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Tibles Gebray (60), Opfer des Klimawandels

«Die Dürre kommt immer wieder.»

«Alle Berge um uns herum waren bewaldet. Wir hatten viel Vieh, Kühe, Ziegen, die weiden konnten, wo immer sie wollten. Nahrung gab es im Überfluss.» Wenn Tibles Gebray, 60, von ihrer Jugend erzählt, beginnen ihre Augen zu glänzen. Sie erinnert sich daran, dass es Milch und Butter im Überfluss gab, und Honig. Aber dann kamen immer wieder schreckliche Dürrejahre. 

 

Karger und hügeliger könnte ein Gebiet kaum sein als der Bezirk Irob, der zwei Wegstunden östlich von Adigrat, der grössten Stadt in dieser Region, entfernt liegt. Hier, in Dawhan, lebt Tibles Gebray. Sie ist 60 Jahre alt. Sie hat sechs Kinder, drei von ihnen wohnen noch im Elternhaus. 13 Enkel hat sie bereits. Vor 42 Jahren kam sie aus dem Nachbardorf Agreli Koma nach Dawhan um zu heiraten. Ihr Mann war auch Bauer. Seit 1993 ist Tibles Witwe.

Ihr ohnehin schon hartes Leben wurde immer schwieriger, weil die Dürren immer wieder kamen: «In einem Jahr war die Dürre extrem. Wir hatten Hunger, die Tiere hatten nichts mehr zu essen. Monatelang mussten wir durch das Land ziehen und fast jeden Tag den Standort wechseln, damit die Tiere nicht verhungerten. Das war sehr hart.»

Mit einem Staudamm gegen den fehlenden Regen

Vor einigen Jahren begann Caritas in Tibles' Heimat, den Assabol-Staudamms zu bauen. Jetzt verfügen die Bauern über ausreichend Wasser, um ihre Felder und Gärten das ganze Jahr hindurch zu bewässern. 

Gab es früher nur eine Ernte im Jahr - oder gar keine, wenn nicht ausreichend Regen fiel -, so können die Bauern in der Region von Dawhan im Irob-Distrikt (Provinz Tigray im Nordosten von Äthiopien) heute bis zu drei Ernten im Jahr mit sehr unterschiedlichen Erzeugnissen, unter anderem Mais, Kartoffeln, Kohl, Salat, Tomaten, Paprika, Orangen, Papaya, Guave, Mango und Bananen.

 
 

60 Jahre beträgt die durchschnittliche Lebenserwartung in Äthiopien. Tibles ist hier also schon eine alte Frau, aber von unglaublicher Energie. Ihre Schwiegertochter hat gerade ein Kind zur Welt gebracht. Nun übernimmt Tibles die Feldarbeit und kümmert sich um die Tiere. Mindestens zweimal am Tag steigt sie den Hügel zu ihrem Garten hoch. Morgens, um die Erde umzugraben und den Tieren Futter zu bringen, am späten Nachmittag vor allem zum Giessen der Pflanzen. Sie sagt: «Die Dürre kommt immer wieder. Aber das Wasser des Staudamms hat unser Leben verändert. Wir können mehrmals im Jahr eine Ernte einbringen. Wir haben genug zu Essen

 

Wie der Klimawandel in Äthiopien die Menschen in Not bringt

Seit den 80er Jahren wird Äthiopien von immer wiederkehrenden Klimaextremen heimgesucht. Über 80 Prozent der Äthiopierinnen und Äthiopier sind nomadische Hirten, sogenannte Agro-Pastoralisten. Schon länger können sie sich nicht mehr auf die gewohnten Niederschläge verlassen: Der Regen kommt immer unregelmässiger, die Dürreperioden werden immer länger.

Verursacht durch El Niño, einem weltweiten Wetterphänomen, das in unregelmässigen Zyklen in der Region zu Dürren und Überflutungen führt, breitet sich am Horn von Afrika seit 2015 die schlimmste Dürre der letzten 50 Jahre aus. Sie hat zu einer Hungerkrise geführt. In Äthiopien sind vor allem die Menschen betroffen, die im Trockengürtel im Süden des Landes leben. 

 

   

 

Klimaschutz und Armutsbekämpfung

 
 

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