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Monwara Begum (40) und ihre Familie, Opfer des Klimawandels

«Fluten schwemmten unser Haus weg.»

Eines Tages kam das Wasser zu hoch. Es nahm Monwara Begum und ihrem Mann alles. Monwaras Familie lebte in Bhola, ganz im Süden von Bangaldesch – im riesigen Delta, wo die drei grossen Ströme des Landes ins Meer münden. Wie die grosse Mehrheit der armen ländlichen Bevölkerung waren sie Bauern. «Wir konnten von der Landwirtschaft leben», sagt Monwara. Doch langsam versank ihre Lebensgrundlage im Wasser. Verstärkt vom Klimawandel, steigt im Delta der Meeresspiegel. Zyklone und Hochwasser wüten immer öfter und immer stärker. So schwemmten vor über 15 Jahren Fluten das Haus der Familie weg. Monwara und ihr Mann verloren ihr Zuhause und ihr Land. In der Hoffnung auf eine gute Arbeit kamen sie nach Dhaka.

 

Doch ihre Fähigkeiten sind dort kaum gefragt, eine Ausbildung haben Monwara und ihr Mann nicht. Nach langer Suche nach einem neuen Zuhause landeten sie im Lalmath-Slum. Dort kämpfen sie täglich um das Überleben. Wenn Monwara morgens ihr Haus im Slum verlässt, begleitet sie die Ungewissheit: Wird sie genug verdienen, damit die Kinder am Abend etwas zu Essen haben? Monwara sammelt Abfall. Von fünf Uhr früh bis neun Uhr abends sucht sie bei jedem Wetter in den Müllcontainern der Stadt nach Flaschen, die sie weiterverkauft – und nach allem, was sie sonst verwerten kann. Ihr Mann, der seit längerem krank ist, passt derweil so gut es geht auf die Kinder auf. An Schule ist nicht zu denken: Zu teuer ist das Schulgeld, zu viel haben die Kinder verpasst durch das ständige Umziehen.

 
 

Doch nicht nur die Armut ist mit Monwara und ihrem Mann nach Dhaka umgezogen: «Wo auch immer ich hingehe – die Katastrophen begleiten mich», sagt sie. Und wieder wird ihnen das Wasser zum Verhängnis. Der Slum befindet sich in einer Senke. Ihr Haus, ein Blechverschlag, liegt ganz zuunterst, in den «lowlands». Ein Abflusssystem gibt es im Slum nicht. Sobald der Regen kommt, steht alles unter Wasser. Dann ist an ein Übernachten im Haus nicht mehr zu denken. Auch kochen kann Monwara dann nicht. «Wenn es stark regnet, müssen wir das Haus verlassen. Wir gehen dann zum Platz bei der Moschee. Der ist den ganzen Tag zugänglich und überschwemmt nicht.» Dort wartet die Familie, bis das Schlimmste vorbei ist.

Das Leben im Slum wartet jedoch auch mit anderen Katastrophen auf. Kurz nachdem die Familie von Monwara endlich eine Unterkunft gefunden hatte, brannte ein Feuer ihr Haus nieder. Jemand hatte Holz neben einer offenen Kochstelle gelagert. Im Slum, wo sich tausende Häuschen dicht an dicht aneinanderreihen, verbreitete sich das Feuer in Windeseile.

Im Alltag folgt das Verletzungs- und Unfallrisiko den Slumbewohnerinnen und –bewohnern auf Schritt und Tritt. Ohne eine ganz grundlegende Infrastruktur und Alltagsartikel wie zum Beispiel eine funktionierende Abfallentsorgung, sichere Kochstellen oder passende Kleidung lauern die Gefahren im Slum-Alltag hinter jeder Ecke.

 
 
Der Slum steht ganz in der Nähe der Flüsse, Überschwemmungen schutzlos ausgeliefert.
Das Haus von Monwaras Familie, ein fensterloser Raum, liegt ganz zuunterst im Slum, auf einem Fleck Land, das immer wieder unter Wasser steht.
Wenn im Slum Feuer ausbricht, verbreitet es sich über die dicht an dicht stehenden Häuschen rasend schnell. Monwara hat das selbst erlebt.
Monwaras Gesicht erzählt von ihrer Geschichte, aber auch von ihrer Stärke.
In den Abfallcontainern Dhakas sucht Monwara nach Verwert- und Verkaufbarem.
Abgesehen von einigen wenigen Paar Flipflops besitzt die Familie keine Schuhe.
Monwaras Kinder sollen es besser haben als sie.
 

Wie der Klimawandel in Bangladesch den Ärmsten alles nimmt

Kaum ein Land der Welt wird vom Klimawandel und den damit verbundenen Katastrophen derart gebeutelt wie Bangladesch. Während die Menschen im Delta mit dem steigenden Meeresspiegel oder der zunehmenden Versalzung der Böden zu kämpfen haben, sinkt in anderen Regionen der Grundwasserspiegel so tief, dass die Kleinbauernfamilien Mühe haben, ihre Felder zu bewässern. Und gleichzeitig nehmen die Wetterextreme zu. Immer mehr und intensivere Katastrophen wie Wirbelstürme oder Hochwasser zerstören von einem Tag auf den anderen Lebensgrundlagen.

Bangladesch ist eines der am wenigsten entwickelten Länder Asiens. Die Ärmsten haben nichts, was sie den durch den Klimawandel veränderten Bedingungen entgegensetzen können. So bleibt ihnen oft kein anderer Ausweg, als ihre Heimat zu verlassen und in die Städte zu fliehen. Dort drängen sich immer mehr Menschen. Alle sind sie mit der zunehmenden Industrialisierung konfrontiert und einem Arbeitsmarkt, auf dem für sie kein Platz ist. Oft landen sie in den Slums, die mit ihrer hohen Bevölkerungsdichte, ihrer schlechten Infrastruktur und ihren oft ungeschützten Standorten für Katastrophen besonders anfällig sind. Sie machen alle Versuche, sich langfristig etwas aufzubauen, zunichte.

 

Klimaschutz und Armutsbekämpfung

 
 

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