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Palästina

Kinder verarbeiten den Krieg

Mit Unterstützung der Caritas engagiert sich die lokale Hilfsorganisation YEC in Gaza seit 2008 erfolgreich für Kinder und Jugendliche. Die wichtigsten Aktivitäten sind psychosoziale Betreuung, öffentliche Gesundheitsprogramme für Kinder und die Erweiterung des Bildungsangebotes. Der Hauptstandort der Organisation ist Gaza Stadt mit drei Centern im Norden und drei Stationen in Kindergärten und Schulen. Derzeit beschäftigt YEC 40 Mitarbeitende aus den Bereichen Sozialwissenschaft, Psychologie, Erziehung und Gesundheitswesen.

 

Land/Region/Ort
Palästina/Israel, Gaza


Zielgruppe
Jährlich rund 5000 Kinder und ihre Familien sowie Bezugspersonen in Schulen und Institutionen.


Mittelbedarf
Rund 186'000 Franken pro Jahr


Projektdauer
Langfristiges Kinderpatenschaftsprojekt


Projektnummer
P150031


Projektziel
Traumatisierte Kinder im Norden Gazas lernen mit den schwierigen Bedingungen der Blockade und Besatzung umzugehen. Abbau und Überwindung von traumatischen Folgen von Gewalt durch Erwachsene und Umgang mit auf den Konflikt ausgerichteten Curriculum durch Er-lernen von individuellen Techniken zum Stressabbau.


Projektverantwortliche
Patrick Koop, Tel: +41 41 419 23 13, pkoopto make life hard for spam bots@to make life hard for spam botscaritasto make life hard for spam bots.ch


Abteilung
Asien/MONA

 
 

Worum geht es?

Die Palästinensergebiete sind seit 1967 durch Israel besetzt. Israel hat sich 2005 vordergründig aus dem Gazastreifen zurückgezogen, kontrolliert ihn aber immer noch und ist nach internationalem Recht nach wie vor die Besatzungsmacht. Seit dem Sturz des ägyptischen Präsidenten Mursi wurden zudem die Tunnels in den Sinai geschlossen. Sie waren überlebenswichtig für die Ökonomie in Gaza und Güter und Ersatzteile aller Art wurden so in den Gaza importiert. Die Arbeitslosigkeit ist seither weiter dramatisch angestiegen. Häusliche Gewalt und/oder chronische Depression sind an der Tagesordnung. Eine Folge davon ist, dass Kinder auf sich alleine gestellt sind und gleichzeitig unter enormem gesellschaftlichen Druck stehen.

Im Dezember 2008 bombardierte die israelische Armee drei Wochen lang den Gazastreifen und drang mit Bodentruppen ein. Eine weitere gezielte schwere Bombardierung erfolgte im November 2012 als Antwort auf Angriffe der Hamas auf die umliegenden israelischen Siedlungen. Die Bevölkerung war schweren Erschütterungen ausgesetzt und viele Menschen reagierten mit akuten post-traumatischen Belastungsstörungen wie nervöser Unruhe, Bettnässen, Kopfschmerzen, Erbrechen, aber auch Aggression und Eigenverletzungen. Bis vor Kurzem waren die Symptome akuter Traumatisierung im Alltag nicht mehr spürbar. Was zurückblieb, ist aber das Gefühl von Ohnmacht, Frustration und Aggression, jederzeit militärischen Angriffen und drastischen ökonomischen Sanktionen ausgesetzt zu sein, was durch die seit Juli 2014 stattfindenden Angriffe auf Gaza wieder verstärkt wird.

Die Hamas reagiert auf diese Situation mit einer antiisraelischen Rhetorik und Konfliktpropaganda, die sich bis in den Schulalltag fortsetzt. Seit 2013 ist das Schulfach Jihad in allen öffentlichen und privaten Schulen als Pflichtfach eingeführt worden. Kinder wachsen so in einem belastenden auf Konflikt ausgerichteten Umfeld auf. Schulischer Stress, Druck durch die Eltern zusammen mit der grossen Unsicherheit wirken sich primär negativ auf die Kinder aus.

 

Was tun wir?

