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Bosnien-Herzegowina

Kindergarten für alle Kinder!

Der Kindergarten ist zentral für die Lernentwicklung eines Kindes - ganz besonders für benachteiligte Kinder. In den Kantonen Sarajewo und Zenica-Doboj im Kosovo fehlt aber vielen Kindern dieser Zugang. Die Caritas leistet Aufklärungsarbeit, unterstützt die Gemeinden dabei, das Angebot an und in den Kindergärten zu verbessern, und investiert in die Ausbildung von Kindergärtnerinnen und Kindergärtnern.

 

Land / Region / Ort
Kantone Sarajewo und Zenica-Doboj, Kosovo


Zielgruppe
Kinder im Vorschulalter (Kindergarten), insbesondere Kinder aus armutsbetroffenen und/oder marginalisierten Verhältnissen (Roma)


Mittelbedarf
2'504'775 Franken


Projektdauer
01.05.2018 bis 30.04.2021


Projektnummer
P180040


Projektziel
Zugang zu qualitativ hochwertiger Vorschulbildung (Kindergarten) für alle Kinder, insbesondere für Kinder aus benachteiligten Familien und solche, die abgelegen wohnen und/oder keinen Kindergarten in der Nähe haben; Verbesserung der Studienausbildung von KiGa-Lehrpersonal mittels Erweiterung des Fächerangebots und modernen Lehrmethoden


Projektverantwortlicher
Berry Kralj, Tel: 041 419 24 91, bkraljto make life hard for spam bots@to make life hard for spam botscaritasto make life hard for spam bots.ch


Abteilung
Asien / Europa

 
 

Worum geht es?

Die internationale Rechtsordnung anerkennt das Recht auf Bildung seit nunmehr 70 Jahren im Rang eines Menschenrechts. Die UNO-Kinderrechtskonvention legt das Grundrecht jeden Kindes auf Bildung fest. Dabei wird insbesondere die frühkindliche Förderung als essenziell für den Entwicklungsprozess und die volle Potenzialentfaltung des Kindes hervorgehoben. Mit «Frühbildung» ist der Kindergarten gemeint, wie ihn sowohl die Schweiz als auch Bosnien-Herzegowina kennen. Für Kinder aus schwierigen Lebensumständen ist Kindergartenbildung als Vorbereitung auf die Schule sogar noch wichtiger, da sie oftmals keine Förderung zu Hause kennen, weil den Eltern das Bewusstsein und/oder die Ressourcen dafür fehlen.

Laut dem bosnischen Gesetz müssen alle Kinder, bevor sie eingeschult werden, ein Jahr den Kindergarten besucht haben. Im Kanton Zenica-Doboj umfasst der obligatorische Kindergarten 180 Stunden und wird zwischen März und Juli an drei Wochentagen unterrichtet. Im Kanton Sarajewo sieht das Gesetz 150 Stunden obligatorischen Kindergartenbesuch vor. Dieser dauert von September bis Juli, wie das normale Schuljahr, und findet während drei Stunden pro Woche statt. Zusätzlich zum obligatorischen Kindergarten gibt es auch die Möglichkeit, den nicht-verpflichtenden Kindergarten zu besuchen. Dieser wird normalerweise als Halbtags-Kinderhort betrieben und ist kostenpflichtig. Für Kinder aus wirtschaftlich und gesellschaftlich benachteiligten Familien sieht das Gesetz in beiden Kantonen vor, dass Gemeinde- oder Kantonsbehörden die Gebühren auch für den nicht-obligatorischen Kindergarten übernehmen müssen. Die Gemeinden kommen dieser Verpflichtung aber oftmals nicht nach. Und selbst wenn es in den nicht obligatorischen Kindergärten genügend Plätze gäbe, ist für viele Familien in Bosnien diese Art der Kinderbetreuung nicht erschwinglich.

