Wenig beachtete Hindernisse bei der Integration

Flüchtlinge und Asylsuchende in der Schweiz - Mediendienst 10/2021

Seit der Phase der starken Fluchtbewegungen in den Jahre 2014 bis 2016 wurden in der Schweiz zahlreiche Integrationsmassnahmen auf Bundes- und Kantonsebenen ergriffen. Viele Erfolge konnten dabei erzielt werden. In manchen Fällen waren die Fortschritte aber geringer als erhofft. Hier stellt sich die Frage nach den Gründen.

Integrationsmassnahmen fokussieren hauptsächlich auf drei Punkte, welche die Integration von Flüchtlingen erschweren: Sprache, Bildung und Kultur. Obwohl die Kantone vielfältige Integrationsprogramme entwickelt und diese den Flüchtlingen angeboten werden, gibt es immer wieder Fälle, in denen die Integration nicht glückt. Die Frage nach den Gründen dafür führt zu wenig beachteten Hindernissen beim Integrationsprozess.

Die Wohnsituation spielt eine wichtige Rolle beim Integrationsprozess. Sie kann die Integration behindern, wenn sie nicht optimal ist. Nach dem vorübergehenden Aufenthalt im Durchgangszentrum werden die Flüchtlinge in die Gemeinden transferiert. In manchen Fällen und meistens aus wirtschaftlichen Gründen werden sie in entfernten Unterkünften untergebracht, die weniger kosten als Wohnungen an zentralen Lagen. Oder sie wohnen in Wohngemeinschaften in Gebäuden, welche speziell für Asylwohnungen gemietet wurden. In beiden Fällen mangelt es den Flüchtlingen an Kontakten zu den einheimischen Nachbarn. In Wohngemeinschaften kommunizieren die Bewohnerinnen und Bewohner häufig in ihrer Muttersprache, was für den Erwerb der deutschen Sprache nicht sehr hilfreich ist.

Isolation und der Kontaktmangel zu den Einheimischen wirken sich negativ auf den Integrationsprozess aus. Einzelwohnungen an zentraleren Lagen würden den Flüchtlingen dagegen bessere Kontaktmöglichkeiten verschaffen. Dabei könnten sie nicht nur ihre Sprachkenntnisse verbessern, sondern auch die lokalen Benimmregeln, Traditionen und die Gebräuche unserer Gesellschaft besser kennen lernen.

Ängste und falsche Informationen

Manche Flüchtlinge haben ihre eigenen Vorstellungen zum Thema Integration. Sie befürchten, dass damit das Verleugnen der eigenen Identität gemeint sei, was starke Widerstände auslösen kann. Sie lehnen gewisse Integrationsmassnahmen ab, sie zweifeln an den Zielen der Massnahmen und betrachten die von Fachpersonen eingeforderten kulturellen Anpassungen sehr skeptisch. Menschen, die so reagieren, brauchen eine spezielle kulturelle Beratung, bei Vertrauen aufgebaut wird.

Manche Flüchtlinge orientieren sich gerne an Landsleuten, die bereits zu einem früheren Zeitpunkt in der Schweiz eingetroffenen sind. Sie bitten diese um Rat, anstatt sich an Behörden- oder Fachpersonen zu wenden. Dabei kommt es auch vor, dass sie falsche Informationen und irreführende Vorschläge zum Thema Asyl und Integration erhalten, die sie gegen geplante Integrationsmassnahmen kritisch stimmen.

Es wäre daher gut, wenn die Integrationsfachstellen einen schnelleren Zugang zu den neuen Flüchtlingen erhalten könnten. Dabei könnte der Einbezug von interkulturellen Dolmetschern und Vermittlerinnen sehr hilfreich sein.

Individuelle und spezifische Integrationsangebote sind notwendig

Ältere Personen, Flüchtlinge mit gesundheitlichen Problemen sowie Analphabeten mit geringeren Chancen zur beruflichen Integration können an den üblichen Integrationsprogrammen nicht teilnehmen. Auch alleinerziehende Mütter und Väter mit kleinen Kindern sind auf teure Kita-Plätze oder Angebote von Spielgruppen angewiesen, um die Integrationsangebote in Anspruch nehmen zu können. Neben körperlichen und psychischen Einschränkungen ist also auch die fehlende zeitliche Flexibilität ein Grund dafür. Werden sie nicht in Integrationskonzepten mitberücksichtigt und mit spezifischen Angeboten angesprochen, nehmen solche Fälle Jahr für Jahr zu. Das hat unerwünschte Folgen, nicht zuletzt finanzieller Art.

Die Zahl der Flüchtlinge ging in den letzten drei Jahren zwar zurück, aber der Beratungs- und Entwicklungsbedarf für solche Fälle ist tendenziell gestiegen. Es ist natürlich anspruchsvoll und aufwendig, auf jeden Einzelfall gezielt einzugehen. Für eine langfristige Integration, insbesondere auf beruflicher Ebene, würde es sich aber mehr als lohnen.

Bild: Georg Hofer

Caritas-Engagement im Bereich Asyl und Migration