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Wie Kleinbauern gegen die Klimaveränderung kämpfen

Klimawandel und Ernährungssicherheit in Mali - Mediendienst 2/2018

Die Projekte der Caritas in Mali sind der beste Beweis: Trotz immer schwieriger werdender Bedingungen ist eine Produktionssteigerung möglich. Voraussetzung für den Erfolg ist, dass die lokale Agrarwirtschaft die nötige Unterstützung erhält, um zwei immensen Herausforderungen die Stirn zu bieten: dem rasanten Bevölkerungswachstum und dem Klimawandel. 

«Das Klima verändert sich. Wenn wir unsere Anbaumethoden nicht anpassen, wird es uns irgendwann nicht mehr geben», lautet die lapidare Feststellung des jungen Bauern Diawélé Coulibaly. Sein Lächeln und seine gute Laune können den Besucher nicht darüber hinwegtäuschen, dass Diawélé in Sorge ist um die Zukunft von Sirini, seinem Heimatdorf. 900 Einwohner zählt das rund 200 Kilometer nördlich von Bamako liegende Dorf. Hier lebt Diawélé Coulibaly mit seiner Familie.

Immer grösser wird die Sorge um die Ernährungssicherheit und immer härter der Kampf der einheimischen Landwirte, ausreichend Nahrungsmittel für die Dorfbevölkerung produzieren zu können. An den Verkauf wenigstens eines Teils der Ernte auf dem Markt ist nicht zu denken. Dabei wäre das so wichtig, um mit dem verdienten Geld die Kosten für lebensnotwendige Produkte decken zu können. Auch hier ist die chronische Dürre der widrigste Gegner.

Die Regenperiode 2017 war die schlechteste, die Sirini in den letzten 15 Jahren erlebte. Es fiel über einen Zeitraum von 43 Tagen lediglich 528 Millimeter Regen. Die ohnehin schon geringe Durchschnittsmenge der letzten 15 Jahre liegt bei 648 Millimeter über einen Zeitraum von 57 Tagen. Ein Teil der Früchte auf den Feldern konnte dieses Jahr nicht reifen. Diawélé Coulibaly war klar, dass er keine Wahl hatte. Mit Hilfe von Caritas erlernte er 2017 die Halbmondtechnik, um sie gleich unterhalb seiner Hirsefelder umzusetzen. Es war eine harte Arbeit, über eine Entfernung von Hunderten von Metern Steine in einer Reihe aufzuschichten, um so das Wasser zurückzuhalten und gegen die Erosion zu kämpfen. Doch der Aufwand hat sich gelohnt: 400 Kilo Kleinhirse konnte er auf einem halben Hektar Ackerboden ernten, ein gutes Ergebnis.

Caritas stellt auch schnellreifende und dürreresistente Saatgutvarianten für Hirse und Sorghum zur Verfügung. Die Kleinbauern beteiligen sich engagiert am Erfahrungsaustausch mit anderen Regionen. Etwas weiter südlich im Land werden mit dem Anbau von Orangen gute Ergebnisse erzielt.

Gemüsefelder

Mit der Unterstützung von Caritas konnten um das Dorf herum auf einer Gesamtfläche von 1,5 Hektar zwei Gemüsefelder angebaut werden. Rund hundert Frauen aus dem Dorf und dem benachbarten Weiler bauen hier unter anderem Tomaten, Salat, Kohl, Zwiebeln, Kartoffeln, Peperoni und Pfefferminze an und können damit ihre Familien gesünder ernähren. Die bereits angelegten Brunnen ermöglichen die Bewässerung der Felder während eines grossen Teils der Trockenzeit. Doch um auch in der Zukunft ausreichend Wasser zu haben, müssen neue, tiefere Brunnen gegraben werden, die mit Solarpumpen ausgestattet sind. Das Wasser wird zu einem immer knapperen Gut. 2017 hatte es sehr wenig geregnet. Der Ernteertrag der Frauen fiel so gering aus, dass sie nichts übrig hatten, was sie auf dem Markt hätten verkaufen können. Im Süden des Landes gelingt dies viel leichter, denn hier fällt mehr Regen. Die Frauen können regelmässig Gemüse auf den umliegenden Märkten verkaufen und mit dem Erlös das Schulgeld der Kinder und die Kosten für die medizinische Versorgung bezahlen.

Die Familienlandwirtschaft in grossem Stil unterstützen

Es gibt lokale Lösungen zur Verbesserung der Ernährungssicherheit der Bevölkerung, die Projekte der Caritas sind hierfür der beste Beweis. Doch Mali und andere Länder der Sahelzone sind andauernd mit Nahrungsmittelknappheit konfrontiert. Seit 2012, als der Vorstoss der Rebellentruppen auf die Hauptstadt durch die Intervention der französischen Armee gestoppt werden musste, ist auch die politische Situation Malis mehr als instabil. Die Unsicherheit ist allgegenwärtig, das Land hängt am Geldtropf und steht unter Vormundschaft. Der Staat hat keinerlei Kontrolle mehr über sein eigenes Staatsgebiet. Polizei, Armee, Justiz und das Schulwesen sind in einem geradezu desaströsen Zustand. Die kleinbäuerliche Landwirtschaft als das in Mali vorherrschende System muss entschieden unterstützt werden, fordert der Ökonomen Joseph Brunet-Jailly mit Nachdruck: «Sobald die Landwirte besser ausgebildet und fähig sind, sich an die technischen, ökonomischen und klimatischen Veränderungen anzupassen, wird die Produktivität steigen.»

Ein Marshallplan für die Sahelzone?

Serge Michailof, ein ehemaliger Mitarbeiter der französischen Entwicklungsagentur (Agence française de développement, AFD) und der Weltbank fordert unumwunden einen «Marshallplan für die Sahelzone».  Er sieht Westafrika und die Sahelzone durch den Djihadismus und die Bevölkerungsexplosion destabilisiert und erinnert daran, dass in Mali noch sehr viel grundlegende Aufbauarbeit «mit hoher Priorität für die ländliche Entwicklung im weiteren Sinn» zu leisten sei. «Massive Investitionen in die Bewässerungssysteme, Bodenschutz und Bodensanierung, Wiederherstellung der Verkehrswege, Wasserspeicher und Geschäfte. » Aber auch die Institutionen gelte es wiederaufzubauen, die Forschung und Sensibilisierung für Techniken zur der Sonnenenergie und die Finanzierung von gemeinschaftlichen Investitionsprogrammen.

In Mali arbeiten acht von zehn Menschen in der Landwirtschaft. Caritas investiert hier mit Erfolg in den Schutz der natürlichen Ressourcen, die Einführung neuer Anbaumethoden und einen verbesserten Marktzugang. In manchen Gebieten konnte die Ernährungssicherheit verbessert werden. Hier konnten sich die Familien, trotz immer schwieriger werdender klimatischer Rahmenbedingungen, zusätzliche Einnahmenquellen erschliessen. Ein erster Schritt, dem in jedem Fall weitere folgen müssen.

Bild: Fabian Biasio 

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