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November 2018

Der globale Migrationspakt ist keine Bedrohung, sondern eine Chance

Das Parlament wird in der Wintersession 2018 eine Debatte zur Unterzeichnung des globalen Migrationspakts führen. Die Lektüre dieses Pakts hat in den letzten Wochen eine verkürzte und einseitige Interpretation erhalten. Caritas Schweiz wird bei der eigenen Arbeit oft mit den vielfältigen Auswirkungen von Migration sowohl für die ansässige Bevölkerung als auch für die Migrantinnen und Migranten konfrontiert. Vor dem Hintergrund dieser Erfahrung weist die Caritas die Mitglieder des Nationalrats und des Ständerats auf Themen hin, die in der Diskussion ebenfalls Beachtung verdienen und die aus der Perspektive der Schweiz durchaus auch positiv zu bewerten sind. 

 

Flucht hat einen geringen Anteil an der weltweiten Migration

Migration findet weltweit statt, zum allergrössten Teil innerhalb und zwischen Ländern des Sü-dens. Insgesamt leben ungefähr 250 Millionen Menschen ausserhalb ihrer Heimat. Dabei macht Flucht vor Krieg und Gewalt den kleineren Teil aus. Viel häufiger müssen Menschen ihr Heimatland verlassen, weil sie zu Hause den Lebensunterhalt für sich und ihre Familie nicht verdienen können. Häufig verläuft Migration ungeregelt und ist für die Migrantinnen und Migranten mit äusserst negativen Folgen verbunden. So arbeiten beispielsweise die 1,4 Millionen Nepali in In-dien, Saudi-Arabien, Malaysia und Katar unter äusserst prekären und schutzlosen Bedingungen. Die Schweiz kann nicht dagegen sein, dass ihre Rekrutierung künftig fair erfolgt und sie beispielsweise einen schriftlichen Arbeitsvertrag erhalten sollten. Aber auch Menschen auf der Flucht sind in vielen Ländern mit Folter, Menschenhandel und Ausbeutung konfrontiert. Die Schweiz kann nicht dagegen sein, die internationale Zusammenarbeit bei der Prävention und der Untersuchung von Menschenhandel zu verstärken und gemeinsam die Lebenssituation der Rohingya in Bangladesch zu verbessern. 

Irreguläre Migration verringern

Um die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Menschen bei allen Formen der Migration zu verbessern, verabschiedet die UNO-Staatengemeinschaft den Globalen Migrationspakt. Diese Übereinkunft stellt erstmals eine umfassende Auslegeordnung zu Migrationsthemen dar und benennt Probleme, die kein Staat alleine lösen kann. Die 23 Ziele, auf die sich die Staaten in zweijährigen Verhandlungen verständigt haben, sollen den negativen Folgen der ungeregelten Migration entgegenwirken und die Menschenrechte von Migrantinnen und Migranten schützen. Die Ziele setzen bereits im Herkunftsland an mit vermehrter Unterstützung vor Ort, dem Schutz vor Ausbeutung auf den Migrationsrouten, dem Zugang zu rechtsstaatlichen Verfahren und verbesserter Integration oder gefahrlosen Rückkehrmöglichkeiten. Jede Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen von Migrantinnen und Migranten sowie der einheimischen Bevölkerung in den Herkunfts-, Transit- und Zielländern des Südens verringert den Druck für weitere irreguläre Migration.

Chance für eine weltweit koordinierte Migrationspolitik

Die Schweiz hat zu diesem globalen Migrationspakt durch ihre umfassenden Kenntnisse in der Internationalen Zusammenarbeit und Erfahrungen mit Migration im Inland grundlegend beigetragen. Die Staatengemeinschaft zeigt mit diesem Pakt, dass sie gewillt ist, Migrationsfragen gemeinsam anzugehen und den negativen Konsequenzen der Migration entgegenzuwirken. Es ist eine grosse Chance, gemeinsame Standards und Praktiken anzuwenden und die weltweit stattfindende Migration zu gestalten. Dabei können die einzelnen Länder auch voneinander lernen. Als im In- und Ausland tätige Organisation mit grosser Erfahrung in der Entwicklungszusammenarbeit erachtet die Caritas den Globalen Migrationspakt als einen wertvollen Beitrag, um Herausforderungen in der Migration gemeinsam anzupacken.  
 

 

Statement zum Download

  • Statement: Der globale Migrationspakt ist keine Bedrohung, sondern eine Chance
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