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Indien

Abfallsammelnde Kinder arbeiten an einer besseren Zukunft

In Jahangirpuri, einem Slum in Delhi leben 500 000 Menschen; rund 50 000 davon verdienen zwischen 1 und 2 Euro pro Tag mit dem Sammeln von Abfällen und können so knapp überleben. Die Eltern und ihre Kinder beginnen ihr Tagwerk um vier Uhr morgens auf den umliegenden Müllhalden. Caritas Schweiz arbeitet seit Jahren mit den Abfallsammlern: Die Kinder werden eingeschult, unterstützt mittels Nachhilfe und lernen in Kinderparlamenten für ihre Rechte einzustehen. Die abfallsammelnden Familien werden in der Verarbeitung von Abfall geschult.

 

Land/Region/Ort:
Indien, Delhi


Zielgruppe:
Kinder und Familien, die in den Slums von Delhi vom Abfall leben


Mittelbedarf:
580 896 Franken


Projektdauer:
1.5.2016 bis 31.10.2017


Projektnummer:
P150111


Projektziel:
Kinder der Abfallsammler werden eingeschult, erhalten Nachhilfe und setzen sich in Kinder und Jugendparlamenten für ihre Rechte ein. Kleinkinder werden betreut. Die abfallsammelnden Familien organisieren sich in Unternehmen und verwerten innovativ und profitabel Abfall. Die Frauen nutzen die Selbsthilfegruppen für ihre Anliegen und setzen ihre Ressourcen ökonomisch ein.


Projektverantwortlicher:
Jan Gruss, Tel: +41 41 419 23 28, jgrussto make life hard for spam bots@to make life hard for spam botscaritasto make life hard for spam bots.ch


Abteilung:
Asien/Europa

 
 

Worum geht es?

Indien ist voller Gegensätze. Es verfügt einerseits über eine boomende Wirtschaft und weltbekanntes Know-how, nimmt weltweit eine wichtige Brückenfunktion wahr und tritt international als globaler Player auf. Die andere Seite der Medaille zeigt eine bittere Realität: Indien liegt auf dem HDI Index (der nicht nur Einkommen, sondern auch Bildung, Gesundheit, Armut und Gleichstellung einbezieht) unter dem Durchschnitt der südasiatischen Länder, weltweit liegt Indien nur auf Rang 135 (von 187 Ländern). In Indien leben immer noch ein Drittel der Ärmsten weltweit, die mit weniger als 1.25 $ pro Tag auskommen müssen. Knapp 60% der Inder und Inderinnen über fünfzehn Jahren haben (wenn überhaupt) rund vier Jahre die Schule besucht, viele können weder lesen noch schreiben. Die Zukunft sieht – trotz verbesserter Gesetzeslage und allgemeiner Schulpflicht - nicht viel besser aus. Obwohl Gleichberechtigung, Abschaffung von Leibeigenschaft und Kinderarbeit, Überwindung des Kastensystems, Engagement für soziale Gerechtigkeit vorbildlich in der Verfassung festgehalten sind, sind diese Versprechungen in der Praxis kaum eingelöst. Die Armut auf dem Land und die Hoffnung auf ein besseres Leben ziehen viele Menschen in Megastädte, zum Beispiel nach Delhi.

In Indien ist Armut die Hauptursache von Kinderarbeit. Armut ist gleichzeitig auch eine Folge von Kinderarbeit. Weil die Kinder keine Schule besuchen, sondern arbeiten müssen, verdienen sie als Erwachsene zu wenig, um ihre Familie ernähren zu können. Zahlen sind kaum verfügbar - dennoch gehen Schätzungen davon aus, dass rund jedes fünfte Kind unter 14 Jahren in Indien arbeitet. In der indischen Verfassung ist Menschenhandel und Zwangsarbeit verboten. So eindeutig die Gesetzeslage auch ist, mit der Umsetzung hapert es gewaltig.

