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Wie die Entwicklungszusammenarbeit Naturgefahren begegnet

Weniger Grau, mehr Grün - Mediendienst 1/2018

Kann man sich vor Wirbelstürmen wie «Burglind» schützen? Jein, wäre wohl die richtige Antwort. Auch wenn es sich nicht verhindern lässt, dass sich die Natur von ihrer extremen Seite zeigt, kann der Mensch doch Vieles tun, um sich vorzubereiten und Schäden zu reduzieren. Eine neue Publikation von Caritas mit anderen Nichtregierungs-Organisationen und der Universität Bern hat hierzu über 30 Beispiele aus Entwicklungsländern der ganzen Welt zusammengetragen und analysiert.

Dass Naturkatastrophen Entwicklungsbemühungen ganzer Jahrzehnte zunichtemachen können, ist allgemein bekannt. Während die Öffentlichkeit über Grossereignisse wie Erdbeben oder Tsunamis liest, werden kleinere Ereignisse nur von den direkt Betroffenen bemerkt, obwohl deren Auswirkungen über die Jahre nicht weniger gravierend sein müssen – die alljährliche Überflutung von Feld und Siedlung belastet den indischen Kleinbauern ebenso wie die schleichende Zunahme von Dürren die Lebensgrundlagen der ländlichen Bevölkerung in der Sahelzone zerstört. Entsprechend zielen viele Projekte von Schweizer Organisationen in der Entwicklungszusammenarbeit auf die Verminderung dieser Risiken ab.

Wandel von Grau zu Grün 

Traditionellerweise setzen diese Projekte auf Infrastruktur, etwa um Fluten einzudämmen oder durch Lawinenverbauung tieferliegende Siedlungen zu schützen. Solche Ansätze, die gewissermassen gegen die Natur gerichtet sind, treffen in Entwicklungsländern auf besondere Herausforderungen, insbesondere bei der Instandhaltung. Zunehmend flankieren oder ersetzen Organisationen wie die Caritas sie daher mit Massnahmen, die im Einklang mit der Natur stehen. Aufforstungen und Terrassierungen stabilisieren rutschgefährdete Hänge, eine nachhaltige Bewirtschaftung von Böden erhöht deren Aufnahmefähigkeit für starke Regenfälle, wodurch Überflutungen reduziert werden können. Dieser grüne Weg wirkt sich häufig zusätzlich positiv auf Lebens- und Einkommensverhältnisse aus und macht die Natur zum Partner beim Schutz gegen Extreme.

Der dreifache Nutzen 

Exakt diese Schnittstelle zwischen Katastrophenvorsorge, nachhaltiger Bewirtschaftung natürlicher Ressourcen und Lebensunterhalt bearbeitet die Caritas in Projekten verschiedenster Länder, beispielsweise Tadschikistan oder Haiti. Hier werden gezielte Wiederaufforstung, verbessertes Weidemanagement und eine an den Klimawandel angepasste Landwirtschaft zusammengebracht, um das Land als Ernährungsgrundlage für die kommenden Generationen zu erhalten. Gleichzeitig schützen diese Massnahmen die Bevölkerung vor Überschwemmung und ermöglichen ihr einen Lebensunterhalt. Es sind Beispiele wie dieses, die die Publikation vorstellt und wissenschaftlich analysiert.

In der Schweiz wird der grüne Weg übrigens seit Jahrhunderten ebenfalls beschritten, indem Wald geschützt und zum Beispiel nach dem Wirbelsturm Lothar zum Schutz vor Hangrutschungen und Lawinenabgängen extensiver wiederhergestellt wurde, oder bei der Renaturierung von Flussläufen und der Schaffung von Naherholungszonen entlang von Bächen auf Kosten von Agrarflächen. Ein Erfahrungsschatz, von dem auch die Menschen in Entwicklungsländern profitieren.

Damit kann aber nicht jeder Schaden abgewendet werden. Es ist das Ausmass der Katastrophe und die Häufigkeit, die sich durch den Menschen beeinflussen lässt. Nicht jedoch, ob und wann sie überhaupt auftritt.

 

«Where people and their land are safer: A Compendium of Good Practices in Disaster Risk Reduction»
Publiziert vom Interdisziplinären Zentrum für Nachhaltige Entwicklung (CDE) der Universität Bern und der Swiss NGO Disaster Risk Reduction (DRR) Platform, bei der auch Caritas Schweiz dabei ist. Download der Publikation (PDF)

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