Trotz einigem Fortschritt in den letzten Jahren ist das Bedürfnis nach wie vor sehr gross, wie auch neuste offizielle Erhebungen unterstreichen: Die Anzahl Kinder, die den Kindergarten ordentlich besuchen, ist viel zu klein; Angaben zu Kindern aus besonders benachteiligten Familien fehlen gänzlich wie auch spezifische Angaben zu Kindern der Roma-Minderheit. Diese sind in besonderem Masse von vielschichtiger Ausgrenzung, Marginalisierung und Diskriminierung betroffen. Die Bildungsministerien der Kantone Sarajewo und Zenica-Doboj anerkennen die Bedürfnislage und sind bereit, in Zusammenarbeit mit der Caritas das Problem anzugehen.

Die Gründe für den niedrigen Kindergartenbesuch sind vielfältig: wenig ausgeprägtes öffentliches Bewusstsein gerade in traditionelleren Gesellschaften (e.g. Roma) für die Wichtigkeit des Kindergartenbesuchs für die Kindsentwicklung; mangelhafte staatliche Ressourcen; nicht genug geeignete und sachgerecht eingerichtete Räumlichkeiten; Lehrpersonenmangel; veraltete Lernmethoden.

 

Was tun wir?

Das Projekt konzentriert sich – zunächst – auf die Kantone Sarajewo und Zenica-Doboj. In beiden Kantonen kann Caritas auf langjährige, gute Zusammenarbeit mit den Behörden inklusive Bildungsministerium zurückgreifen. Dazu besteht seitens der zuständigen Behörden Interesse an Zusammenarbeit und erklärter politischer Wille für Veränderungen im Kindergartenbereich.

Das Projekt verfolgt dabei einen dreigliedrigen Ansatz:
Erstens soll durch verstärkte Aufklärungsarbeit die Wichtigkeit des Kindergartenbesuchs für die Kindesentwicklung im gesellschaftlichen Bewusstsein stärker verankert werden und der Kindergartenbesuch eine Selbstverständlichkeit werden. Allen Kindern soll der Zugang zu einem Kindergarten ermöglicht werden, insbesondere aber Kindern von besonders benachteiligten Familien. In Gemeinden und Quartieren ohne Kindergärten werden in Zusammenarbeit mit den Behörden entweder Kindergärten eröffnet oder mittels eines mobilen Kindergartens der Zugang zu Bildung ermöglicht.

Zweitens sollen die Behörden darin unterstützt werden, eine kindgerechte Umgebung in den Kindergärten zu schaffen und ihrer rechtlichen Verpflichtung nachzukommen. Dies kann durch bauliche Massnahmen und das Bereitstellen von Einrichtung geschehen, oder auch durch die Finanzierung von weiteren Kindergärtner/innen, Sozialarbeiter/innen und Spezialist/innen (für spezielle Bedürfnisse beispielsweise in Logopädie oder Bewegungstherapie). Mit Blick auf die Ausgrenzung der Roma sind die in Schulen und Kindergärten teilweise eingeführten Roma-Mediatoren und Mediatorinnen von grosser Bedeutung: In der Vergangenheit hat sich die Zusammenarbeit mit ihnen und Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern in Caritas-Projekten zur Eingliederung von besonders benachteiligten Kindern in die Primar- und Sekundarschule als besonders wirkungsvoll erwiesen. Das vorliegende Projekt soll von dieser Erfahrung profitieren.

Drittens soll die Ausbildung der Kindergärtner/innen verbessert werden. Die Studienleiter/innen der Universitäten Sarajewo und Zenica haben grosses Interesse daran bekundet, mit Hilfe der Caritas Schweiz neue Module zu entwickeln und einzuführen. Es geht dabei insbesondere um die Themen soziale Inklusion, Kinderrechte und zeitgenössische Unterrichtsmethodologie.

Angesichts der schwierigen finanziellen Situation der Bildungsbehörden auf kantonaler und kommunaler Ebene wird sich das Projekt an der Finanzierung von Stellen und Ausstattung beteiligen; dies jedoch ausnahmslos unter der Bedingung staatlicher Mitfinanzierung, damit die lokale Verankerung und Nachhaltigkeit der Projektaktivitäten gesichert sind. Die Bildungsministerien beider Kantone haben ausdrücklich ihre finanzielle Unterstützung zugesichert und entsprechende Absichtserklärungen unterzeichnet.

 

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