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Klima schützen und Armut von morgen bekämpfen

Überschwemmte Siedlungen oder Ernteausfälle durch Dürren: Die Folgen des Klimawandels bringen immer mehr Menschen in existenzielle Not. Am härtesten trifft es die Schwächsten in den Ländern des Südens. Und der Klimawandel verstärkt ihre Armut. Deshalb gehören Klimaschutz und Armutsbekämpfung untrennbar zusammen.

 

Im Dorf Wegnia, 150 nördlich von Bamako, in Mali, erinnern sich die alten Dorfbewohner noch gut an die Zeiten, als Besucher in die Region strömten, um ihre Vogelvielfalt, die üppige Vegetation und die ertragreiche Landwirtschaft zu bewundern. Und der Fischer Modeste Traoré (54) an die guten Fänge, mit denen er seine Familie ernähren konnte. Doch das gehört längst der Vergangenheit an. Der Wasserstand des Wegnia-Sees, von dem Mensch und Natur leben, ist einfach zu tief: «Selbst wenn viel Regen auf einmal fällt, habe ich wenig Hoffnung, denn die nächste Durststrecke kommt bestimmt», erzählt Modeste:

 

Auch Ostafrika hat der Klimawandel hart getroffen. Die anhaltende Dürre der letzten Jahre hat das Leben von Menschen wie Abdullahi Hashi in Somaliland zu einem Überlebenskampf gemacht. Vor der Dürre hatte er 450 Schafe und Ziegen, zehn Kamele und zwei Kühe. Fast alle diese Tiere hat ihm die schleichende Katastrophe genommen. Nun steht er vor dem Nichts.

 

In der Halbwüste Sertão do Araripe im Nordosten Brasiliens bleibt der Regen fast vollständig aus. Bäuerin Maria Diva erinnert sich, dass es in früheren Jahren noch mehr Niederschläge gab. Ohne die Zisterne und das durch eine Grauwasseranlage gespeiste Bewässerungssystem, die sie im Rahmen eines Caritas-Projekts erhalten haben, wäre ein Leben von der Landwirtschaft für sie und ihre Familie nicht mehr möglich.

 

Der Klimawandel vernichtet Existenzen

Schleichende Veränderungen wie steigende Meeresspiegel oder sich ausbreitende Wüsten beeinflussen ganze Ökosysteme. Stürme, Hochwasser und langanhaltende Dürren treten je länger je häufiger und intensiver auf. Die Folgen: überall auf der Welt werden Ressourcen wie Boden oder sauberes Wasser immer knapper.

Die Ärmsten sind am meisten betroffen

Fast ein Fünftel der Menschen in Entwicklungsländern müssen mit weniger als 1,25 Dollar pro Tag auskommen. Meist sind sie von der Landwirtschaft abhängig – einer Lebensgrundlage, die so fundamental von natürlichen Ressourcen und dem Wetter abhängt wie kaum eine andDere. Doch gerade den Ärmsten fehlt es an Infrastruktur, Knowhow und Mitteln, um sich den veränderten Bedingungen anpassen zu können. Und so sind Menschen wie Monwara Begum, die in den Ländern des Südens von Armut betroffen sind, besonders verwundbar. Mit jedem Hochwasser und jedem Ernteausfall steht für sie die Existenz auf dem Spiel. Oft bleibt ihnen kein anderer Ausweg, als ihre Heimat zu verlassen und in die Städte abzuwandern. Dort sind sie neuen Gefahren und Notsituationen ausgeliefert. So dreht sich die Spirale aus Armut und Folgen des Klimawandels immer weiter.

Eine Frage der Gerechtigkeit

Besonders stossend: Der Klimawandel trifft diejenigen am meisten, die am wenigsten zu ihm beigetragen haben. Denn es sind in erster Linie die Industriestaaten des Nordens, welche die Erderwärmung verursachen. «Die Staaten werden ... zusammenarbeiten, um die Gesundheit und die Unversehrtheit des Ökosystems der Erde zu erhalten, zu schützen und wiederherzustellen. Angesichts der unterschiedlichen Beiträge zur globalen Umweltverschlechterung tragen die Staaten gemeinsame, wenngleich unterschiedliche Verantwortlichkeiten.» So steht es in der Rio-Erklärung über Umwelt und Entwicklung, welche die Weltgemeinschaft im Sommer 1992 verabschiedet hat. Dieses Prinzip der gemeinsamen, aber unterschiedlichen Verantwortung hat auch über 20 Jahre später nichts von seiner Gültigkeit eingebüsst. Im Gegenteil, es hat an Dringlichkeit gewonnen. Die Bekämpfung des Klimawandels und seiner Folgen ist eine Frage der Gerechtigkeit.

 

Was die Schweiz tun muss

Als hochentwickeltes Industrieland steht die Schweiz klar in der Pflicht, sich zu engagieren. Konkret:

  • Da der fortschreitende Klimawandel neue Armutsfallen schafft, braucht es mehr Mittel, damit sich Menschen in Entwicklungsländern den veränderten Bedingungen anpassen können. Die Schweiz kann und muss entschieden mehr tun und wesentlich mehr Gelder zum internationalen Klimafonds beisteuern.
  • Dazu gehört auch, dass die Schweiz neue Finanzierungsquellen erschliesst, die aus Entschädigungen für klimaschädliches Verhalten stammen. Notwendig sind beispielsweise Abgaben auf den Verbrauch nichterneuerbarer Energien oder auf die Produktion von CO2-Ausstoss.
  • Die zusätzlichen Gelder für den Klimaschutz und die Klimaanpassungen darf die Schweiz keinesfalls den Budgets für die Entwicklungszusammenarbeit entnehmen. Sie würde so nämlich jenen Ländern des Südens, die von den Folgen des Klimawandels bereits jetzt am meisten betroffen sind, mit der einen Hand bloss das geben, was sie ihnen mit der anderen Hand weggenommen hat.
  • Nicht zuletzt muss sich die Schweiz für die Rechte und Würde der immer zahlreicheren Klimaflüchtlinge einsetzen.
 
  • Positionspapier: Finanzierung Klimaschutz - die Schweiz muss mehr tun
    Dateiformat: pdf / 231 KB
    Die Erderwärmung verursacht neue Armut. Deshalb darf die internationale Klimafinanzierung nicht auf Kosten von Entwicklungsprojekten gehen. Zusätzlich zur Armutsbekämpfung braucht es verursachergerechte Ansätze, damit neue und zusätzliche Gelder für Klimaprojekte in Entwicklungsländern mobilisiert werden können. August 2016 Download
 

Was Sie tun können

Helfen Sie mit im Kampf gegen den Klimawandel und seine Folgen.  

  • Reduzieren Sie ihren eigenen Fussabdruck. Setzen Sie ein Zeichen, indem Sie bewusst konsumieren. 
  • Unterstützen Sie unsere Projekte mit einer Spende. Damit helfen Sie Menschen, deren Existenz unmittelbar bedroht ist, sich an den Klimawandel anzupassen.
  • Fordern Sie Politik und Behörden dazu auf, sich für den Klimaschutz und die Klimagerechtigkeit einzusetzen.
 
 

  

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