In Jahangirpuri, einem Slum in Delhi, leben 500‘000 Menschen; rund 5000 abfallsammelne Familien verdienen zwischen 1 und 2 Euro pro Tag mit dem Sammeln von Plastik, Papier und Blechdosen, Kupfer und Eisen und können so knapp überleben. Die Eltern und ihre Kinder beginnen ihr Tagwerk um vier Uhr morgens auf den umliegenden Müllhalden, sortieren die gesammelten Abfälle und verkaufen diese an Händler. Die Situation dieser Familien ist besorgniserregend. Hygienische Verhältnisse und ihr Gesundheitszustand sind alarmierend: Verletzungen durch Scherben und rostige Metalle sind häufig, gefördert durch fehlende Abwassersysteme, unsauberes Trinkwasser und Abfallberge. Die sozialen Probleme sind gross.

 

Was tun wir?

Caritas Schweiz arbeitet seit einigen Jahren mit Abfallsammlern in den Slums von Delhi mit dem Ziel, dass abfallsammelnde Familien ihr Einkommen diversifizieren und sie bei der Neuorganisation der Abfallbewirtschaftung seitens der Stadtverwaltung nicht übergangen werden.

Caritas Schweiz arbeitet mit der lokalen Partnerorganisation Chetanalaya zusammen in Jehangirpuri, einem der Slums von Delhi mit dem Fokus auf Ausbildung von (arbeitenden) Kindern. Die Gesetzgebung in Indien anerkennt das Recht der Kinder auf Ausbildung vom Kindergarten bis zum 10. Schuljahr. Diese Gesetzgebung erlaubt es Chetanalaya, sich mit den Kindern, den Eltern und den Quartieren darauf zu konzentrieren, die Grundrechte einzufordern und gleichzeitig ihre Angebote auf subsidiäre Leistungen im Bildungsbereich zu fokussieren. Es ist bekannt, dass viele der eingeschulten Kinder die Schulen vorzeitig verlassen, weil sie dem Unterricht nicht folgen können – mithin eine der bekannten Armutsfallen. Chetanalaya vertieft ihre Stützangebote in der Nachhilfe für Kinder, macht Kampagnen zur Einschulung der Kinder und für qualitativ guten Unterricht und fördert die Bildung der Kinder- und Jugendparlamente, um ihren Anliegen Nachdruck verschaffen.

Chetanalaya ist ausgesprochen gut verankert im Slumquartier in Jehangirpuri mit einem hochmotivierten und engagierten Team. Bekannt sind sie für ausgezeichnete Initiativen zur Integration der Kinder in die öffentlichen Schulen, die Zentren für Nachhilfeunterricht, effiziente und dringend notwendige Dienstleistungen wie die Krippen und last but not least die Kinderparlamente, an denen über 250 Kinder aktiv teilnehmen. Bekannt und ein Rückgrat in der Quartierarbeit sind die organisierten Frauen, die soziale Fragen aufgreifen und als Spar-und Kreditgruppen gewichtige Akteurinnen für neue Initiativen sind.

Abfallbewirtschaftung ist ein brisantes Thema und dessen Handhabung ist im Umbruch. Die Regierung sieht Handlungsbedarf, um die Abfallbewirtschaftung besser zu organisieren, hat Veränderungen angekündigt und vergibt Verträge an Unternehmen und an Einzelne. Die Chancen der Abfallsammler werden genutzt, um ihre Rechte zu wahren, indem sie sich organisieren und ihre Interessen aktiv vertreten. Zurzeit arbeitet Caritas Schweiz ausserdem mit Chetanalaya an konkreten Möglichkeiten, Abfall besser zu verwerten und zu verkaufen. In den letzten Jahre wurde erfolgreich ein Papier-Recyclingunternehmen aufgebaut, das zunehmend nachgefragte Nischenprodukte herstellt und vermarktet. Neu hinzu kommen dieses Jahr die PET–Verarbeitung sowie die Herstellung von Schmuck aus wiederverwerteten Jute. Caritas Schweiz bietet damit Startmöglichkeiten und Unterstützung für die Einkommensgenerierung für (junge) Frauen und Männer mittels Marktanalysen, technischer Beratung, mit Finanzen, im Aufbau einfacher Organisationsformen sowie im Management und in der Vermarktung.

Last but not least stehen interessierten Familien „Help desks“ zur Verfügung, die Familien in der Unternehmensführung beraten, um ihren Eigeninitiativen zum Durchbruch zu verhelfen.

 

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