliche Aktivitäten, Malen und Geschichtenerzählen. Dabei beziehen sich die Programmaktivitäten (Malen, Rollenspiele, Modellieren und Bewegungsspiele) jeweils auf ein wöchentliches Thema, wobei die Schulfächer mit abgedeckt werden. Kinder werden ermutigt, ihre Gefühle über Erlebtes auszudrücken, und so ihr verdrängtes Gedächtnis und die Kontrolle darüber wiederzuerlangen. Die dabei verwendeten Materialien zum Spielen, Lernen und für kreative Aufgaben bestehen aus Natur- und Recyclingmaterialien aus der Umgebung der Kinder. Das Heranziehen solcher Materialien hat sich als sehr sinnvoll erwiesen, da diese überall vorhanden sind und ohne weitere Kosten genutzt werden können. Hierdurch wird die Kreativität der Kinder angeregt und auch ihre Selbstorganisation wird gefördert. Dies stärkt ihre Resilienz und hilft in der Wiederherstellung ihres Selbstwertgefühls. Innerhalb der zwölf Wochen des Programms werden die Anforderungen und die Komplexität der Aufgaben enstprechend der Lernstufe des Kindes angepasst, bis sie wieder auf ihrem jeweiligen normalen Stand angekommen sind.

Die Erfahrungen aus vorangegangenen Projekten zeigen, dass mindestens 85% der teilnehmenden Kinder ihre Lernfähigkeit und Widerstandskraft verbessern konnten. Sollte dem nicht so sein, können sie weiter im Programm bleiben bzw. werden an therapeutische Spezialisten verwiesen. Das Programm stärkt auch die Fähigkeit der Eltern, ihre Kinder zu unterstützen, indem sie Kenntnisse über frühkindliche Entwicklung und Lernfluss erwerben. Die Eltern lernen, wie man mit Hilfe von Recyclingmaterialien Spiel- und Lernmaterialien herstellen, und eine positive Umgebung für ihre Kinder schaffen kann. Zusätzlich zu Trainings finden auch Hausbesuche bei den Familien statt. 
Aufgrund der prekären Ernährungssituation in Gaza stellt das Projekt den teilnehmenden Kinder gesunde Snacks während der Aktivitäten zur Verfügung sowie kleine Obst-/Gemüsekörbe, die die Kinder an zwei Tagen die Woche mit nach Hause nehmen können, um sie mit ihrer Familie zu teilen. 

 

Ihre Patenschaft

 
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