Haiti

Eine Berufsbildung im Bausektor und Zugang zu qualifizierter Arbeit

Zwei Drittel der Haitianerinnen und Haitianer leben in Armut. Gleichzeitig ist die Bevölkerung jung – und die Arbeitslosigkeit sehr hoch. Wegen fehlender Schulbildung machen viele Menschen eine traditionelle Lehre im informellen Sektor. Diese Lehren sind jedoch weder geregelt noch auf die Marktbedürfnisse ausgerichtet. Das Projekt fördert den Zugang zu qualitativ guter Aus- und Weiterbildung im Bausektor. So schafft es berufliche Perspektiven insbesondere für junge Menschen mit unzureichender Schulbildung. Gleichzeitig werden die Qualitätsstandards im Wohnbausektor Haitis verbessert, da die Häuser den wiederkehrenden Erdbeben und Hurrikans standhalten müssen.

 

Land / Region / Ort
Haïti, Département Ouest (Port-au-Prince), Département Sud-Est (Jacmel) und Département Sud (Les Cayes)


Zielgruppe
Die Zielgruppe sind junge Haitianerinnen und Haitianer, insbesondere:

  • jungen Menschen im Alter von 15 bis 24 Jahren, die aktuell aus dem formalen Berufsbildungssystem ausgeschlossen sind;
  • junge Menschen, die ihre formale Berufsausbildung in der Baubranche abgeschlossen haben und ein Praktikum bei Mittel- und Kleinstunternehmen absolvieren möchten;
  • formell und informell erwerbstätige Personen im Wohnbausektor. Darin berücksichtigt sind formell und informell ausgebildete Hilfs- und Fachkräfte, Ausbildende und Auszubildende. 

Mittelbedarf
7 Mio. Schweizer Franken


Projektdauer
01.03.2019 bis 28.02.2023


Projektnummer
P180068


Projektziel
Junge Haitianerinnen und Haitianer haben Zugang zu staatlich anerkannten Aus- und Weiterbildungen, finden erfolgreich eine Erwerbstätigkeit und verbessern damit ihr Einkommen. 


Projektverantwortliche
Sonja Leguizamon, Tel: 041 419 23 54, sleguizamonnot shown@caritasto make life hard for spam bots.ch

 
 

Worum geht es?

Der Grossteil der mehr als 11 Millionen Haitianerinnen und Haitianer lebt in prekären Verhältnissen. Zwei Drittel der Bevölkerung lebt in Armut, ein Viertel lebt gar unter der extremen Armutsgrenze von USD 1.25 pro Tag. Die Wirtschaft des Landes ist sehr schwach und das politische System instabil. Wiederkehrende zerstörerische Naturkatastrophen wie Erdbeben, Hurrikane, Dürren und Überschwemmungen verschärfen die Situation massiv. Die langwährende politische Instabilität führt dazu, dass kaum Investitionen aus dem Ausland angezogen werden. Die Wirtschaft ist wenig diversifiziert und verfügt über eine geringe Wettbewerbsfähigkeit.

Die Hälfte der haitianischen Bevölkerung ist unter 25 Jahre alt. In der Altersgruppe von 15 bis 24 Jahren sind jedoch 60% arbeitslos. Im Hinblick auf die politische Instabilität des Landes birgt die hohe Jugendarbeitslosigkeit ein grosses Konfliktpotenzial. Die meisten Berufsausbildungen werden für junge Menschen mit einem formalen Schulabschluss angeboten. 90% der Ausbildungszentren sind allerdings privat und deshalb teuer. Die Masse der jungen Menschen, die entweder aus der Schule ausgetreten ist oder nie in der Schule war, hat keinen Zugang dazu. Die Hälfte der über 15-jährigen Bevölkerung kann weder lesen noch schreiben. Schätzungsweise 500‘000 Kinder werden nie eingeschult, weil sie entweder keine Schule in der Nähe haben oder die Eltern die Schulgebühren nicht bezahlen können.  Nur 56% der eingeschulten Kinder schaffen es überhaupt, die Primarschule abzuschliessen – und noch weniger schaffen die Sekundarstufe. 

Die meisten jungen Menschen in Haiti machen aus diesen Gründen eine «traditionelle Lehre» im informellen Sektor. Insbesondere in der wirtschaftlich wichtigen Baubranche in Haiti ist sie sehr verbreitet.  Die jungen Menschen werden bei einem Kleinunternehmen von einem Meister ausgebildet, der meistens der Chef ist. Dieser bildet die jungen Menschen über learning by doing aus. Die Meister selbst haben das Handwerk auf dieselbe Weise erlernt. Diese traditionelle Lehre ist doppelt informell: Die Ausbildung ist nicht geregelt und damit weder bei anderen Unternehmen noch vom Staat anerkannt. Es gibt keine einheitlichen Lehrpläne, keine Prüfung der Ausbildenden und damit keine einheitlichen Qualitätsstandards. Zudem finden diese Ausbildungen in der informellen Wirtschaft statt. 

