Wirbelsturm Mosambik – der lange Weg in die Normalität

Fokus Internationale Zusammenarbeit - Mediendienst 07/2019

Wirbelstürme kosten Menschenleben, zerstören Existenzen und Lebensgrundlagen. An eine schnelle Rückkehr in das alte Leben ist nicht zu denken. Das zeigt auch die aktuelle Situation in Mosambik nach den Wirbelstürmen Idai (März 2019) und Kenneth (April 2019), wo die existenzielle Notlage der Bevölkerung nach wie vor anhält. Welche Bedingungen müssen erfüllt sein, damit langfristige Lösungen in den Fokus rücken und der Wiederaufbau beginnen kann? 

Gleich zweimal hintereinander wurden die Bewohnerinnen und Bewohner Mosambiks im Frühjahr 2019 von den Naturgewalten heimgesucht. Der Wirbelsturm Idai traf in der Nacht zum 15. März auf das Zentrum des Landes bei der Küstenstadt Beira und bewegte sich von dort ins Landesinnere. Nur etwas mehr als einen Monat später wurde der Norden Mosambiks von Wirbelsturm Kenneth verwüstet. Weit über 600 Menschen verloren bei diesen Unglücken ihr Leben. Über 1600 Menschen wurden verletzt, nahezu 150'000 Menschen aus ihren Häusern und Dörfern vertrieben und mindestens ebenso viele Häuser zerstört. Weitreichend waren auch die Folgen für das zentrale Flachland, den «Brotkorb des Landes». Hier wurden über 700'000 Hektar Anbaufläche von den auf die Wirbelstürme folgenden Fluten zerstört.

Die Notlage für 2 Millionen Menschen dauert an

Über 2 Millionen Menschen wurden von über 400 Hilfsorganisationen in den Tagen, Wochen und Monaten nach den Katastrophen unterstützt, aber ein Grossteil der Menschen konnte bisher noch nicht in ihr altes Leben zurückkehren. Eine aufkeimende Cholera-Epidemie konnte eingedämmt werden, die Schulen sind wieder geöffnet, aber die Notlage für einen Grossteil der Betroffenen hält weiter an. Wieso?

Die einfachen Hütten insbesondere in den ländlichen Regionen, in denen auch Caritas Schweiz tätig ist, wurden entweder vom Sturm oder von den nachfolgenden Fluten weggeschwemmt. Gleichzeitig haben sich die Flussläufe verändert, so dass zahlreiche Dörfer nicht an ihrem ursprünglichen Ort wiederaufgebaut werden können. So bleiben weiterhin fast 150'000 Menschen vertrieben und der Neuanfang verzögert sich für diese Familien. Da die Wirbelstürme kurz vor der geplanten Aussaat auf das fruchtbare Land trafen, fiel eine ganze Ernte aus. Die Menschen bleiben auf Lebensmittelhilfe angewiesen, denn die nächste Ernte können sie erst Ende 2019 einfahren.

Blog: Wirbelsturm Mosambik – der lange Weg in die NormalitätNothilfe und Vorbereitung der nächsten Ernte

Caritas Schweiz fokussiert in dieser Situation auf die notfallmässige Unterstützung der Betroffenen in den vernachlässigten Regionen im Westen des Landes, nahe der Grenze zu Simbabwe. Direkt nach der Katastrophe erhielten die Menschen vor allem Essen sowie Haushalts- und Hygieneartikel. Dies stellt eine Minimalversorgung sicher, während sich die Regierung um die Umsiedlung der Betroffenen kümmerte. Zum jetzigen Zeitpunkt unterstützt Caritas die Familien dabei, sich auf die nächste Aussaat vorzubereiten. Dafür stellt sie Saatgut und Arbeitsutensilien bereit. Bis die Früchte der nächsten Ernte eingefahren werden können, ist die durchgehende Humanitäre Hilfe unabdingbar. Nur so kann die anhaltende Notlage überbrückt werden, bis das Einkommen der Familien wieder gesichert ist.

Erst wenn die existenziellen Fragen der Essensversorgung geklärt und Einkommen gesichert sind, kann die Rehabilitierung und Erholung im grösseren Umfang angegangen werden. Im Zentrum wird neben dem Wiederaufbau der Häuser auch die öffentliche Infrastruktur stehen. Zudem braucht es eine langfristige und nachhaltige Unterstützung in der Landwirtschaft. Schrittweise ist der Weg zurück in die Normalität möglich.

Bild: Dooshima Tsee / CRS

Unser Engagement: Hilfe für die Opfer von Zyklon Idai in Mosambik