Warum die Schweiz eine starke Entwicklungszusammenarbeit braucht

Antworten auf 46 drängende Fragen - Mediendienst 06/2019

In einem Jahr entscheidet das Parlament darüber, wie die Schweiz ihre Internationale Zusammenarbeit ab 2021 ausrichten wird. Die Caritas möchte einen Beitrag zur Diskussion über die Entwicklungshilfe leisten. In einer kurzen, anschaulichen Broschüre nimmt sie häufige Fragen aus der Bevölkerung und aus der Politik auf – und gibt kurze, prägnante Antworten, was die Entwicklungszusammenarbeit leisten kann. 

Schon bald wird das künftige Parlament darüber entscheiden, wie die Schweiz ihr internationales Engagement für die Jahre 2021 bis 2024 ausrichten wird. Die Internationale Zusammenarbeit beinhaltet humanitäre Hilfe und Wiederaufbauarbeit, Konfliktprävention und zivile Friedensförderung sowie die langfristige Entwicklungszusammenarbeit.

Bereits Ende 2018 hatte der Bundesrat die wichtigsten Eckpunkte für die Ausrichtung der Internationalen Zusammenarbeit ab 2021 bekanntgegeben. Nun liegt ein Entwurf vor, den Bundesstellen wie die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) und das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) ausgearbeitet haben. Erstmalig können politische Parteien, Hilfswerke und Verbände sowie Wissenschaft und Privatwirtschaft im Rahmen einer öffentlichen Vernehmlassung ihre Sicht der Dinge darlegen. Dies ermöglicht eine breite Debatte über das internationale Engagement der Schweiz.
Mit einer kurzen und anschaulichen Broschüre bringt sich die Caritas in die öffentliche Diskussion zur Entwicklungshilfe ein. Sie nimmt häufige Fragen aus der Bevölkerung und der Politik auf und gibt klare und verständliche Antworten, was die Internationale Zusammenarbeit leisten kann – und wo andere Instrumente und Ansätze notwendig sind.

46 Antworten auf drängende Fragen zur Entwicklungszusammenarbeit

In der Broschüre lesen Sie,

  • weshalb Entwicklungshilfe trotz weltweiter Erfolge in der Armutsbekämpfung immer wichtiger wird;
  • wie sich die Entwicklungshilfe in den letzten Jahrzehnten verändert und weiterentwickelt hat;
  • weshalb die Internationale Zusammenarbeit aus Solidarität und Verantwortung, aber auch stark im eigenen Interesse, geleistet wird;
  • wie die Entwicklungszusammenarbeit die Menschen vor Ort stärkt, damit sie ihre Lebenssituation aus eigenen Kräften verbessern können;
  • warum Afrika-Asien Vergleiche schwierig und oftmals nicht zielführend sind;
  • weshalb die schweizerische Entwicklungshilfe auf eine faire und nachhaltige Rohstoff-, Klima- und Steuerpolitik angewiesen ist;
  • was die Internationale Zusammenarbeit in unsicheren Regionen und autoritären Ländern ausrichten kann;
  • wo die Schweiz mit ihrem internationalen Engagement im Vergleich zu anderen Ländern steht;
  • weshalb die Entwicklungszusammenarbeit im Kampf gegen den Klimawandel so wichtig ist, aber auf mehr und zusätzliche Mittel angewiesen ist;
  • weshalb es nicht darum geht, Migration in Richtung Europa zu verhindern, sondern Migration – wo auch immer sie sich abspielt – menschenwürdig und entwicklungsfreundlich mitzugestalten.

Zur Broschüre: 46 Antworten auf drängende Fragen zur Entwicklungszusammenarbeit

 

Fakten zur weltweiten Armut

Beinahe die Hälfte der Weltbevölkerung lebt mit weniger als 5,50 US-Dollar am Tag. Das bringen aktuelle Zahlen der UNO zum Ausdruck. Ein Viertel muss mit weniger als 3,20 US-Dollar täglich auskommen. Und einer von zehn Menschen gilt als «extrem arm». Konkret bedeutet dies, mit weniger als 1,90 US-Dollar pro Tag überleben zu müssen. Über die Hälfte der extrem armen Menschen lebt in Afrika südlich der Sahara. Die Zahl der Armen in dieser Weltregion nimmt zu. Setzt sich der Trend fort, werden im Jahr 2030 neun von zehn Armen in Subsahara-Afrika leben.

Verbesserungen oft nur vorübergehend

Die Anzahl der Menschen, die in extremer Armut leben, ist zwischen 2008 und 2015 von 1,2 Milliarden auf 750 Millionen gesunken. Zu diesem Erfolg hat auch die Entwicklungshilfe beigetragen. Extreme Armut komplett zu beenden, bleibt dennoch eine riesige Herausforderung. Einerseits wird es immer schwieriger, die verbleibenden, von extremer Armut betroffenen Menschen mit Hilfsmassnahmen zu erreichen. Andererseits besteht die Gefahr, dass die Verbesserungen für diejenigen Menschen, die sich aus der extremen Armut befreien konnten, nur vorübergehender Natur sind: wirtschaftliche Krisen, klimabedingte Naturkatastrophen, verdorrte Ernten oder Wasserknappheit können hart erarbeitete Fortschritte über Nacht wieder zunichtemachen.

Zahl der Hungernden steigt wieder

131 Millionen Menschen sind auf humanitäre Nothilfe angewiesen, ein neuer Höchstwert. Weltweit wächst eines von vier Kindern in einem Land auf, das von Krieg, Gewalt oder anderen humanitären Krisen erschüttert ist. 617 Millionen Menschen können nicht lesen und rechnen. Mehr als zwei Milliarden Menschen haben keinen verlässlichen Zugang zu Trinkwasser. Und auch der Hunger ist noch lange nicht besiegt. Seit zwei Jahren steigt die Zahl der Hungernden sogar wieder an, auf 820 Millionen Menschen weltweit.