Generell sind die Aus- und Weiterbildungen in Haiti nicht ausreichend auf die Marktbedürfnisse ausgerichtet. Die Regulierung der Berufsbildung ist unzureichend, da auf staatlicher Ebene die Koordination zwischen den beteiligten Behörden nicht funktioniert. Der nationale Zertifizierungsrahmen ist noch schwach reguliert und intransparent. Es gibt kaum Schnittstellen zwischen der Schul- und der Berufsbildung, was die Durchlässigkeit geringhält. Dienstleistungen rund um Berufs 
orientierung und Integration in den Arbeitsmarkt sind kaum vorhanden. Es gibt auch keine zuverlässigen Statistiken zur Arbeits 
marktintegration von Absolventinnen und Absolventen von Berufsbildung. Der haitianische Staat hat das Problem jedoch erkannt und im April 2018 ein Gesetz zur Neuorganisation und Modernisierung der beruflichen Aus- und Weiterbildung verabschiedet. Mit diesem Gesetz sind koordinierende Institutionen, ein nationaler Zertifizierungsrahmen und ein Zentrum für Recherche und Entwicklung beruflicher Aus- und Weiterbildung beabsichtigt. Dieses Projekt richtet sich danach aus.

 

Was tun wir?

Das Projekt fördert in den Regionen Port-au-Prince, Jacmel und Les Cayes in Haiti den Zugang zu qualitativ guter Aus- und Weiterbildung im Bausektor.  Es werden berufliche Perspektiven insbesondere für junge Menschen mit unzureichender Schulbildung geschaffen. Gleichzeitig werden die Qualitätsstandards im Wohnbausektor Haitis verbessert, da die Häuser den wiederkehrenden Erdbeben und Hurrikanen standhalten müssen. 

Gemeinsam mit den informellen und formellen Fachkräften werden Berufsverbände gegründet. Die Berufsverbände werden wiederum in die nationale Handwerker- und Handelskammer eingegliedert. Das Projekt unterstützt die Verbände bei ihrer internen Organisation, beispielsweise bei der Erarbeitung von Statuten und Aktivitäten-Plänen. Die Verbände beteiligen sich an der Förderung von Berufsbildungsstandards und werden dafür weitergebildet. Sie erarbeiten Massnahmen, um die Inklusion von Frauen in technischen Berufen zu verbessern. Sie sammeln zudem gute Praxisbeispiele im Wohnbausektor und geben sie an ihre Mitglieder weiter. Darüber hinaus wird eine formelle Vernetzung mit Aus- und Weiterbildungsstätten wie Universitäten oder Ausbildungszentren etabliert. Die nationale Handwerker- und Handelskammer wird dabei unterstützt, einen Dialog mit zentralen politischen Akteuren zu führen. Ziel ist, dass die formellen und informellen Fachkräfte in Berufsverbänden organisiert sind und Einfluss nehmen auf die staatliche Berufsbildungspolitik.

Es wird ausserdem ein Ausbildenden-Pool aufgebaut. Die Ausbildner müssen entweder vom staatlichen Berufsbildungszentrum oder von den Berufsverbänden als Ausbildner anerkannt sein.  Gemeinsam bilden sie Teams, die Lehrinhalte erarbeiten. Für die verbesserte Durchlässigkeit zwischen verschiedenen Aus- und Weiterbildungsangeboten werden zunächst Standards für das Berufsprofil und die notwendigen Kompetenzen erarbeitet. Diese dienen als Basis für die Entwicklung von Zertifizierungen. Aufbauend auf einer Studie zu Frauen in der Baubranche werden Sensibilisierungsmassnahmen umgesetzt. Alle beteiligten Akteure erarbeiten darüber hinaus einen Prozess zum gemeinsamen Monitoring und Evaluation der Ausbildungsstandards. So können die formellen und informellen Fachkräfte ihre Kompetenzen erweitern und zertifizieren.

In einer dritten Projektkomponente soll die Steuerung (Governance) des Berufsbildungssektors verbessert werden. Das nationale Berufsbildungsinstitut wird bei der Verbreitung der erprobten Ansätze und Instrumente sowie bei der Einführung einer Qualitätskontrolle unterstützt. Gemeinsam mit der Ecole Normale Technique wird ein Entwicklungsplan zur Verbesserung der technischen Ausbildung erarbeitet.  Mit dem Ministerium für Öffentliche Arbeiten, Transport und Kommunikation arbeitet das Projekt daran, naturkatastrophenresistente Konstruktionsstandards in die Ausbildungsinhalte zu integrieren und deren Umsetzung zu kontrollieren. Die nationale Handwerks- und Handelskammer wird beim Aufbau einer Datenbank von zertifizierten Handwerkerinnen und Handwerkern unterstützt. Auf der nationalen Ebene werden Behörden dabei unterstützt, einen Ansatz zur Finanzierung der beruflichen Aus- und Weiterbildung zu entwickeln sowie einen Fonds für die Berufsbildung von Frauen in bautechnischen Berufen zu gründen. Es werden zudem verschiedene Ansätze entwickelt, wie Kleinunternehmen für Praktikantinnen und Praktikanten vergütet werden können. Darüber hinaus werden Angebote zur Berufsorientierung entwickelt. 

Das Projekt wird im Rahmen des zwölfjährigen Programms «Système de qualification et d’accès des professionnels au travail en Haïti» der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) umgesetzt. Die erste Projektphase dauert von 2019 bis 2023. Das Projekt wird durch Caritas Schweiz umgesetzt und ist ein Konsortium von Caritas Schweiz (Lead) und Swisscontact.

 

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