Caritas hat unmittelbar nach dem Krieg im Frühling 2009 erste psychosoziale Hilfe für Kinder in Schulen unterstützt. Diese Hilfe wurde von der Partnerorganisation Youth Enhancement Center (YEC) umgesetzt. Das YEC ist eine lokale Organisation in Gaza mit Erfahrung in psychosozialer Unterstützung von Kindern. Im Jahr 2010 hat das YEC mithilfe von Caritas drei neue Zentren in Bayt Lahiya, Bayt Hanun und Jibaliya im nördlichen Gazastreifen eingerichtet, in denen in den letzten 3 Jahren jährlich 7000 Kinder psychosozial betreut wurden.

Geplant war, dass in der Nachfolgephase des Projektes vor allem die Resilienz der Kinder sich in diesem schwierigen Umfeld behaupten zu können, gestärkt werden sollte. Aufgrund der erneuten Angriffe auf Gaza im Juli 2014, muss YEC nun jedoch wieder Nothilfe leisten. Zurzeit ist es zu gefährlich die Zentren zu erreichen. Die Kinder wären dem Bomben schutzlos ausgesetzt. Die Sozialarbeiterinnen besuchen die Spitäler und versuchen die traumatisierten, verletzten Kinder psychologisch zu betreuen. Caritas Schweiz unterstützt diesen Notfalleinsatz.

Die Kinder werden lernen, mit dem ständigen gesellschaftlichen, familiären und schulischen Druck umzugehen, sich ihren Befürchtungen und Ängsten zu stellen und sie zu kontrollieren anstatt sich von ihnen beherrschen zu lassen. Sie lernen einen Umgang mit Stress, irrationalen Ängsten, Unsicherheit, Wut und Rückzug, ohne dass sich diese Emotionen gewalttätig auf andere oder sich selber richten. Dazu gehören das Lernen und Kennen von Techniken der individuellen akuten und längerfristigen Stressbewältigung (Atemtechniken, Sport-Spiel, kreativer Ausdruck), der Aufbau von Nachhilfe- und Austausch-Netzen unter Kindern (peer to peer Nachhilfe, Trost und Solidarität) und Rückhalt und Förderung durch die Gesellschaft in Gaza (Familie und Nachbarschaft).

Angesichts der Dauer der belastenden Lebensumstände in Gaza ist es wichtig, dass die Kinder proaktiv und präventiv Strategien entwickeln können, die ihnen längerfristig im emotionalen Bereich Unterstützung bringen. Die Angebote sollen sich an Kinder zwischen 8-11 Jahre richten, ein in der kindlichen Entwicklung kritisches Alter des Übergangs vom Kindsein, also von der Nachahmung als primärem Lerninstrument hin zur eigenen Kreativität, emotionalen Abgrenzung und eigenständigeren Wertung ihrer Umgebung. Dazu soll insbesondere der kreative Ausdruck von Kindern gestärkt werden mit Mal- und Gestaltungstherapien. Jeweils eine Psychologin und ein Psychologe betreuen eine Gruppe von Mädchen oder Jungen. Sozialarbeiter und Lehrerinnen unterstützen Kinder in der Selbsthilfe untereinander.

Da das Umfeld massgeblich zur Resilienz der Kinder beiträgt, wird YEC auch Veranstaltungen für Eltern und andere Familienangehörige organisieren sowie Kurse für führende Personen von Behörden, umliegenden Organisationen, Clubs und Vereinen durchführen, welche die Bedürfnisse der Kinder thematisieren. Neben den Kindern haben auch Eltern, Angehörige, Lehrpersonen und andere wichtige Personen im Umfeld des Kindes Zugang zu den Zentren haben. Die Fachpersonen besprechen Anliegen dieser Beteiligten und gehen auf Fragen der Eltern ein. Dadurch ergibt sich für das Projekt auch eine beschränkte Mediationsrolle, wobei Familienkonflikte, Schulkonflikte zur Sprache kommen und gemeinsam nach Lösungen gesucht wird. Familien und Schulen, die den Kontakt zu den Zentren suchen, werden auch zu Hause besucht und ein follow-up wird gemacht, um nötigenfalls weitere Massnahmen zu besprechen und einzuführen. Auf diese Weise können während 2 Jahren über 10 000 Kinder und ihre Familien direkt von dieser Hilfe profitieren.  

 

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